Die zuständigen Ärzte sollten sich einmal wöchentlich mit dem zuständigen Mitarbeiter des mikrobiologischen Labors über die aktuellen Resultate des mikrobiologischen Screenings austauschen. Da die Anwendbarkeit der Definition multiresistenter gramnegativer Infektionserreger (MRGN) (Sh. MRGN-Empfehlung der KRINKO von 2012) in der NICU und in der Pädiatrie limitiert ist, wird als Ergänzung für gramnegative Isolate von neonatologischen oder pädiatrischen Patienten die zusätzliche Kategorie „2MRGN NeoPäd“ eingeführt.

Im Epidemiologischen Bulletin Nr. 42 vom 21.10.2013 ist die Empfehlung der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des RKI) „Praktische Umsetzung sowie krankenhaushygienische und infektionspräventive Konsequenzen des mikrobiellen Kolonisationsscreenings bei intensivmedizinisch behandelten Früh- und Neugeborenen“ veröffentlicht worden. Es handelt sich um eine ergänzende Empfehlung aus den Jahren 2007 und 2012 zur Implementierung der Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen bei neonatologischen Intensivpflegepatienten mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 g.

Die vorliegende Empfehlung soll alle in die intensivmedizinische Behandlung von Früh- und Neugeborenen involvierten Berufsgruppen bei der praktischen Umsetzung des mikrobiologischen Screenings und in Bezug auf infektionspräventive und krankenhaushygienische Konsequenzen unterstützen, die sich (u.a. gemäß § 23 IfSG) aus den Ergebnissen des Screenings ergeben.

Um der Komplexität des medizinischen Hintergrundes gerecht zu werden, wurde das in anderen Empfehlungen der KRINKO stets enthaltene Kapitel „Risikocharakterisierung“ in ein nachgeordnetes Dokument ausgelagert. Dieses Dokument (nachfolgend „Monographie“ genannt) charakterisiert sowohl Risikofaktoren auf Seiten der Patienten als auch die Bedeutung bestimmter Infektionserreger in dieser speziellen Patientenpopulation. Zusätzlich enthält die Monographie Hinweise zur strukturell-organisatorischen und baulich-funktionellen Ist-Situation in neonatologischen Intensivpflegestationen (NICUs) in Deutschland, Daten aus der „Aktion Saubere Hände“ sowie aktualisierte Informationen zu Ausbrüchen in NICUs.

Die Empfehlung richtet sich primär an neonatologische Intensivmediziner und das Pflegepersonal von NICUs, aber auch an die Pränatalmediziner, Geburtshelfer und die Krankenhausadministration von Kliniken mit NICU. Ebenso ist die Empfehlung an pädiatrische Infektiologen, Mikrobiologen, Krankenhaushygieniker und Hygienefachpersonal adressiert.

Nachfolgend wird auf einige Aspekte der neuen Empfehlung hingewiesen:

•    In den Hinweisen der KRINKO zur „Definition der Multiresistenz gegenüber Antibiotika bei gramnegativen Infektionserregern im Hinblick auf Maßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung“ und der Empfehlung zu „Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen“ hat die KRINKO bereits darauf hingewiesen, dass die Definition von MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen), die Risikocharakterisierung in Bezug auf bestimmte Erregerspezies und auch die hieraus resultierenden Hygienemaßnahmen nicht ohne Weiteres auf die Situation bei neonatologischen Intensivpflegepatienten übertragen werden können. Daher wird mit dieser Empfehlung als Ergänzung für gramnegative Isolate von neonatologischen oder pädiatrischen Patienten die zusätzliche Kategorie „2MRGN NeoPäd“ eingeführt.

•    Zum Nachweis kolonisierender potenziell pathogener Mikroorganismen wird für neonatologische Intensivpflegepatienten die wöchentliche Durchführung eines mikrobiologischen Screenings (Kolonisationsscreening) empfohlen. Aus Praktikabilitätsgründen sollte das Screening stets am gleichen Wochentag stattfinden. Zusätzlich zum wöchentlichen Screening ist ein Screening bei Übernahme von Patienten aus anderen NICUs oder Intensivabteilungen anderer Fachdisziplinen erforderlich.

•    Damit für die Durchführung des mikrobiologischen Screenings im klinischen Alltag einer NICU ein Routineablauf festgelegt werden kann, ist es sinnvoll, eine Liste derjenigen (potenziellen) Infektionserreger zugrunde zu legen, die durch das Screening zeitnah identifiziert werden sollen.

•    Eine Besonderheit der neonatologischen Intensivmedizin besteht darin, dass bestimmte kolonisierende Bakterienspezies auch dann durch das Screening identifiziert werden sollten, wenn sie keine speziellen Resistenzen oder Multiresistenzen aufweisen. Erfahrungen haben gezeigt, dass Frühgeborene meist nicht mit zahlreichen verschiedenen, sondern lediglich mit einigen wenigen gramnegativen Erregerspezies kolonisiert sind. Einige dieser Erreger (z.B. Serratia spp., Pseudomonas aeruginosa) haben, wenn sie bestimmte Virulenzeigenschaften aufweisen, ein hohes epidemisches Potenzial.

•    Ein Routinescreening auf VRE ist erst dann anzustreben, wenn es bei mindestens einem Patienten zu einer invasiven Infektion gekommen ist.

•    Zur zielgerechten mikrobiologischen Untersuchung sollte dem untersuchenden Labor neben den Patienten- und Einsenderdaten, der Lokalisation und dem Zeitpunkt der Probenentnahme auch mitgeteilt werden, ob es sich bei der Probe um Screeningmaterial oder um eine Probe handelt, die gezielt bei Infektionsverdacht asserviert wurde. (Ergänzende Hinweise zu den mikrobiologischen Methoden und zur In-vitro-Empfindlichkeitstestung finden sich in der Monographie.)

•    Zum rationalen und effizienten Umgang mit der enormen Vielzahl relevanter Informationen aus dem mikrobiologischen Screening sowie nach § 23 IfSG (Listen mit den zu erfassenden Krankheitserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen), die von den behandelnden Ärzten zeitnah bewertet werden müssen, ist es sowohl auf der Arbeitsebene der mikrobiologischen Laboratorien als auch in der Klinik zwingend erforderlich, zeitgemäße elektronische Datenbanksysteme einzusetzen.

•    Die mit dem mikrobiologischen Screening bei intensivmedizinisch behandelten Früh- und Neugeborenen unmittelbar zusammenhängenden Kommunikationsaufgaben zwischen dem mikrobiologischen Labor und den behandelnden Ärzten sind personalintensiv und gehen über einen monatlichen Ergebnisbericht nach § 23 IfSG deutlich hinaus. Die resultierenden Befunde sollten einmal wöchentlich von den hierfür verantwortlichen Ärzten durchgesehen und mit dem zuständigen Mitarbeiter des diagnostischen Labors sowie ggf. auch der Krankenhaushygiene besprochen werden. Erstnachweise eines 2MRGN NeoPäd, 3MRGN, 4MRGN, von MRSA oder VRE aus Screeningmaterialien sollten vorab telefonisch mitgeteilt werden.

•    Die Ergebnisse des mikrobiologischen Screenings und die Ergebnisse der Erreger- und Resistenzstatistik, bezogen auf klinische (invasive) Isolate, sollten von einem interdisziplinären Team dazu genutzt werden, die empirische Antibiotikastrategie der entsprechenden Intensivstation kritisch zu hinterfragen und ggf. anzupassen. Hierzu benötigen NICUs ein Antimicrobial Stewardship Konzept.