Die Bundesauswertung 2016 beinhaltet die Ergebnisse aller Qualitätsindikatoren (QI) zu den Leistungsbereichen der Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern (QSKH-RL) in unkommentierter Form sowie ergänzende, meist deskriptive Analysen. Der Qualitätsreport 2016 fasst ausgewählte Indikatorergebnisse zusammen und vergleicht sie mit den Vorjahresergebnissen. Die Ergebnisse wurden mit Unterstützung der Bundesfachgruppen kommentiert und wurden am zweiten Tag der diesjährigen QS-Konferenz des G-BA am 29. September 2017 der Fachöffentlichkeit präsentiert. Außerdem enthält der Qualitätsreport Hintergrundinformationen, Qualitätsziele, Ergebnisse des Strukturierten Dialogs und der Datenvalidierung sowie Empfehlungen zur Weiterentwicklung.

Änderungen im Vergleich zum Vorjahr

Erstmals ist im Qualitätsreport den planungsrelevanten Qualitätsindikatoren der Leistungsbereiche Gynäkologie, Mammachirurgie und Geburtshilfe ein eigenes Kapitel gewidmet. Das erste sektorenübergreifende Verfahren perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie, das seit dem 1. Januar 2016 im Regelbetrieb läuft, konnte dagegen aufgrund der noch unvollständigen Datenbasis noch nicht abgebildet werden. Das Schema zur Bewertung des Handlungsbedarfs zu den Qualitätsindikatoren wurde vom IQTIG geändert (Einteilung in kein, normaler und besonderer Handlungsbedarf). In den Leistungsbereichen der Endoprothetik (Hüfte/Knie) und der Herzschrittmacherversorgung ist erstmals eine Auswertung der Follow-Up-Indikatoren erfolgt.

Datenbasis

Insgesamt haben 1544 Krankenhäuser an 1887 Standorten in 25 Leistungsbereichen 266 Qualitätsindikatoren erhoben, davon 28 Indikatoren in PCI. Übermittelt wurden rund 2,5 Mio Datensätze. Die Reduzierung von 351 in 2015 auf 238 Indikatoren in 2016 erklärt sich vor allem durch eine Umbenennung von Indikatoren ohne Referenzbereich in Kennzahlen, die das IQTIG im Rahmen der Verfahrenspflege vorgenommen hat. Die Vollzähligkeit ist im Vergleich zum Vorjahr mit 99,94 % nahezu unverändert. Über 90% der Indikatoren (216 von 238) werden in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser veröffentlicht.

Ergebnisse

53 (22%) der insgesamt 238 Indikatoren weisen eine signifikante Verbesserung auf (2015: 13%); 9 Indikatoren (4%) haben sich signifikant verschlechtert (2015: 6%), 165 (69%) Indikatoren blieben unverändert (2015: 65%). Bei 11 Indikatoren (5 %) ist keine Aussage im Vergleich zum Vorjahr möglich, da sie entweder neu eingeführt oder verändert wurden. Insgesamt wird bei 220 Indikatoren „normaler“ (Verbesserungspotenzial vorhanden) und bei 7 Indikatoren „besonderer“ Handlungsbedarf (Verbesserungspotenzial vorhanden, aber mit den Mitteln der QS nicht oder nicht ausreichend schnell erreichbar) gesehen.

Positiv hervorzuheben sind Verbesserungen im Leistungsbereich Ambulant erworbene Pneumonie. Hier haben sich die Ergebnisse nahezu aller Indikatoren statistisch signifikant verbessert. Auch im Leistungsbereich Karotis-Revaskularisation zeigten sich keine Qualitätsmängel in Bezug auf schwerwiegende Komplikationen oder in Bezug auf die Indikationsstellung zur Behandlung von Karotisstenosen. Auch die Komplikationsraten bei Simultaneingriffen gingen zurück.

In den Leistungsbereichen der Herzchirurgie zeigt sich anhand der Ergebnisse eine stabile und gute Versorgungsqualität der Krankenhäuser mit teils positiver Tendenz im Vergleich zum Vorjahr. Hier hat die Bundesfachgruppe erneut auf die Notwendigkeit einer sektorenübergreifenden Betrachtung hingewiesen. Auch die Versorgungsqualität in der Transplantationsmedizin wird insgesamt als stabil und gut bewertet. Bei den Follow-Up-Indikatoren, die das 1-, 2- und 3-Jahres-Überleben bei Nieren- und Pankreastransplantationen betrachten, kann aufgrund noch fehlender Datensätze noch keine abschließende Aussage getroffen werden.

Im Leistungsbereich Gynäkologische Operationen wird den Krankenhäusern eine weiterhin gute Versorgungsqualität bescheinigt. Alle Indikatoren zeigen eine gleichbleibende oder positive Tendenz. Die Bundesfachgruppe hat sich für eine Überprüfung und ggf. Aktualisierung des Verfahrens ausgesprochen und hält eine sektorenübergreifende Betrachtung für erforderlich.

In den QS-Verfahren Geburtshilfe und Neonatologie wird die Versorgungssituation als gut bis sehr gut beurteilt – mit Ausnahme des Indikators „Anwesenheit eines Pädiaters bei Frühgeburten“, der als Indikator mit besonderem Handlungsbedarf eingestuft wird. Zahlreiche Indikatoren haben sich signifikant verbessert; z.B. die Indikatoren zur Rate durchgeführter Kaiserschnitte und zur Antibiotikaprophylaxe bei der Kaiserschnittentbindung, die Rate an bronchopulmonalen Dysplasien, die Durchführung eines Hörtests und die Messung der Aufnahmetemperatur. Für den bereits als planungsrelevant vorgegebenen Qualitätsindikator „Anwesenheit eines Pädiaters bei Frühgeburten“ werden gesetzliche Regelungen zur Behebung von Prozess- und Strukturmängeln angeraten.

Negative Entwicklungen zeigen sich u.a. in den Leistungsbereichen der Herzschrittmacherversorgung und bei der Versorgung mit implantierbaren Defibrillatoren. Während die Follow-Up-Indikatoren zu Hardwareproblemen, Infektionen und Aggregatperforationen positive Ergebnisse zeigen, werden Qualitätsdefizite bei den Indikatoren zu prozedurassoziierten Problemen gesehen und es ist vor allem eine hohe Rate an Sondenkomplikationen zu beobachten. Auch die Vorgaben für die Strahlendosis werden zu häufig überschritten. Durch eine Änderung der Rechenregeln in Anpassung an die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie hat sich das Ergebnis des Indikators zur Indikationsstellung für die Schrittmacher-Implantation deutlich verschlechtert, sodass hier von einer noch unzureichenden Umsetzung der Leitlinien auszugehen ist.

In den orthopädisch-unfallchirurgischen Leistungsbereichen haben sich 17 von 35 Qualitätsindikatoren statistisch signifikant verbessert. Bei den Prozessindikatoren zur präoperativen Verweildauer bei hüftgelenknaher Femurfraktur wurde allerdings bundesweit in mehr als 15% der Fälle die maximal zulässige Verweildauer vor einer Operation überschritten.

Nähere Einzelheiten sind dem Qualitätsreport zu entnehmen.