Im „Fall des Monats August 2015“ wird die Versorgung eines Patienten beschrieben, der mit einem Fahrrad gestürzt war. Es wird gemeldet, dass Ersthelfer bereits mit der Reanimation beschäftigt waren, bevor der Rettungsdienst eintraf. Dieser führte erfolgreich die Reanimation fort und transportierte den Patienten – in 40 Minuten – zum nächsten Krankenhaus. Unter der Arbeitsdiagnose „Reanimation bei V.a. kardiales Geschehen“ wurde der Patient intubiert und beatmet auf der Intensivstation aufgenommen. Er war zu dem Zeitpunkt auskultatorisch o.B. und unter Katecholamintherapie kreislaufstabil. Allerdings hatte er diverse Prellmarken am ganzen Körper, war aber nicht Inline-immobilisiert. Daher wurde aus dem ursprünglichen „internistischen Patienten“ ein Patient mit Polytrauma. Ca. 60 Minuten nach stationärer Aufnahme wurde eine "Polytrauma-Spirale" durchgeführt, bei der sich eine Dens-Fraktur zeigte. Erst jetzt erfolgte die Immobilisation der Halswirbelsäule. Der/die Meldende sah mehrere Gründe für dieses kritische Ereignis. Ein Faktor war, dass die Maßnahmen der Ersthelfer und des Rettungsdienstes sich auf die Reanimation mit einer angenommenen kardialen Ursache konzentrierten. Hierbei waren traumatische (Begleit-)Ereignisse anscheinend nicht berücksichtigt worden oder sekundär. Erst im Krankenhaus verlegte sich der Fokus auf das mögliche Trauma. Ein anderer Faktor war, dass bei der stationären Aufnahme in dem Krankenhaus die Patienten nach Reanimation überwiegend sofort auf die Intensivstation übernommen wurden, sozusagen an der Notaufnahme vorbei. Ein weiterer Aspekt spricht ein sog. „Fachgebietsgerangel“ (sic!) an mit angenommener Zuständigkeitsproblematik.

In der fachärztlichen Analyse des Falls wird deutlich gemacht, dass es gar nicht so selten zu beobachten ist, dass internistisch und traumatisch bedingte Erkrankungen bzw. Verletzungen bei Notfallpatienten zusammen auftreten können. Zudem wird die Wichtigkeit einer Reevaluation von Arbeitsdiagnosen bei Patientenübergaben herausgestellt. Wir verweisen hierbei auf den ausführlichen Fachkommentar.

Der beschriebene Fall ist unter http://www.kh-cirs.de/faelle/index.html abrufbar.

Veranstaltungshinweis:

Wir möchten auf eine aktuelle Veranstaltung hinweisen, die in erster Linie geburtshilfliche Einrichtungen betrifft:

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. in Berlin veranstaltet vom 05. bis 06.10.2015 eine Fachveranstaltung: „Die vertrauliche Geburt in der kommunalen Praxis: Erfolgsfaktoren, Stolpersteine und Lösungsansätze“. Veranstaltungsort ist das Wyndham Hannover Atrium Hotel in Hannover.

Hintergrund ist das im Mai 2014 in Kraft getretene Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt. Schwangerenberatungsstellen nach den §§ 3 und 8 SchKG haben damit nicht nur neue Beratungsaufgaben, sondern auch die Schlüsselrolle im Verfahren der vertraulichen Geburt übernommen. Die erfolgreiche Umsetzung des Verfahrens hängt entscheidend von der gelingenden Kooperation zwischen den Schwangerschaftsberatungsstellen, Adoptionsvermittlungsstellen, Geburtshilfeeinrichtungen, Jugendämtern und weiteren Stellen zusammen.

Mit dieser Veranstaltung bietet der Deutsche Verein den Fach- und Führungskräften der unterschiedlichen Stellen ein Forum für den Erfahrungsaustausch. Expert/innen geben aus unterschiedlichen Perspektiven Einblick in die aktuelle Fachdebatte. Anhand von Fallbeispielen werden konkrete Stolpersteine und Erfolgsfaktoren gelingender Kooperationen herausgearbeitet. Darauf aufbauend werden zukünftige fachliche, fachpolitische und rechtliche Handlungsbedarfe diskutiert.

Online-Anmeldungen können über die Website des Deutschen Vereins erfolgen: https://www.deutscher-verein.de/de/veranstaltungen/F_2242-15. Weitere Informationen können den beigefügten Anlagen (Anlagen 2-4) entnommen werden.