Die Richtlinien nach § 16 Absatz 1 Satz 1 Nummern 2 und 5 TPG enthalten Festlegungen zur Wartelistenführung und Organvermittlung aller vermittlungspflichtiger Organe (Herz, Lunge, Leber, Niere, Pankreas, Dünndarm). Jede dieser Richtlinien enthält einen identischen allgemeinen Teil (I: „Allgemeine Grundsätze für die Aufnahme in die Warte¬liste zur Organtransplantation“ und II: „Allgemeine Grundsätze für die Vermittlung postmortal gespendeter Organe“) und einen organspezifischen speziellen Teil III: „Besondere Regelung zur …-Transplantation“. Details finden Sie unter http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=7.45.8858.8870.

Das Spitzengespräch im Bundesministerium für Gesundheit am 27.08.2012 hatte als eine von zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturen der Transplantationsmedizin (Anlage) ergeben, dass alle Entscheidungen zur Führung der Wartelisten der Transplantationszentren zukünftig von einer interdisziplinären Transplantationskonferenz gefällt oder bestätigt werden müssen. Diese Transplantationskonferenz muss aus mindestens drei Personen bestehen, die Eurotransplant namentlich gemeldet werden. Eine der einbezogenen Fachrichtungen darf keine Verbindung zur Transplan¬tationsmedizin haben und muss direkt dem ärztlichen Direktor der Klinik unterstellt sein. Da diese Anforderung zunächst für alle Organe identisch ist, hat die Bundesärztekammer die Allgemeinen Teile (I) gleichlautend verändert. Die Änderungen wurden am 09.11.2012 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht (Anlage) und treten einen Monat nach der Veröffentlichung am 09.12.2012 in Kraft.

Die folgenden wesentlichen Änderungen sind vorgenommen worden und müssen ab dem 09.12.2012 von den Transplantationszentren umgesetzt werden:

Einfügung von I Nr. 5 (neu):

Hier wird geregelt, dass alle Entscheidungen zur Wartelistenführung („Aufnahme eines Patienten auf die Warteliste, ihre Führung sowie über die Abmeldung eines Patienten“) von einer interdisziplinären, organspezifischen Transplantationskonferenz zu treffen sind. Transplantationszentren mit Transplantationsprogrammen für unterschiedliche Organe brauchen also für jedes Programm eine eigene Konferenz. Die Konferenz muss „neben den direkt beteiligten operativen und konservativen Disziplinen“ mindestens einen Vertreter einer vom ärztlichen Direktor benannten Disziplin, die keine unmittelbare Verbindung zur Transplantationsmedizin haben darf, aufweisen. In diesem Rahmen wurde oft die Labormedizin genannt, da die Validierung von Laborwerten als Grundlage für den MELD-Score (Model for End Stage Liver Disease) einen wesentlichen Teil zur Vermeidung von Missbrauch beiträgt. Die Mitglieder sind der Vermittlungsstelle namentlich zu melden und zeichnen für alle Entscheidungen der Transplantationskonferenz verantwortlich. Die endgültige Festlegung, welche Fachdisziplinen für welche organspezifischen Transplantationskonferenzen benannt werden müssen, erfolgt im jeweils organspezifischen Teil der Richtlinie (III). Diese Teile werden derzeit überarbeitet, die in erster Lesung beratenen Änderungsversionen sind auf der Website der Bundesärztekammer nachzulesen unter

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.45.8858.

Die Regelung ist so zu verstehen, dass nur die mindestens notwendigen Mitglieder an die Vermittlungsstelle gemeldet werden müssen. Es geht dabei in erster Linie um die Festlegung personengebundener Verantwortung. Für den Fall, dass sich das benannte Mitglied in der Transplantationskonferenz vertreten lässt, trägt es dennoch die Verantwortung für die dort getroffenen Entscheidungen. Es erscheint daher sachgerecht, die jeweiligen Entscheidungsträger für die interdisziplinäre Transplantationskonferenz zu benennen, die sich dann von Mitarbeitern ihres Vertrauens vertreten lassen können. Die Vermittlungsstelle legt Form und Inhalt der Meldungen der Mitglieder der interdisziplinären Transplantationskonferenz fest. Die ärztliche Leitung des Klinikums ist über alle Entscheidungen zu informieren, bei Unstimmigkeiten soll sie ggf. die Meinung einer externen Transplantationskonferenz einholen. Die Transplantationskonferenz ist von den behandelnden Ärzten unverzüglich über alle für die Organvermittlung relevanten Behandlungen oder Veränderungen zu informieren, diese Information ist auch zu dokumentieren.

Gestrichen wird die ehemalige Nummer 7, deren Regelungsinhalt in den Nummern 5 (neu) und 7(neu) aufgeht.

Gestrichen wird der erste Absatz der ehemaligen Nummer 9, deren Regelungsinhalt nunmehr in Nummer 5 (neu) aufgeht.