Die von der DKG in Auftrag gegebene Studie belegt, dass sich der Ärztemangel in Zukunft drastisch verschärfen wird. Momentan können 5.500 Arztstellen im ärztlichen Dienst nicht besetzt werden. Dabei wird deutlich, dass der Ärztemangel längst nicht mehr regional begrenzt ist, sondern eine flächendeckende Erscheinung ist. Besonders viele offene Arztstellen sind in der Psychiatrie, in der Inneren Medizin und in der Chirurgie gemeldet. Aufgrund der demografischen Entwicklung könnten dem deutschen Gesundheitswesen bis zum Jahr 2019 sogar 37.000 Ärzte fehlen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Das Gutachten identifiziert die wesentlichen politischen und betrieblichen Handlungsfelder, um dem Ärztemangel wirksam zu begegnen. Dazu gehört der Abbau von Versorgungsgrenzen zwischen dem ambulanten und stationären Sektor. Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Ausmaßes des Ärztemangels müssen die knappen ärztlichen Ressourcen zwischen den Sektoren effizienter verteilt werden. Die beiden Facharztschienen müssen daher zukünftig besser aufeinander abgestimmt werden. Eine weitere notwendige Maßnahme ist die Erhöhung der Studienkapazitäten im Fach Humanmedizin. Die Reduzierung der Studienkapazitäten im Zuge der Reform der Approbationsordnung im Jahr 2002 muss daher schnellstmöglich rückgängig gemacht werden. Auch auf die hohe Abbrecherquote im Medizinstudium bzw. in der Übergangsphase zwischen Studienabschluss und Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit muss reagiert werden, beispielsweise mit ergänzenden Auswahlverfahren zum Numerus clausus. Ein weiterer Faktor, der zu einer ineffizienten Nutzung der ärztlichen Arbeitskraft führt, ist die steigende Bürokratiebelastung der Krankenhausärzte. MDK-Prüfungen sind daher auf ein Mindestmaß zu beschränken und sämtliche Dokumentationsvorgaben des Gesetzgebers und des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) unter dem Aspekt der Bürokratievermeidung zu überprüfen. Schließlich muss auch die Neuordnung von Aufgaben des ärztlichen Dienstes vorangetrieben werden. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, neue Berufsbilder, wie z.B. den Operationstechnischen Assistenten (OTA), endlich bundeseinheitlich anzuerkennen.

Aber auch Krankenhäuser sind gehalten, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. So zeigt die Studie, dass eine noch besser strukturierte und mitarbeiterorientierte fachärztliche Weiterbildung eine Ziel führende Maßnahme gegen den Ärztemangel sein kann. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist vor dem Hintergrund der Feminisierung der Medizin ein Standortvorteil für Krankenhäuser. Die DKG hat hier im letzten Jahr zusammen mit dem Unternehmensnetzwerk 'Erfolgsfaktor Familie' eine Handlungshilfe für Krankenhäuser veröffentlicht und wird einen Fachkongress zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie am 10.02.2011 in Berlin durchführen.