Mit diesem Rundschreiben übersenden wir Ihnen die Eckpunkte mit den dazugehörigen Anlagen 1 - 4.

Nach einer ersten Durchsicht nachfolgend die wichtigsten Punkte:

Dauer und Struktur der Ausbildung:

-    Die dreijährige (bzw. in Teilzeit höchstens fünfjährige) Ausbildung umfasst:

o    mindestens 4.600 Stunden, davon 2.100 Stunden als theoretischer und praktischer Unterricht durch die Pflegeschule und 2.500 Stunden praktische Ausbildung.

-    Der überwiegende Teil der praktischen Ausbildung findet beim Träger der praktischen Ausbildung statt. Bei diesem muss der flexible Orientierungseinsatz (vgl. II.3. der Eckpunkte) und mindestens ein Pflichteinsatz durchgeführt werden. Die Ausbildung beginnt mit dem flexibel aufteilbaren Orientierungseinsatz. Darüber hinaus soll dort auch der Vertiefungseinsatz geleistet werden.

-    Die Ausbildung muss den Vorgaben der EU-Richtlinie 2005/36/EG über die Aner-kennung von Berufsqualifikationen genügen, damit die neue Ausbildung als allgemeine Pflegeausbildung im Sinne dieser Richtlinie automatisch anerkannt wird.

-    Der Rahmenlehrplan und Rahmenausbildungsplan wird von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten der noch zu besetzenden Fachkommission erarbeitet – mit empfehlender Wirkung.

Ausbildungsinhalte:

Ziel des neuen Pflegeberufsgesetzes ist die Vermittlung von umfassenden Handlungskompetenzen. Diese Kompetenzen werden im

-    theoretischen und praktischen Unterricht (s. Anlage 1 „Kompetenzen der beruflichen Pflegeausbildung/Übersicht Themenbereiche“)

-    sowie in der praktischen Ausbildung (siehe Anlage 2 „Allgemeine Übersicht zur Stundenverteilung im Rahmen der praktischen Ausbildung“) vermittelt.

-    Die Themenbereiche sind jeweils mit Stunden hinterlegt. Eine Konkretisierung der Themenbereiche erfolgt in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung.

-    Den Pflegeschulen steht ein bestimmtes Stundenkontingent zur freien Verfügung. Dieses kann auch zur Vertiefung von Unterrichtsinhalten in den Themenbereichen genutzt werden.

-    Die Themenbereiche bilden die Grundlage für die weitere Ausfüllung durch den Rahmenlehrplan und Rahmenausbildungsplan der Fachkommission bzw. der Länder sowie die Lehrpläne der Schulen und Ausbildungspläne der Träger der praktischen Ausbildung.

-    Pflegeschule und Träger der praktischen Ausbildung haben die Verzahnung von Theorie und Praxis zu gewährleisten.

Praktische Ausbildung:

-    Die praktische Ausbildung umfasst mindestens 2.500 Stunden.

-    Der überwiegende Teil (1.300 Stunden, siehe Anlage 3) soll beim Träger der praktischen Ausbildung abgeleistet werden.

Einsätze im Rahmen der praktischen Ausbildung:

-    Die praktische Ausbildung beginnt beim Träger der praktischen Ausbildung mit einem flexibel aufteilbaren Orientierungseinsatz.

-    In den drei allgemeinen Versorgungsbereichen der Pflege

o    stationäre Akutpflege,

o    stationäre Langzeitpflege und

o    ambulante Akut- und Langzeitpflege) sind

Pflichteinsätze in identischem Stundenumfang vorgesehen.

-    Hinzu kommen Pflichteinsätze in den speziellen Versorgungsbereichen der Pflege, d. h.

o    pädiatrische Versorgung und

o    psychiatrische Versorgung.

o    Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass der Stundenumfang der Pflichteinsätze in den speziellen Versorgungsbereichen der Pflege die zur Verfügung stehenden Ausbildungskapazitäten insbesondere in der Kinder- und Säuglingspflege berücksichtigt.

-    Außerdem wird ein Vertiefungseinsatz durchgeführt, der beim Träger der praktischen Ausbildung in einem Bereich, in dem bereits ein Pflichteinsatz erfolgt ist, stattfinden soll. In diesem Vertiefungseinsatz, der im Abschlusszeugnis ausgewiesen wird, werden weitergehende Praxiserfahrung in dem gewählten Bereich und der Ausbildungseinrichtung vermittelt.

-    Darüber hinaus gibt es einen weiteren Einsatz, der z. B. in Pflegeberatung, Palliation oder Rehabilitation erfolgt.

-    Ein geringes Stundenkontingent kann zusätzlich frei verteilt werden.

-    Für die praktische Ausbildung ergibt sich daraus die aus Anlage 2 ersichtliche Verteilung der Ausbildungsstunden.

-    Die praktische Ausbildung ist so zu gestalten, dass die Auszubildenden entsprechend den in Anlage 1 aufgeführten Themenbereichen praktische Aufgabenstellungen bearbeiten können.

-    Eine Vertiefung in der praktischen Ausbildung erfolgt in der Regel durch die Wahl des Trägers der praktischen Ausbildung, d. h. mögliche Schwerpunkte sind die allgemeine Akutpflege in stationären Einrichtungen, die allgemeine Langzeitpflege in stationären Einrichtungen, die allgemeine ambulante Akut- und Langzeitpflege, die Psychiatrie sowie die Pädiatrie (beispielhaft zur pädiatrischen Versorgung siehe Anlage 4).

Praxisanleitung in der beruflichen Pflegeausbildung:

-    Die Praxisanleitung hat geplant und strukturiert auf der Grundlage eines Ausbildungsplanes zu erfolgen.

-    Die Pflichteinsätze in Einrichtungen nach § 7 Absatz 1 PflBG-E, die Orientierungsphase und der Vertiefungseinsatz müssen durch Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter begleitet werden, die über eine Erlaubnis nach § 1 Satz 1 PflBG-E, eine mindestens zweijährige einschlägige Berufserfahrung in dem jeweiligen Einsatzbereich und eine berufspädagogische Fortbildung oder Weiterbildung im Umfang von mindestens 300 Stunden verfügen.

-    Diese Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter müssen sich darüber hinaus kontinuierlich mindestens 24 Stunden jährlich berufspädagogisch fort- oder weiterbilden.

-    Während der weiteren Praxiseinsätze soll die Begleitung durch entsprechend qualifizierte Praxisanleiterinnen und Praxisanleiter sichergestellt werden.

-    Personen, die am 31.12.2017 über die Qualifikation zur Praxisanleitung nach dem AltPflG oder KrPflG verfügen, müssen zur Übernahme der Praxisanleitung im Rah-men der neuen Pflegeausbildung nur die berufspädagogische Fort- oder Weiterbil-dungspflicht von jährlich 24 Stunden erfüllen.

Praxisbegleitung in der beruflichen Pflegeausbildung:

-    Die Pflegeschulen müssen eine Praxisbegleitung in angemessenem Umfang in den Einrichtungen gewährleisten.

-    Die Praxisbegleitung wird durch Lehrkräfte der Pflegeschulen wahrgenommen.

-    Eine regelmäßige persönliche Anwesenheit in den Einrichtungen ist zu gewährleisten. Dies bedeutet in der Regel mindestens ein Besuch je Pflichteinsatz sowie im Vertiefungseinsatz.

Bestimmungen der staatlichen Prüfung bei der beruflichen Pflegeausbildung

-    Jede Pflegeschule muss einen Prüfungsausschuss bilden.

-    Die staatliche Prüfung gliedert sich jeweils in einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Teil.

-    Der schriftliche Prüfungsteil erfolgt als übergreifende, generalistisch auf alle Altersgruppen bezogene Fallbearbeitung und ist auf die Themenbereiche (Anlage 1) mit den jeweils aufgeführten und zu vermittelnden Kompetenzen ausgerichtet.

-    Der praktische Prüfungsteil ist in der Regel in dem Versorgungsbereich abzulegen, in dem die oder der Auszubildende den Vertiefungseinsatz absolviert hat. Es muss sichergestellt sein, dass alle Prüfungsinhalte ordnungsgemäß abgebildet und geprüft werden können.

-    Auch im mündlichen Teil der Prüfung hat der Prüfling anwendungsbereite berufliche Kompetenzen nachzuweisen. In der Prüfung werden

o    Themenbereiche der Anlage 1

o    sowie ein Versorgungsbereich, der nicht von der praktischen Prüfung erfasst wurde, einbezogen.

Zentrale Regelungsbereiche für die hochschulische Ausbildung

-    Die näheren Anforderungen für die hochschulische Pflegeausbildung werden in einem eigenen Abschnitt der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung geregelt.

-    Die Ausbildungsziele der hochschulischen Pflegeausbildung werden konkretisiert.

-    Die Stundenverteilung der Praxiseinsätze wird im Wesentlichen der Aufteilung der beruflichen Pflegeausbildung entsprechen, wobei die Hochschule den Umfang der Praxiszeiten auf bis zu 2.300 Stunden reduzieren und die Dauer der einzelnen Pra-xiseinsätze an diese Stundenzahl anpassen kann.

-    Wenn Praxiseinsätze in Einrichtungen zu einem geringfügigen Anteil durch praktische Lerneinheiten an der Hochschule ersetzt werden sollen, muss das Konzept der Hochschule zur Vorlage bei der zuständigen Landesbehörde darlegen, dass das Ziel der (klinisch-)praktischen Ausbildung – insbesondere als Mitglied eines Pflegeteams und in unmittelbarem Kontakt mit Pflegebedürftigen zu lernen – hierdurch nicht gefährdet ist.

-    Die Hochschule hat durch Kooperationsverträge mit den Einrichtungen der Pra-xiseinsätze sicherzustellen, dass die Einrichtungen in angemessenem Umfang eine Praxisanleitung durchführen.

-    Die Praxisanleitung soll gemessen an der Dauer des jeweiligen Praxiseinsatzes angemessen sein.

-    Die Praxisanleitung soll durch Pflegepersonal erfolgen, das zur Vermittlung auch des erweiterten Ausbildungsziels der hochschulischen Pflegeausbildung befähigt ist (i.d.R. Nachweis durch hochschulische Qualifikation).

-    Für den staatlichen Teil der hochschulischen Prüfung werden die Bereiche festgelegt, aus denen die Hochschule mit Zustimmung der zuständigen Landesbehörde nach § 39 Absatz 3 PflBG-E die Module bestimmen muss, die den staatlichen Teil der hochschulischen Prüfung bilden.

-    Die Überprüfung der Kompetenzen nach § 39 Absatz 2 PflBG-E in staatlicher Verantwortung wird einen schriftlichen, einen mündlichen und einen praktischen Teil umfassen.

-    Die hochschulische Pflegeausbildung muss in ihrer Gesamtheit – d. h. staatliche und rein hochschulische Prüfungsteile – bestanden sein.

-    Der staatliche Prüfungsteil ist nur bestanden, wenn ein einheitliches Votum des gemeinsamen Vorsitzes von Hochschule und Landesbehörde herbeigeführt werden kann.

Einschätzung:

Grundsätzlich positiv ist die Tatsache zu bewerten, dass die praktische Ausbildung beim Träger der praktischen Ausbildung mit einem flexibel aufteilbaren Orientierungs-einsatz (400 h) beginnt. Mit dem Pflichteinsatz (400 h) und dem Vertiefungseinsatz (500 h) beim Träger ist sichergestellt, dass dort der überwiegende Anteil der praktischen Ausbildung abzuleisten ist.

Die für die Auszubildenden mit dem Schwerpunkt Kinderkrankenpflege gefundene Lösung stellt ebenfalls sicher, dass auch diese einen erheblichen Anteil (mindestens 1020 h) in der pädiatrischen Versorgung ableisten.

Weiterhin kritisch stellt sich der Pflichteinsatz in der Kinderkrankenpflege von 120 Stunden für alle Auszubildenden dar. Es ist weiterhin nicht damit zu rechnen, dass die notwendigen Kapazitäten flächendeckend zur Verfügung stehen. Daher ist absehbar, dass es zu Engpässen bei dem pädiatrischen Pflichteinsatz kommt.

Im Bereich der hochschulischen Ausbildung ist es aus unserer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt auch fraglich, ob für die Praxisanleitung durch Pflegepersonal ausreichend akademisch qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Diese Hochschulabsolventen (z. B. Bachelor in nursing) sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht in ausreichendem Maße in den Krankenhäusern vorhanden.