„Mit den heutigen Beschlüssen schränkt der G-BA erneut die Versorgungsmöglichkeiten für gesetzlich Versicherte ein. Für die Ärzte in Klinik und Praxis sowie die Hersteller von Medizinprodukten wird es zunehmend unüberschaubar, welche Anforderungen der G-BA an die vorzulegende Evidenz stellt. Eine konsequente Linie im Vergleich zu anderen Bewertungsverfahren wird nicht erkennbar.“

Bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom – BPS), einem sehr häufigen Leiden, kommen verschiedene Therapieformen zum Einsatz. Insbesondere die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP) kann hierbei als gut untersuchtes und etabliertes Verfahren gelten. Der G-BA hatte weitere operative bzw. interventionelle Verfahren geprüft und mit Stimmenmehrheit gegen die Empfehlung der Bundesärztekammer, der beteiligten urologischen Fachexperten sowie gegen die Stimmen der Deutschen Krankenhausgesellschaft eine Reihe dieser Verfahren ausgeschlossen bzw. die Beschlussfassung für fünf Jahre ausgesetzt. In dieser Zeit können die betreffenden Verfahren im Krankenhaus unter Berücksichtigung von Vorgaben zur Qualitätssicherung zunächst weiterhin erbracht werden. Der Entscheidung des G-BA lagen unter anderem zwei Berichte des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zugrunde.

„Trotz des Vorliegens von 64 sogenannten randomisierten klinischen Studien, diversen systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen – also Evidenz auf der höchsten Stufe – sah der G-BA es bei vielen der bewerteten Verfahren nicht als möglich an, zu einem abschließenden Urteil zu gelangen. Mit den Aussetzungsbeschlüssen zu alleine fünf Verfahren sollen laut G-BA neue Studien angestoßen werden. Da der Stellenwert der betreffenden Verfahren unter Experten bereits abschließend geklärt ist (was in Anbetracht des Vorliegens von bis zu 18 Studien zu einzelnen Verfahren nicht weiter verwundert) oder die vom G-BA benannten Verfahren nicht mehr in dieser Form angewendet werden, wird dies nicht geschehen“, sagte Baum.

Sowohl das IQWiG als auch die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder des G-BA forderten zudem sogenannte Äquivalenzstudien, um eine Gleichwertigkeit der Verfahren gegenüber dem „Standard“ zu belegen. Keine der insgesamt 70 vom IQWiG bewerteten Studien war jedoch als Äquivalenzstudie ausgelegt. Hierzu erklärte Baum: „Nach dieser Entscheidung muss der G-BA sich fragen lassen, ob er die Realitäten und Notwendigkeiten der Patientenversorgung noch zur Kenntnis nimmt, oder rein abstrakt aufgrund biometrischer Kriterien entscheidet. Wenn selbst Evidenz auf höchstem Niveau nicht mehr ausreicht, um einen Nutzennachweis zu führen und immer neue Gründe gefunden werden, die zu einer Ablehnung führen, dann ist die Methodenbewertung im G-BA letztlich zum Scheitern verurteilt. Die evidenzbasierte Medizin wird hier nur als Deckmantel benutzt, um wirtschaftlich gewollte Ausschlüsse zu legitimieren. Der G-BA ist zudem in seinen Bewertungsmaßstäben nicht konsistent. Gerade im vertragsärztlichen Bereich wurden vom G-BA bereits einige Verfahren eingeführt, deren Nutzen qualitativ und quantitativ wesentlich schwächer belegt war. Auch die nun geltenden Maßnahmen zur Qualitätssicherung für einige der bewerteten Verfahren werden die qualifizierte, wohnortnahe Versorgung der oft älteren Patienten eher erschweren“, so Baum abschließend.