Dass es die Politik war, die das Engagement der Klinik-MVZ ausdrücklich gewollt habe, betonte Dr. Manfred Blinzler vom Bundesverband Medizinische Versorgungszentren (BMVZ). Die Krankenhäuser seien daher nicht auf „fremdem Terrain“ unterwegs, sondern ausdrücklich aufgefordert, noch stärker als bisher MVZ zu gründen. „Diese Möglichkeit zur Versorgung der Patienten steht allen offen. Zu meinem Bedauern nehmen das noch gar nicht alle wahr“, erklärte Blinzler. Natürlich seien die MVZ nicht die Lösung für alle Versorgungsprobleme – insbesondere im ländlichen Raum. Die Politik müsse aber „die Unterfinanzierung des stationären und ambulanten Sektors beenden“, damit die Möglichkeiten, die sich mit den MVZ böten, sinnvoll genutzt werden könnten.

Mit aktuellen statistischen Übersichten belegte Dr. Bernd Köppl, (BMVZ), das von den ca. 1.503 MVZ vor allem die 578 MVZ in der Trägerschaft der Krankenhäuser die flächendeckende Patientenversorgung sichern. Köppl: „Die MVZ der Kliniken liegen im Schwerpunkt im ländlichen Raum und in den städtischen Zentren der ländlichen Regionen Deutschlands. Die Niedergelassenen haben sich hier zurückgehalten.“ Habe es anfänglich noch Berührungsängste zwischen den niedergelassenen Ärzten und den stationären Trägern der MVZ gegeben, so habe sich das Verhältnis ausweislich neuester Umfragen normalisiert. „Zumal die Niedergelassenen auch im städtischen Raum in den Kliniken als MVZ-Trägern einen Garanten dafür sehen, einen Interessenten für ihre Praxis bzw. ihr MVZ zu finden“, sagte Köppl. Angesichts des Ärztemangels gerieten aber auch die MVZ in der Trägerschaft der Kliniken unter Druck. Köppl: „Hier gibt es erheblichen Nachbesserungsbedarf durch die Politik.“

Die rechtliche und damit im weiteren Sinne politische Perspektive für die MVZ in der Trägerschaft der Krankenhäuser beschrieb Jörn Schroeder-Printzen, Kanzlei Schroeder-Printzen, Kaufmann & Kollegen, als stabil. So sei nicht zu erwarten, dass der Gesetzgeber sich über die erheblichen rechtlichen Bedenken hinsichtlich möglicher Einschränkungen – wie im Koalitionsvertrag festgehalten – hinwegsetzen könne. „Die Änderungspläne für Krankenhäuser und ihre bestehenden MVZ halte ich weitestgehend ebenso für erledigt wie für Neugründungen“, sagte Schroeder-Printzen.

Auf dem 33. Deutschen Krankenhaustag haben die Krankenhäuser in Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler kritisiert, dass sie als einzige Leistungserbringer von erheblichen Kürzungen ihrer finanziellen Mittel betroffen seien. Der diesjährige Kongresspräsident Prof. Dr. Hans-Fred Weiser appellierte an die Politik, die Krankenhäuser nicht mit den steigenden Tariflohnkosten alleine zu lassen. Auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Rudolf Kösters, machte deutlich, dass die Kliniken für die zunehmende Versorgung von Patienten nicht unbefristet mit auferlegten Rabatten bestraft werden dürften.

Zum elften Mal im Rahmen der weltweit größten Medizinmesse MEDICA organisiert, belegte die Rekordzahl von 2.420 Besuchern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens eindrücklich die Bedeutung des Krankenhaustags als das Informations- und Diskussionsforum der Krankenhauswirtschaft. Erfreulich war auch die erneut große Resonanz auf die DKG-Informationsveranstaltung „Das G-DRG-System 2011“ zur Weiterentwicklung des deutschen Fallpauschalensystems.

Der 34. Deutsche Krankenhaustag wird vom 16. bis 19. November 2011 erneut in Düsseldorf im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse MEDICA stattfinden.