„Die Dynamik des Gesundheitswesens, die Ergebnis der Wettbewerbsintensivierung und des medizintechnischen Fortschritts ist, konfrontieren den Pflegeberuf mit drastisch gestiegenen Herausforderungen. Diese Entwicklung legt eher die Berufsbezeichnung eines Healthcare-Professionals als die eines Krankenpflegers oder einer Krankenschwester nahe.“ Dies erklärte Prof. Dr. Andrea Braun von Reinersdorff von der Fakultät für Wirtschaft und Sozialwissenschaften der Fachhochschule Osnabrück. Vielmehr bedürften die Pflegeberufe im Spitzenbereich einer zunehmend akademischen Ausbildung, weil sie in vielen Fällen anspruchsvolle Führungs- und Steuerungsaufgaben übernehmen müssten. Neben der zunehmenden Akademisierung und Professionalisierung der Pflege sei die Delegation arztnaher Tätigkeiten auf Pflegekräfte ein wichtiger Teil der strategischen Kompetenzentwicklung eines Krankenhauses. BA- und MA-Healthcare-Experten könnten so Mediziner in der kurativen Grundversorgung entlasten, erklärte Braun von Reinersdorff.

Neben dem Pflege-Forum ist das ECCLESIA-Forum traditionell das zweite thematische Highlight dieses Veranstaltungstages. Unter dem Tagungsvorsitz von Prof. Dr. Hans-Fred Weiser, Präsident des Verbandes der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), diskutieren die Experten neue Trends rund um das Schwerpunktthema „Arbeitsmarkt Krankenhaus“. Nach Aussagen von Dr. Udo Janssen, Vorstand des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), wird sich der Fachkräftemangel in den Kliniken in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Bereits heute könnten die Krankenhäuser in Deutschland aus Mangel an qualifizierten Bewerbern über 4.000 offene Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzen. Bis 2017 würden zudem voraussichtlich knapp 20.000 Klinikärzte aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheiden, was zu einer weiteren Verschärfung der Arbeitsbelastung des Klinikpersonals führe. „Das Personal im Krankenhaus ist durch den demografischen Wandel und dem einhergehenden Fachkräftemangel einer hohen Veränderungsdynamik ausgesetzt. Neben einer Optimierung bestehender Prozesse sind daher eine Neuordnung von Tätigkeiten und eine Differenzierung in der Professionslandschaft zwingend notwendig“, betonte Janssen.

Eine stärkere Leistungsorientierung erfordert auch die Optimierung der Ressourcen und Prozesse im Krankenhaus. Vor diesem Hintergrund bietet der Krankenhaustag unter dem Tagungsvorsitz von Heinz Kölking, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), gezielt anwenderorientierte Praxisseminare im Rahmen der „Krankenhaustag-Informationsbörse“ an, die heute ab 16:00 Uhr statt findet. Darin werden die aktuellen Entwicklungen und Trends in den Bereichen „Budgetverhandlung 2010“, „Medizinische Versorgungszentren (MVZ)“ sowie „MDK-Prüfungen im Krankenhaus“ im Mittelpunkt der Diskussionen stehen.

Darüber hinaus können sich heute die Besucher im Forum der Fachvereinigung Krankenhaustechnik (FKT) ausführlich über Themen wie „Zukunft Energiepolitik im Krankenhaus“, „Zukünftige Anforderungen bei der Gefahrenabwehr“ oder über das „Beitragspotential der Krankenhaustechnik für einen zukunftsweisenden und wirtschaftlichen Krankenhausbetrieb“ informieren.

Der Einsatz von IT im Krankenhaus bildet ab 14:00 Uhr einen weiteren Schwerpunkt des zweiten Kongresstages. Im Rahmen der Veranstaltung „Unternehmenserfolg durch optimalen IT-Einsatz“ diskutieren die Experten den planvollen und systematischen Einsatz von Informationstechnologie im Krankenhaus. Anhand von Praxisbeispielen wird der IT-Einsatz als eine wichtige Voraussetzung für die Unterstützung der Leistungsprozesse in den Kliniken aufgezeigt.

Der 32. Deutsche Krankenhaustag bietet bis zum 21. November Experten und Praktikern im Krankenhauswesen eine interdisziplinäre Plattform, Konzepte und Visionen für das deutsche Krankenhauswesen zu diskutieren. Das ausführliche Kongress-Programm steht unter www.deutscher-krankenhaustag.de als PDF-Datei zum Herunterladen bereit.