„Durch die aktuelle Vergütungssystematik erscheint Pflege auf der betriebswirtschaftlichen Ebene des Krankenhauses allein als Kostenfaktor, nicht aber als wertschöpfende Dienstleistung“, erklärte Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik, vom Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Witten Herdecke. Der Anreiz Pflegepersonal einzusparen werde durch die Tatsache verstärkt, dass der Pflegepersonalkostenanteil in deutschen Kliniken rund 23 Prozent der Bruttogesamtkosten betrage. „Der seit Jahren fortschreitende Pflegepersonalabbau in den Kliniken belegt dies eindeutig“, kritisierte die Pflegewissenschaftlerin. Im Rahmen einer geplanten Studie sollen laut Bartholomeyczik Indikatoren identifiziert werden, um künftig Pflege im G-DRG-System angemessen abbilden zu können.

Prof. Dr. Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld machte deutlich, dass es in Zeiten zunehmender Ökonomisierung und voranschreitenden Personalabbaus in der Krankenhauspflege wenig populär sei, Patientenorientierung anzumahnen. „Effizienzgesichtspunkte stoßen da auf größere Resonanz“, sagte Schaeffer. Reformen seien aber nur dann tragfähig, wenn sie nicht einzig der Suche nach Effizienzreserven folgten, sondern sich am Wohl derer orientierten, für dieses System gedacht sei – den Patienten.

Hochkarätig besetzt war auch die Veranstaltung „Neuer Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – neue Dimension der Selbstverwaltung?“. Nach den Worten seines Vorsitzenden, Dr. Rainer Hess, werde die Arbeit im Bundesausschuss künftig noch stärker als bisher von Konflikten geprägt sein. „Als Streitauslöser werden sich die Richtlinien erwiesen, die die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Behandlung regeln“, sagte Hess. Gleichzeitig appellierte Hess an alle Beteiligten, die Neuordnung des G-BA als Chance zur Gestaltung des Gesundheitswesens zu nutzen. Dazu müssten Kompromisse gefunden werden. Ansonsten drohe sich die Selbstverwaltung selbst zu demontieren. Auch Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende Bund der Krankenkassen, bezeichnete den G-BA als wichtiges Instrument, das es zu erhalten gelte. „Das neue System muss sich noch im Laufe der Zeit einspielen“, sagte Pfeiffer. Sie äußerte sich aber zuversichtlich, dass die Neuordnung des G-BA zu stabilen Entscheidungen führen werde.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Rudolf Kösters, erklärte hingegen, dass es nicht aufrecht erhalten werden könne, dass z.B. die zentralen Aufgaben der Selbstverwaltung – Innovationszulassung und Qualitätssicherung – auf ein einziges Beschlussgremium konzentriert werden. „Wie soll ein Gremium, in dem die Krankenhausmedizin in einer hoffnungslosen Minderheit ist, sachgerecht zu Qualitätsstandards für die Transplantationsmedizin entscheiden“, machte Kösters deutlich. Ebenso wenig sinnvoll sei es, dass Krankenhausvertreter in Zukunft Einzelheiten zum Zahnersatz mit festlegen sollen. „Hier muss zu den fachspezifischen Beschlussgremien zurück gekehrt werden.“

Seit 1. Juli 2008 tagt der GBA in einer organisatorisch neuen Struktur: Alle Entscheidungen werden seitdem in einem einzigen sektorenübergreifend besetzten Beschlussgremium für stationäre, ambulante, ärztliche sowie zahnärztliche Belange getroffen.