"Die Themen Patientensicherheit, Risikomanagement und Fehlerberichtssysteme sind hochaktuell und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die DKG trägt dem mit ihrem Engagement im Aktionsbündnis nachdrücklich Rechnung. Maßnahmen und Aktivitäten, die zu einer Verbesserung der Patientensicherheit in Krankenhäusern führen, müssen in den Kliniken höchste Priorität haben", erklärte DKG-Präsident Dr. Rudolf Kösters.

"Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen; wir wollen eine Kultur der Fehlervermeidung in der medizinischen Versorgung voranbringen. Das ist gut für die Patienten und für die Ärzte", betonte Dr. Hans Jürgen Ahrens, Vorstandvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Pro Jahr finden in Deutschland über 12,6 Millionen Operationen statt. In 100 bis 200 Fällen kommt es dabei zu einer Rechts-Links-Verwechslung oder zu einer Vertauschung der notwendigen Eingriffe. Statt des linken Knies wird das rechte Knie operiert, an einem Patienten wird ein Eingriff an einem Finger durchgeführt, obwohl dieser an einem anderen Finger geplant war. Mit dem Ziel, solche und weitere Fehler in der Medizin zu vermeiden, hat sich das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. im April 2005 gegründet. Als aktive Mitglieder unterstützen darin die DKG und der AOK-Bundesverband zahlreiche Initiativen zur Weiterentwicklung von Fehlerberichtssystemen und zum Risikomanagement.

Bereits im vergangenen Jahr hat eine Expertengruppe des APS Empfehlungen ausgesprochen, wie Verwechslungen künftig verhindert werden können. Es werden insgesamt vier Maßnahmen vorgeschlagen. Der Patient wird im Rahmen der ärztlichen Aufklärung zu seiner Identität und zum geplanten Eingriff befragt. Danach wird die Operationsstelle am Körper des Patienten mit einem nicht abwischbaren Stift markiert. An der Schwelle zum Operationssaal findet eine erneute Kontrolle zur Patientenidentität statt. Zuletzt prüft das gesamte OP-Team in einem "Team-Time-Out", einem letzten Sicherheitscheck direkt vor dem Schnitt, ob für die anstehende Operation alles seine Richtigkeit hat. "Zu verhindern, dass das Undenkbare geschieht, dies ist das Ziel dieser Maßnahmen, die ähnlich auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, in denen eine hohe Sicherheit vorausgesetzt wird", führt Prof. Dr. Matthias Schrappe, Vorsitzender des Aktionsbündnis Patientensicherheit aus, "an sich einfache Maßnahmen, die aber die Wahrscheinlichkeit vermindern, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände eintritt."

Für die deutsche Empfehlung standen einige internationale Vorbilder Pate. In den USA, Großbritannien und Australien gehören diese vier Sicherheitschecks heute zum allgemein anerkannten Standard. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Krankenhäuser, die die empfohlenen Maßnahmen umsetzen. Um die Häuser bei diesem Prozess zu unterstützen, hat das APS nun Plakate und Broschüren entwickelt. Jedes Krankenhaus erhält einen Satz von OP-Plakaten, die auf den Stationen und in den Operationssälen gut sichtbar aufgehängt werden sollen.

Für die kommenden Monate sind weitere Initiativen geplant. Anfang 2008 startet die "Aktion Saubere Hände", deren Ziel es ist, die Infektionsrate in deutschen Krankenhäusern durch Verbesserung der Desinfektionsmaßnahmen der Hände zu senken. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Ein weiteres Projekt umfasst Trainingskurse, in denen Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen erlernen. Entwickelt wird auch eine Handlungsempfehlung zur Patientenidentifikation, die Ende 2007 veröffentlicht werden soll.

Zusätzliche Materialien stehen im Internet unter www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung.

Ansprechpartner für die Presse:
- Dr. Andreas Priefler (DKG), Tel.: 0 30 / 3 98 01-10 20
- Dr. Constanze Lessing (APS), Tel.: 0 23 02 / 92 67 57
- Gabriele Hauser-Allgaier (AOK-BV), 0 30 / 34 06 02-5 41

Der Hintergrund:

Im Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS), das im April 2005 als gemeinnütziger Verein gegründet wurde, haben sich Fachexperten, Krankenhäuser, Krankenkassen, Haftpflichtversicherungen und Patientenorganisationen zusammengeschlossen. Das APS wird vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt. Es setzt sich für eine sichere Gesundheitsversorgung ein und widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Verbreitung dazu geeigneter Methoden. Das Arbeitsprogramm des APS umfasst eine Reihe von konkreten Projekten, mit denen sich die multidisziplinären Arbeitsgruppen des Vereins befassen. Die Arbeitsgruppen tagen regelmäßig und veröffentlichen ihre Ergebnisse in Form von Handlungsempfehlungen, die allen Einrichtungen im deutschen Gesundheitswesen kostenlos zur Verfügung stehen.

Auf internationale Ebene bestehen Kooperationen zu den Schwesterorganisationen für Patientensicherheit. Die Zusammenarbeit dient dem fachlichen Austausch sowie der Vorbereitung und Durchführung von Aktionen und Kampagnen zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland.


Kontakt beim Aktionsbündnis Patientensicherheit:
Prof. Dr. med. Matthias Schrappe
Vorsitzender des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.
Generalbevollmächtigter des Aufsichtsrates
Klinikum der Universität Frankfurt
Theodor Stern Kai 7
60590 Frankfurt
Tel. 0163 5818 797
matthias.schrappe@kgu.de

Dr. Constanze Lessing
Geschäftsstelle des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.
Alfred-Herrhausen-Straße 44
58455 Witten
Tel. 0 23 02/92 67 57
constanze.lessing@uni-wh.de