"Die vom Marburger Bund eingeleitete Urabstimmung ist eine bedauernswerte Entwicklung der Tarifgespräche für die kommunalen Klinikärzte. Ein Streik ist überflüssig wie ein Kropf. Gerade der für die Breitenversorgung der Bevölkerung essenzielle Bereich der kommunalen Kliniken darf nicht zum Spielball von Gehaltsegoismen einer Berufsgruppe werden. Hier müssen die Ärztefunktionäre dringend die Ängste und Bedürfnisse der ohnehin verunsicherten Patienten gegen die Höhe und Mittel ihrer Lohnforderungen abwägen.

Anders als vormals in den Universitätskliniken verfügen die kommunalen Klinikbeschäftigten seit Oktober 2005 über einen neuen Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) mit ver.di. Der Marburger Bund hat diesen Tarifvertrag selbst mit ausgehandelt und wesentliche Kernbestandteile eingebracht. Gerade für die jungen Ärzte sieht der TVöD eine deutliche Höhergruppierung im Vergleich zu anderen Akademikern vor. Dies konnte mit dem Marburger Bund ebenso konsentiert werden wie eine Regelung zum Bereitschaftsdienst sowie die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Wenn die Arbeitgeber und Patienten heute die Folgen dafür tragen sollen, dass der MB aus machtpolitischen Gründen den TVöD kurz vor Abschluss abgelehnt hat, stellt dies eine verantwortungslose Verzerrung der Realität dar. Der MB wäre gut beraten, zu seinen eigenen Forderungen vor neun Monaten zurückzukehren und auf der Grundlage des TVöD zu einer vernünftigen Verhandlungslösung zu kommen.  
 
Städte und Landkreise können überhöhte Abschlüsse, d.h. oberhalb der vorgegebenen Budgetsteigerungsraten von 0,63 Prozent, nicht schultern. Die kommunalen Krankenhäuser sind keine international operierenden Großunternehmen, sondern müssen ihr Handeln auf das begrenzen, was in Deutschland erwirtschaftet und über die Kassenbeiträge finanziert wird."