In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben im stationären Sektor (1.-4. Quartal) jeweils nur äußerst moderat angestiegen: 1,8 Prozent (2003), 1,5 Prozent (2004), 3,3 Prozent (2005). Dies obwohl die Kliniken einerseits mit der Einführung eines wettbewerbsorientierten, pauschalierenden Entgeltsystems (DRG-Fallpauschalen) enorme Investitionen und Umstellungskosten andererseits substantielle Personalkostensteigerungen schultern mussten.

Der Zuwachs für 2006 von bundesweit 5,8 Prozent ist auf erhebliche statistische Verzerrungen zurück zu führen. In der Ganzjahresbetrachtung wird sich die Ausgabenkurve abflachen. Der überproportionale Anstieg für das 1.Quartal 2006 ist durch folgende - nicht nachhaltige - Ursachen zu erklären:

1. Um den Jahreswechsel 2004/2005 ist noch eine erhebliche Anzahl von Krankenhäusern in das neue DRG-Vergütungssystem umgestiegen. In dieser Übergangszeit ist es bei diesen Kliniken zu Verzögerungen bei Rechnungsstellungen und Zahlungen gekommen, die über das 1. Quartal 2005 hinausreichten. In der Folge fielen die Ausgaben der GKV in diesem Zeitraum vorübergehend niedriger aus, so dass die Differenz zum 1. Quartal 2006 eine Verzerrung der realen Ausgabenentwicklung darstellt.

2. Die Umstellung des G-DRG-Katalogs 2004 auf den Katalog des Jahres 2005 war mit einem rechnerischen Effekt verbunden. Dieser führte dazu, dass im 1. Quartal 2005 wegen noch ausstehender Budgetvereinbarungen die Fallpauschalen um durchschnittlich fünf Prozent zu niedrig abgerechnet wurden. Dies wurde in den folgenden Budgetvereinbarungen korrigiert. Dieser Effekt schlägt indes in voller Höhe auf den Ausgabenvergleich für 2006 durch. 

3. Die gesetzlich beschlossene Abschaffung des "Arzt-im-Praktikum" steigerte die Klinik-Ausgaben. Die Finanzierung der Mehrkosten konnte zum ersten Mal in den Budgetverhandlungen für das Jahr 2005 vereinbart werden. Die entsprechenden Zuschläge konnten jedoch erst mit Inkrafttreten der Vereinbarungen 2005 abgerechnet werden, welches erst weitgehend nach Ablauf des 1. Quartals 2005 erfolgte.

4. Die vom Gesetzgeber vorgesehene zusätzliche Ausgabensteigerung zur Verbesserung der Arbeitszeitbedingungen schlägt sich in einer Höhe von bis zu 0,4 Prozent nieder.  

5. Die Veränderungsraten beziehen sich auf die Mitgliederzahl zwischen den verglichenen Zeiträumen. Diese hat keinen direkten Einfluss auf die Leistungserbringung der Krankenhäuser. Da die Zahl der Mitglieder in der GKV vom 1. Quartal 2005 auf das 1. Quartal 2006 um 0,28 Prozent gesunken ist, wird die Ausgabenentwicklung in der Statistik um diesen Prozentsatz zu hoch ausgewiesen.

6. Die auf die Ausgabenentwicklung eines Quartals beschränkte Statistik ist ungeeignet, um zuverlässige Aussagen zum tatsächlichen Aufwand eines gesamten Jahres treffen zu können. So erhöhen zwar Mehrerlöse der Kliniken aus nicht vereinbarten Leistungen die Ausgaben der Krankenkassen vorübergehend mit ihrem vollen Abrechnungsbetrag. Tatsächlich belasten sie die Aufwendungen der Krankenkassen aber nur um einen Teilbetrag, da die Krankenhäuser nachträglich Ausgleichzahlungen leisten.