"Der Tarifkompromiss stellt für die Kliniken eine nahezu unüberwindbare Finanzierungshürde dar. Bereits der Abschluss für die nicht-ärztlichen Mitarbeiter bringt die Krankenhäuser in Finanznöte. Gänzlich unbezahlbar sind die Regelungen für die Ärztinnen und Ärzte, nach denen etwa ein Studienabgänger im ersten Berufsjahr 16 Prozent mehr Gehalt erhalten soll. Dies wird ohne scharfe Einschnitte für die Kliniken nicht zu verkraften sein. Mit den Lohnerhöhungen schieben die Krankenhäuser für Jahre einen Kostenblock in 3-stelliger Millionenhöhe vor sich her, der zu weiterer Arbeitsverdichtung und letztlich auch zu Personalabbau zwingt.

Geradezu unverantwortlich ist es, dass dem Marburger Bund das für die Kliniken ohnehin schwierige Tarifergebnis noch nicht ausreicht und zur Durchsetzung höherer Forderungen die Streiks fortgeführt, Patienten auf dringende Operationen warten lässt und die Kliniken weiter geschädigt werden sollen. Für die Streiks gibt es keine Grundlage mehr.

Die abfälligen Bewertungen der MB-Funktionäre zu den Vereinbarungen für die nicht-ärztlichen Beschäftigten zeugen von wenig Sensibilität für deren Leistungen und die Finanzierungsprobleme des Gesundheitswesens. Mit seiner provokativ zur Schau gestellten Begünstigungsstrategie leistet der Marburger Bund einer zunehmenden Isolierung der ärztlichen Mitarbeiter gegenüber anderen akademischen Leistungsträgern im Krankenhaus Vorschub. Wohl wissend, dass unter den Budgetrestriktionen der Kliniken Gehaltsteigerungen nur zu Lasten anderer Berufsgruppen im Krankenhaus möglich sind, werden zudem die Interessen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Krankenpflege mit Füßen getreten.

Das Verhalten der Ärztegewerkschaft Marburger Bund kann mittlerweile nur noch als sozial-aggressiv bezeichnet werden. Der Marburger Bund disqualifiziert sich damit nachhaltig als gesundheitspolitisch ernst zu nehmender Mitgestalter."