Vor dem Hintergrund der aktuellen Tarifverhandlungen forderte Kösters, den besonderen Anforderungen der Krankenhäuser nach einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung Rechnung zu tragen. Die Ausgestaltung der deutschen bzw. europäischen Arbeitszeitgesetzgebung müsse von einer täglichen Höchstarbeitszeit abweichen und großzügige Zeitausgleichsmöglichkeiten gewähren. Die pauschale Einstufung von Bereitschaftsdiensten müsse ohne aufwändige Zeiterfassungssysteme beibehalten werden.

Darüber hinaus solle die individuelle Wahlfreiheit des Beschäftigten hinsichtlich seiner persönlichen Arbeitszeit durch Opt-out-Regelungen respektiert werden. Das flexible Zusammenwirken zahlreicher hoch spezialisierter Berufsgruppen bei der Erbringung komplexer medizinischer Leistungen sei mithin unabdingbare Voraussetzung für eine stationäre Versorgung auf höchstem Niveau, so Kösters. Krankenhausärzte seien hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte.

Sie arbeiteten wissensbasiert, selbst bestimmt und in stetiger Verantwortung gegenüber den ihnen anvertrauten Patienten. Sie seien einer kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung verpflichtet, da medizinisches Wissen sich rasch weiterentwickelte. Daneben würden Aufgaben in Forschung und Lehre wahrgenommen. Die Vernetzung von Arzttätigkeit, Forschung und Lehre werde insbesondere in den Universitätskliniken deutlich. Den so tätigen Ärzten gesetzlich einen 8-Stunden-Tag vorzuschreiben, sei "geradezu absurd und international ohne Beispiel", erklärte der DKG-Präsident.

Kösters betonte, die mit 70 Prozent Personalkosten überaus personalintensive Krankenhausversorgung sei einer der am stärksten regulierten Sektoren überhaupt. Gleichzeitig nähmen die bürokratischen Anforderungen, insbesondere bedingt durch die gesetzlichen Regelungen sowie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), ständig zu. "Krankenhausärzte verbringen mittlerweile im Durchschnitt drei Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit mit Dokumentationstätigkeiten. Dieser gewaltige Anteil ist eine maßgebliche Quelle zeitlicher Belastung und hoher Frustration", so der DKG-Präsident. Kösters forderte die politisch Handelnden auf, einen nachhaltigen Bürokratieabbau im Krankenhaus zu einem Kernelement der anstehenden Gesundheitsreform zu machen.