Die Studie stellt fest, dass für eine Umstellung der Arbeitsorganisation nach den Vorgaben des neuen Arbeitszeitgesetzes unter den geltenden Rahmenbedingungen dauerhaft zusätzlich 18.700 Ärzte und mindestens 10.900 Funktionskräfte benötigt werden. Allein bei den Ärzten kann jedoch der Arbeitsmarkt - mit statistisch 6.600 Arbeitssuchenden ohne Berücksichtigung der Qualifikation - den Mehrbedarf nicht annähernd decken. Nach der DKI-Untersuchung würde der personelle Mehrbedarf ausschließlich dann 6.700 Vollkräfte betragen, wenn sich die Hälfte der Mitarbeiter bereit erklärten, die wöchentliche Arbeitszeit dauerhaft auf 48 Stunden auszudehnen.

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Wolfgang Pföhler, forderte die Tarifvertragsparteien nachhaltig auf, in den anstehenden Gesprächen zur Arbeitszeit abweichende Regelungen zur Höchstarbeitszeit zu vereinbaren, um eine Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes zu ermöglichen. Sollte keine Einigung erfolgen, ist eine Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes zum 1.1.2006 faktisch unmöglich, warnte Pföhler. Gleichzeitig forderte Pföhler die Bundesregierung auf, Ende des Jahres 2004 gemeinsam mit den Beteiligten Bilanz zu ziehen. Für den Fall, dass sich die Tarifvertragspartner nicht einigten, müsse der Gesetzgeber zügig eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes auf den Weg bringen. 

Der DKG-Präsident betonte, dass selbst bei einer Einigung der Tarifvertragspartner die Alternativmodelle im Krankenhaus nur mit erheblichen Mehrkosten eingeführt werden können. Diese beliefen sich nach einer DKG-Untersuchung von 422  Krankenhäusern auf bis zu 1,75 Mrd. Euro jährlich.

Das DKI beziffert in seiner aktuellen Untersuchung von 52 Krankenhäusern den Mehrbedarf auf 536 Mio. Euro jährlich. Die Differenz erklärt sich vornehmlich dadurch, dass in der DKI-Untersuchung die 245 Sonderkrankenhäuser sowie die ca. 450 Allgemeinkrankenhäuser mit weniger als 100 Betten keine Berücksichtigung fanden. Gemeinsam macht diese Gruppe etwa 31 Prozent aller Krankenhäuser aus. Pföhler stellte klar, dass dies genau diejenigen Kliniken seien, die aufgrund des kleinen Mitarbeiterstamms und ungünstiger Kostenstrukturen nur unter überdurchschnittlich hohen finanziellen Anstrengungen zu einer Neuordnung der Arbeitsabläufe in der Lage sind. Insofern sei die Auswahl der Krankenhäuser im Rahmen der DKI-Studie als eine "Bestenliste" anzusehen und spiegele die Kostenwirklichkeit der 2.240 Krankenhäuser in Deutschland nicht vollständig wider. Zudem blieben bei der DKI-Studie die Mehrkosten für Hebammen sowie Funktionskräfte in der Ambulanz, der Endoskopie und der Diagnostik unberücksichtigt. 

Der DKG-Präsident forderte, es sei unerlässlich, die im Rahmen der Gesundheitsreform für die Umstrukturierung der Arbeitszeit bereit gestellten Mittel in den Jahren 2007 bis 2009 auf das Jahr 2006 vorzuziehen, um die erheblichen Mehrkosten abzufedern. Ob diese Mittel ausreichten, sei nach einer Zwischenbilanz Ende 2004 neu zu prüfen. Pföhler appellierte gleichzeitig an die Krankenhäuser, frühzeitig die bestehenden innovativen Arbeitszeitmodelle zu testen und deren Einführung voran zu treiben.
  
Die Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) wurde mit finanzieller Unterstützung des BMGS von der DKG im Sommer 2003 in Auftrag gegeben. Ziel war die Untersuchung der Auswirkungen alternativer Arbeitszeitmodelle im Krankenhaus, aufgrund der Urteile des EuGH.