Hauptgrund der erheblichen Arbeitsverdichtung im Krankenhaus sei die fehlende Refinanzierung von Tarifsteigerungen für die Klinikträger. Seit Jahren werde nur ein kleiner Teil der Tarifsteigerungen abgedeckt, so dass die Schere mittlerweile bedenklich auseinander klaffe, hob Rocke hervor. Der DKG-Präsident: "Wir steuern zudem auf einen folgenschweren Ärztemangel zu. Erstmals bleiben Stellen gänzlich unbesetzt". Die Politik forderte er indes auf, von dem beabsichtigten Abbau von Studienplätzen Abstand zu nehmen.

Gleichzeitig kündigte Rocke ein "Beschäftigungsforum - Ärztlicher Dienst im Krankenhaus" am 16. April 2002 in Berlin an. Die DKG habe dazu alle Beteiligten - Politik, Krankenhäuser, Ärzte, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Arbeitsschutz und Pflege - eingeladen. Der DKG-Präsident: "Wir sehen einen dringenden Handlungsbedarf, dem sich alle Beteiligten nicht entziehen dürfen".

Die DKG wolle zur Versachlichung des Themas beitragen, was das Offenlegen der Probleme und das Aufzeigen von Lösungswegen mit einschließe, erklärte der DKG-Präsident. Die "Gemeinsame Erklärung" vom 4. März 2002 zur Verbesserung der Arbeitszeitgestaltung im Krankenhaus wertete er als hoffnungsvollen Zwischenschritt.

Die möglichen Folgen des EuGH-Urteils nannte Rocke weitaus gravierender als angenommen. Die Ergebnisse einer aktuellen DKG-Umfrage, an der sich über 400 Krankenhäuser beteiligt hatten, zeigten, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst keinen Bestand mehr habe. Der Personalbedarf fiele mit 27.000 zusätzlichen Ärzten deutlich höher aus als bisher eingeschätzt. Die Personalmehrkosten überstiegen zudem mit 1,7 Mrd. EURO jährlich deutlich die anfänglichen Annahmen. Sowohl die Frage der Finanzierung als auch der Personalgewinnung seien noch nicht im Ansatz beantwortet. Die DKG wolle mit dem Beschäftigungsforum hierfür eine breite Plattform schaffen.