Die Politik forderte er auf, zügig eine entsprechende Änderung der Bundespflegesatzverordnung (BPflV) vorzunehmen. Gleichzeitig warnte Rocke vor einem dramatischen Ärztemangel in den Kliniken, der sich bereits heute abzeichne. Insgesamt fehlten in deutschen Krankenhäusern über 2000 Ärzte. "Was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisberges - wenn wir nicht umgehend handeln, ist ein Zusammenbrechen des Systems vorprogrammiert", machte der DKG-Präsident vor den rund 300 Fachbesuchern auf dem "Beschäftigungsforum - Ärztlicher Dienst im Krankenhaus" in Berlin deutlich. Mit einem "9-Punkte-Katalog" legte die DKG ein Positionspapier vor, das dem "Ausbluten" der Kranken-häuser wirkungsvoll entgegenwirken soll.

Rocke nannte als Hauptgrund für die Personalmisere die seit Mitte der 90er Jahre gedeckelten Budgets. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen ließen es nicht zu, dass Tarifsteigerungen für die Klinikträger refinanzierbar sind. Nur ein Drittel der Tariferhöhung im Krankenhaus könne so ausgeglichen werden. Dies habe zu einem erheblichen Personalkostenanstieg und einer extremen Arbeitsbelastung der Klinikärzte geführt. Verschärfend wirke zudem die mögliche Umsetzung des EuGH-Urteils zum ärztlichen Bereitschaftsdienst, hob Rocke hervor.

Außer der Optimierung ihrer Arbeitsorganisation bliebe den Krankenhäusern bisher keine andere Möglichkeit, die Arbeitsbelastung der Ärzte zu vermindern. Diese Möglichkeiten seien nun endgültig ausgeschöpft. Es sei nunmehr erstrangige Aufgabe der Politik, sich dem Problem des Rückgangs an Arbeitskräften bei gleichzeitig zunehmender Nachfrage an Gesundheitsleistungen zu stellen.

Gleichzeitig bezeichnete Rocke die beabsichtigte Absenkung von Studienkapazitäten in der Humanmedizin als falsches Signal. "Hier müssen - im Gegenteil - die Kapazitäten deutlich ausgebaut werden", betonte der DKG-Präsident. Zudem machte er die Notwendigkeit der Entbürokratisierung des Krankenhauswesens deutlich, damit Ärzte wieder ihrer Kernaufgabe - der Patientenversorgung - nachkommen könnten.

Die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Herbstumfrage des Deutschen Krankenhausinsti-tuts in Düsseldorf hatten gezeigt, dass nahezu jedes zweite Krankenhaus freie Stellen im ärztlichen Dienst nicht mehr besetzen kann. Noch prekärer ist die Situation in den neuen Bundesländern: Hier bleiben sogar drei Viertel der freien Arztstellen vakant.