Das ist das zentrale Ergebnis eines wissenschaftlichen Gutachtens zur "Wettbewerblichen Weiterentwicklung des Gesundheitssystems an der Schnittstelle von der ambulanten zur stationären Versorgung", das Professor Dr. Jürgen Wasem vom Stiftungslehrstuhl für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) erstellt hat.

Die in Deutschland bestehenden sektoralen Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung behindern Wasem zufolge die Suche nach qualitativen und wirtschaftlichen Versorgungsformen. Um diese auch international bemerkenswerte Abschottung der Sektoren zu überwinden, sei ein "Reformsprung" erforderlich; eine Gesundheitsreform, die dies ausblende, springe zu kurz, betonte der Gesundheitsökonom.

Eine zentrale Rolle komme dabei der integrierten Versorgung zu, so der Gutachter weiter. Diese könne jedoch nur dann funktionieren, wenn die Kliniken die Versorgung aus einer Hand über Sektorengrenzen hinweg anbieten können. Eine größere Kontinuität der Versorgungsketten sei insbesondere bei der Behandlung schwerer und chronischer Erkrankungen angezeigt. Wasem spricht sich daher auch für den Einbezug von Krankenhäusern in die ambulanten Komponenten der Chroniker-Programme (Disease-Management-Programme) aus: "Damit kann der Wettbewerb unterschiedlicher ambulant tätiger Leistungserbringer eröffnet und ein weiterer Beitrag zur Qualitätssteigerung geleistet werden."

Im Interesse des Patienten und der Optimierung der Kosteneffizienz sei es darüber hinaus sinnvoll, dass Krankenhäuser auch spezialisierte fachärztliche Leistungen erbringen. Dies sei insbesondere bei Erkrankungen der Fall, die einen häufigeren Wechsel von ambulanter und stationärer Behandlung, eine aufwändige apparative Diagnostik und Therapie oder den Einsatz von interdisziplinären Behandlungsteams erfordern.

Das Gutachten bestätige, dass die Kliniken mit ihrer Forderung nach einer weitergehenden Öffnung für ambulante Leistungen richtig liegen, erklärte Susanne Renzewitz, Leiterin des Bereichs Politik der DKG. "Wir wollen mit dem Gutachten in der entscheidenden Phase des Gesetzentwurfes zur Gesundheitsreform mit sachlichen Argumenten überzeugen", machte Renzewitz deutlich. Das Eckpunktepapier der Konsensrunde zur Gesundheitsreform zeige gute Ansätze für einen Strukturwandel des Gesundheitswesens. Ob diese zielführend seien, entscheide sich jedoch im Detail des jetzt zu formulierenden Gesetzestextes.

So müsse insbesondere sichergestellt werden, das der Wettbewerbsgedanke nicht durch Blockademöglichkeiten einzelner Leistungsbereiche ins Leere laufe, betonte die DKG-Bereichsleiterin. Bei den spezialisierten Leistungen, bei Einzelverträgen und bei Disease-Management-Programmen dürfe der niedergelassene Bereich daher keine Vetomöglichkeit erhalten, stellte Renzewitz klar.

Das Gutachten bzw. eine Zusammenfassung der Expertise von Professor Dr. Jürgen Wasem steht im Downloadbereich (Bereich Politik) zur Verfügung.