Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), machte deutlich, dass aus dem von den Kliniken zunächst heftig kritisierten Gesetzentwurf am Ende eine akzeptable, in vielen Punkten gute Krankenhausreform geworden sei. „In den großen Problembereichen der Betriebskosten – insbesondere der Personalfinanzierung und der ambulanten Notfallfinanzierung – bringt das Reformgesetz wesentliche Verbesserungen“, erklärte Baum. Ausdrücklich begrüßte er die geplante Tarifausgleichsrate, die dem bislang unzumutbaren Zustand entgegengewirkt, dass die Personalkosten stärker ansteigen als die gedeckelten Behandlungspreise. „Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass die 500 Millionen Euro, die die Krankenhäuser bislang über den Versorgungszuschlag erhielten, nicht gestrichen wurden, sondern in Form eines Pflegezuschlags erhalten bleiben“, stellte Baum klar. Unberührt von der Krankenhausreform bleibe jedoch die absolut unzureichende Investitionsfinanzierung. „Die Leistungsfähigkeit der Kliniken wird weitestgehend vom künftigen Investitionsverhalten der Länder abhängen“, mahnte Baum.

„Das Krankenhausstrukturgesetz ist ein erster wichtiger Schritt hin zu einer Versorgung, die wieder näher am Patienten ist. Ärzte, Pflegende und Kliniken werden dabei unterstützt, die bislang hochwertige Patientenversorgung auch in Zukunft sicherzustellen“, erklärte Dr. Josef Düllings, Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Gleichzeitig begrüßte Düllings, dass das Bewusstsein in der Gesellschaft für bestmögliche Qualität, bestmögliche Fehlervermeidung und die patientennahe Versorgung gestiegen sei. Denn steigende Ansprüche an die Patientenversorgung führten auch zu einer Aufwertung von Medizin und Pflege, Ausbildung und Beschäftigung in den Gesundheitsberufen sowie der Kliniken als regionale Wirtschaftsfaktoren. Dagegen kritisierte der VKD-Präsident die unterlassene Neuregelung bei der Investitionsfinanzierung. „Damit können die Klinken die Länder, aber auch den Bund, nicht aus der Verantwortung lassen.“ Diese Problematik gehöre bei den kommenden Landtagswahlen und der Bundestagwahl 2017 erneut auf die Tagesordnung, so Düllings.

Irene Maier, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Essen, begrüßte das mit der Krankenhausreform angekündigte Pflegeförderprogramm. Bei der konkreten Ausgestaltung solle aber ein genaues Augenmerk auf die Refinanzierungsmöglichkeiten der Kliniken gelegt werden. „Wir brauchen Lösungsansätze, damit der tatsächliche Pflegebedarf in deutschen Kliniken endlich adäquat refinanziert werden kann. Wenn dies nicht sichergestellt wird, müssen Milliardenbeträge bereitgestellt werden, um Behandlungssicherheit und Versorgungsqualität zu erhalten“, machte Maier deutlich. Die Bundesregierung hätte schon Bereitschaft signalisiert, die vorgesehene Summe von 660 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre für das Pflegeförderprogramm weiter aufzustocken. Denn der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal stelle Kliniken heute vielfach vor Herausforderungen – eine Entwicklung, die sich künftig noch verschärfen werde, so die Essener Pflegedirektorin.

Vielfältiges Kongressprogramm

Der 38. Deutsche Krankenhaustag bietet den Besuchern vom 16. bis 19. November unter dem Generalthema „Reform 2015 – vom Patienten her gedacht“ zahlreiche gesundheitspolitische und praxisorientierte Veranstaltungen: Das Spektrum reicht vom Forum „Pflege im Krankenhaus“, Krankenhausbau oder IT-Schwerpunktveranstaltungen bis hin zu aktuellen Entwicklungen rund um das MVZ oder zur Qualitätssicherung im Krankenhaus. Interessante Diskussionen und Vorträge sind insbesondere im Zusammenhang mit dem 2016 geplanten Krankenhausstrukturgesetz zu erwarten.

Ein Highlight des Kongresses ist das Krankenhaus-Träger-Forum. Die sich aus dem Krankenhausstrukturgesetz ergebenen Qualitätsanforderungen sollen sowohl aus Sicht des neu gegründeten Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) als auch aus dem Blickwinkel der Patienten und der Krankenhausträger diskutiert werden. In der Veranstaltung zur Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) werden die Referenten unter dem Tagungsvorsitz von Kongresspräsident Prof. Dr. Hans-Fred Weiser Status quo, Perspektiven und aktuelle Rechtsfragen zur ASV beleuchten.

Die „Pflege von Morgen“ und die Sicherung der Versorgungskontinuität stehen im Forum „Pflege im Krankenhaus“ ebenfalls im Mittelpunkt der Diskussionen. Dabei werden unter anderem der Wandel der Versorgungslandschaft und die Entwicklung von Patienteninformationszentren diskutiert. Der thematische Schwerpunkt am vierten und letzten Kongresstag ist die europäische Krankenhausversorgung: Die „3rd Joint European Hospital Conference“ widmet sich im ersten Teil der „Patientenorientierung im Fokus der EU-Gesundheitspolitik“ und analysiert im zweiten Teil die „Patientenorientierte Krankenhausversorgung in der Praxis“.

Die Veranstalterin, die Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag (GDK), erwartet an den vier Kongresstagen über 1.800 Besucher aus Klinik und Gesundheitspolitik. Ziel des Krankenhaustages ist es, allen Berufsgruppen im Krankenhaus – Ärzten, Krankenhausdirektoren, Controllern, Technikern, Krankenhausträgern und Pflegepersonal – sowie den Partnern im Gesundheitswesen die Gelegenheit zur Diskussion zu geben.

Das ausführliche Programm des 38. Deutschen Krankenhaustages steht unter www.deutscher-krankenhaustag.de als PDF-Datei zum Herunterladen bereit.

Der Deutsche Krankenhaustag ist die wichtigste Plattform für die deutschen Krankenhäuser und findet jährlich im Rahmen der MEDICA statt. Die Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH (GDK) hat die Aufgabe, den Deutschen Krankenhaustag auszurichten sowie Ausstellungen, Kongresse, Tagungen und Symposien durchzuführen, zu fördern und zu unterstützten. Gesellschafter der GDK sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Der Pflegebereich ist durch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen (ADS) und den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBFK) in die Arbeit der GDK eingebunden.