Das Gutachten bestätige, dass Morbidität und Mortalität maßgeblich für die Leistungsentwicklung der Kliniken seien und dass der demographische Effekt, weit mehr als bisher von den Krankenkassen angenommen, die Leistungsentwicklung bestimme. Zentrale Einflussgrößen wie der medizinische Fortschritt, Erwartungen der Patienten, veränderte Lebensgewohnheiten oder Wechselwirkungen zur ambulanten Versorgung konnten dabei noch nicht einmal in die Analyse einbezogen werden. Sie seien jedoch, unterstrich Dänzer, ebenfalls maßgebliche Bestimmungsgrößen der Leistungsentwicklung.

Dem gegenüber hätten die Gutachter trotz intensiver Analysen (16.000 Seiten Anhang) keine Evidenz für die Erbringung nicht notwendiger medizinischer Leistungen aus ökonomischen Gründen feststellen können.

Zwar stellen die Gutachter fest, so Dänzer weiter, dass bei einem Anstieg der Bewertungen von Fallpauschalen Leistungszuwächse zu beobachten seien. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass die Kliniken nicht notwendige Behandlungen erbringen würden. Denn wenn durch die jährlich sattfindenden Kalkulationen Leistungen höher bewertet würden, entspräche dies den höheren Kosten in den Kliniken und sage nichts über Ursache und Wirkung aus. So liege es in der Natur der Sache, dass neue, bessere und häufig kostenintensivere OP- oder Krebsbehandlungs-methoden von Jahr zu Jahr zu Fallzahlsteigerungen führten.

Die Gutachter fassten selber zusammen, zitierte Dänzer: „Aus den Ergebnissen dieser Studie kann jedoch nicht ohne Einschränkungen die Schlussfolgerung gezogen werden, dass ein Teil der Veränderungen der Fallzahlen hätte vermieden werden müssen.“1)

Konsequenterweise würden die Gutachter auch keine konkreten Fallpauschalen benennen, bei denen sie ökonomisch induzierte Leistungssteigerungen ermittelt hätten, erklärte Dänzer. Vielmehr wiesen sie darauf hin, dass der Fallzahlanstieg auch konservative Leistungen und insbesondere auch die Notfälle beträfe, wobei sich der Leistungszuwachs relativ zufällig über alle Krankenhäuser und Krankenhausgrößenklassen verteile.

Grundsätzlich sei festzustellen, dass der Fallzahlanstieg in den Jahren 2007 bis 2012 mit durchschnittlich 1,5 Prozent im Rahmen der langjährigen Entwicklung liege und keine auffälligen Steigerungen festzustellen seien.

Mit ihren Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Systems orientieren sich die Gutachter im Wesentlichen an der aktuellen krankenhaus-politischen Diskussion. „Aus Krankenhaussicht besonders hervorzuheben ist die zurückhaltend-skeptische Einschätzung der Gutachter zu „Pay for Performance-Konzepten“ und zu kassenindividuellen qualitätsorientierten Selektivverträgen“, betonte Dänzer.

Der Forschungsbericht ist als Anlage beigefügt.

1)    Forschungsauftrag zur Mengenentwicklung, Endbericht; Hamburg, Juli 2014, S. 107, Absatz 4