Der Beitrag von Frau Anette Dowideit offenbart an mehreren Stellen eine absolut oberflächliche Recherche der Fakten und weist auf nur bedingte Kenntnisse über die Rahmenbedingungen der Krankenhausversorgung hin. Auf der Grundlage dieser offensichtlich methodischen Unzulänglichkeiten werden Bewertungen vorgenommen, die es gilt richtig zu stellen.

Offensichtlich sollen mit diesem Artikel die Krankenhäuser schlecht gemacht werden. Es soll der Eindruck entstehen, dass den Krankenhäusern eigentlich ausreichend Finanzierungsmittel zur Verfügung gestellt würden, sie müssten diese nur verstärkt für Personal einsetzen. Weiter soll der Eindruck erweckt werden, Krankenhäuser würden aus ökonomischen Gründen medizinisch nicht notwendige Behandlungen durchführen. Sie würden operieren, ohne die Qualifikationsvoraussetzungen zu erfüllen. Schließlich wird der Eindruck erweckt, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) würde die Weiterentwicklung von Qualitätssicherungsmaßnahmen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) regelmäßig behindern.

Es wird in den Raum gestellt, als hätten die Krankenhäuser heute 50.000 Stellen für Pflegekräfte weniger als 1996. Das ist falsch. Das Statistische Bundesamt weist für den Zeitraum 1996 bis 2012 eine Differenz von ca. 13.000 Stellen aus. Zudem findet seit 2008 ein kontinuierlicher Stellenaufbau statt. Ginge es allerdings nach den Erwartungen der Krankenkassen, die in diesem Artikel als diejenigen dargestellt werden, die sich im besonderen Maße um die Qualität der medizinischen Versorgung in den Krankenhäusern bemühten, hätte der Personalaufbau in den letzten Jahren nicht stattfinden können. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Verweigerungshaltung der Kassen bei der Verabschiedung des Personalaufbauprogramms für die Pflegeberufe im Jahr 2008 nachzulesen. Es zeugt auch von wenig Kenntnis der Krankenhausfinanzierungsregeln, wenn die Auffassung vertreten wird, dass der Aufbau der Zahl der ärztlichen Mitarbeiter vorgenommen wurde, weil dies die Abrechnung von MRT u. ä. fördern würde. Jeder Kenner des Systems weiß, dass in Krankenhäusern mit Ausnahme der wahlärztlichen Leistungen keine Einzelleistungen abgerechnet werden. Der Anstieg der Zahl der beschäftigten Ärzte in den Krankenhäusern ist auf die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes und die vermehrte Ausweisung von Teilzeitbeschäftigungen im ärztlichen Bereich zurückzuführen sowie auf die steigende Zahl der Behandlungsfälle, die die Krankenhäuser versorgen müssen. Dass die Zahl der Fälle von Jahr zu Jahr steigt, liegt an der demographischen Entwicklung, den wachsenden medizinischen Möglichkeiten, aber auch an den Unzulänglichkeiten im ambulanten ärztlichen und pflegerischen Bereich. In den Krankenhäusern sind derzeit ca. 7.500 Stellen für Ärzte und Pflegekräfte unbesetzt. Dies ist auf die extrem angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen, nicht aber auf Personaleinsparungsstrategien der Krankenhausträger.

Nicht die Krankenhausträger, sondern der Gesetzgeber ist verantwortlich für den hohen Rationalisierungsdruck, der im Krankenhausbereich seit Jahren wirkt. Wie der Präsident der DKG, Herr Dänzer, in dem Beitrag darlegt, berücksichtigt die jährlich maximal zulässige Anpassung der Krankenhausvergütung nicht den tatsächlichen Anstieg der Personalkosten. Von dem in dem Artikel erwähnten rund 67 Mrd. Euro, die die gesetzlichen Krankenkassen angeblich jährlich für die Krankenhäuser aufbringen (2013 waren es voraussichtlich keine 64 Mrd. Euro), entfallen allein rund 45 Mrd. Euro auf die Personalkosten. Jedermann kann leicht erkennen, dass ein Auseinanderfallen des Anstiegs der Kosten der Krankenhäuser im Verhältnis zum Anstieg ihrer Vergütungen zwangsläufig Probleme bei der Finanzierung des Personals verursacht. Statt diesen Hinweis als zentrales Problem der Krankenhäuser den Lesern darzustellen, wird der Präsident der DKG auch noch als Lobbyist diffamiert.

Wenig bis keine Recherchetiefe lassen die Aussagen zum angeblichen Verhalten der DKG im G-BA bei Beschlüssen zur Weiterentwicklung von Qualität und Sicherheit in der medizinischen Versorgung erkennen. Zunächst wäre es einfach gewesen, die gesetzlichen Grundlagen für die Arbeit des G-BA zu erfassen. Es ist falsch, dass die Krankenkassen gegen die 5 Stimmen der Leistungserbringer keine Positionen durchsetzen könnten. Offensichtlich ist der Autorin nicht bekannt, dass neben den beiden Bänken mit jeweils 5 Stimmen drei Unparteiische mit ausschlaggebenden Stimmen an den Beschlüssen mitwirken. Es gibt viele Beschlüsse im G-BA, die mit Mehrheit der Unparteiischen gegen die Position einer Bank getroffen wurden. In der Sache bedeutungslos, aber in Hinblick auf die Recherche-Sorgfältigkeit kennzeichnend, ist die Tatsache, dass das vom G-BA auf gesetzlicher Grundlage beauftragte Qualitätsinstitut (AQUA Institut) seinen Sitz nicht in Dortmund, sondern in Göttingen hat.

Geradezu bösartig ist die Behauptung, die DKG würde Beschlüsse im G-BA zur Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung von Frühgeborenen behindern. Hier hätte eine saubere Recherche zutage gebracht, dass die DKG gemeinsam mit den Krankenkassen und den Unparteiischen die Qualitätssicherungsrichtlinie, mit der u. a. eine bessere Personalausstattung auf den Intensivstationen vorgeschrieben wird, mitbeschlossen hat. Wir haben uns allerdings in einem Schreiben an das Bundesministerium für Gesundheit gewandt, damit von dort sichergestellt wird, dass die hohen personellen Mehraufwendungen den Kliniken im Rahmen des Vergütungssystems auch refinanziert werden. Statt die Kassen nur kritisch gegen Krankenhäuser zu zitieren, hätte es der Objektivität in diesem Beitrag sicherlich gut getan, wenn darauf hingewiesen worden wäre, dass die Krankenkassen regelmäßig nicht bereit sind, die Mehrkosten von G-BA Beschlüssen mitzutragen. Völlig falsch ist auch die Behauptung, die DKG würde Maßnahmen der sektorübergreifenden Qualitätssicherung, also die Langzeitbeobachtung von Behandlungsergebnissen, verweigern. Einfachste Recherche hätte zutage gebracht, dass der G-BA in seiner Gesamtheit den Gesetzgeber aufgefordert hat, die rechtlichen Grundlagen für solche Erfassungen zu schaffen. Selbstverständlich hat die DKG diese Position mitgetragen. Hätte Frau Dowideit sich die Mühe gemacht, die Qualitätsvorgaben, die Krankenhäuser zu beachten haben, zu recherchieren, wäre sie sicherlich nicht zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Krankenhäuser hier regelmäßig verweigern. Dies gilt auch für Beschlüsse über Mindestmengen. Auch hier ist darauf hinzuweisen, dass die DKG den Beschluss zu den heute noch gültigen Min-destmengen in der neonatologischen Versorgung im Jahr 2009 mitgetragen hat.

In dem Artikel werden Zahlen über vermeidbare Todesfälle in den Kliniken genannt, die anerkanntermaßen absolut unzutreffend sind. Tatsache ist, es gibt weder 10.000 bis 15.000 vermeidbare Infektionsfälle mit Todesfolge und auch keine 19.000 Patienten, die an vermeidbaren Fehlern versterben würden. Eine sorgfältige Auswertung der Kommentierungen der Berichterstattung über den Krankenhaus-Report 2014 hätte deutlich machen können, dass solche Zahlen keine seriöse Grundlage haben, gleichwohl aber zu einer Verunsicherung der Patienten und der Verunglimpfung der Leistungen der 1,1 Mio. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Krankenhäusern in respektloser Weise beitragen.

Die Krankenhäuser stellen sich seit Jahren der Herausforderung, noch höhere Qualität und höhere Sicherheit für die Patienten zu erreichen. Es wäre wünschenswert gewesen, Frau Dowideit hätte einen ähnlich anspruchsvollen Maßstab an die Qualität ihrer Recherche gelegt.

Mit freundlichen Grüßen

Georg Baum