"Die Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts zu den Hintergründen des Anstieges von Krankenhausleistungen kommt zu dem eindeutigen Ergebnis, dass die demographische Entwicklung und die Morbiditätsentwicklung im Zusammenwirken mit dem medizinischen Fortschritt die Leistungsentwicklung in der stationären Versorgung sehr gut erklären. Behauptungen, Krankenhäuser würden aus ökonomischen Gründen und unnötig Patienten operieren, haben keine Grundlage. Tatsachen dagegen sind:

  • Gerade in den viel zitierten Leistungsbereichen Hüft- und Knieersatz stagnieren die Leistungsentwicklungen seit einigen Jahren. Gemessen an der heute viel größeren Zahl älterer Menschen ist die Häufigkeit dieser Leistungen sogar rückläufig.

  • Nicht berücksichtigt wird von den Kritikern das kumulative Zusammenwirken von demographischer Entwicklung und medizinischem Fortschritt. Dies zeigt sich bei den Herzklappenoperationen mittels kathetergestützter Aortenklappenimplantationen. Die Alternative zu diesem schonenden Verfahren ist die Öffnung des Brustkorbes mit Operation am offenen Herzen, Herz-Lungen-Maschine usw. Da im Alter aber die Zahl der Co-Morbiditäten zunimmt, steigt das operativ-anästhesiologische Risiko an und die Rekonvaleszenz dauert länger. Deshalb kann im konventionellen Verfahren bei etwa 1/3 der Patienten eine Operation nicht in Erwägung gezogen werden. Ohne den chirurgischen Eingriff leben drei Jahre nach der Diagnose nur noch ein Drittel der Patienten. Nun gibt es seit 2002 ein spezielles Ballon-Kathetersystem. Weil das Verfahren weniger belastend ist, wollen selbstverständlich mehr Patienten davon profitieren. Das führt zwangsläufig zu Fallzahlsteigerungen. Und weil dieses Verfahren teurer als das konventionelle Verfahren ist, führt dies auch zwangsläufig zu Mehrausgaben in der GKV. Wenn die gesetzlichen Krankenkassen herzkranken Patienten diese weniger belastenden Operationen streitig machen wollen, sollen sie dies den Menschen dann auch ehrlich sagen. Das Beispiel macht deutlich, dass die Zusammenhänge wesentlich komplexer und multikausaler sind, als das bloße Ablesen von statistischen Entwicklungen.

  • Viele Leistungsbereiche, in denen den Krankenhäusern beliebige Fallzahlsteigerungen vorgeworfen werden, sind zudem Gegenstand von bundesweiten Qualitätssicherungsmaßnahmen, bei denen die Indikationsstellung gezielt überprüft wird. Auch hier zeigen die deutschlandweiten Fallerhebungen im Bereich der Hüft- und Knie-Endoprothesen, der Herzschrittmacher und der Eingriffe mittels Herzkatheter, dass die Leistungserbringung auf absolut solider Indikationsstellung erfolgt.

Bereits im vergangenen Jahr hat das Statistische Bundesamt in einer langjährigen Prognose einen regelmäßigen Anstieg der Leistungsentwicklung der Krankenhäuser aufgrund der demographischen Entwicklung und des medizinischen Fortschrittes dargestellt. Der Vorwurf gegen die Krankenhäuser, sie würden eine ökonomisch motivierte Medizin betreiben, ist auch bei Betrachtung der Leistungs- und Abrechnungsregelungen abwegig. Insbesondere ist darauf hinzuweisen:

  • Mit Ausnahme von Not- und Unfällen kommen alle Patienten in den Leistungsbereichen, die kritisiert werden, mit zum Teil langer Vorerkrankung und auf Einweisung niedergelassener Ärzte in das Krankenhaus. Im Krankenhaus gilt das Mehraugenprinzip.

  • Die Krankenkassen selbst vereinbaren bei den jährlichen Weiterentwicklungen der Krankenhausbudgets Leistungszuwächse. Wenn sie diese auf Verbandsebene als nicht notwendig kritisieren, ist das im höchsten Maße unseriös.

  • Am Jahresanfang vereinbarte Leistungszuwächse werden den Krankenhäusern derzeit nur mit einem Abschlag von 30 Prozent finanziert. Erbringen die Krankenhäuser nicht vereinbarte zusätzliche Leistungen, beträgt der Abschlag 65 Prozent von der Fallpauschale. Finanzielle Anreize zu Mehrleistungen bestehen in diesem System nicht.

  • Ein Großteil der viel diskutierten Leistungen unterliegt spezifischen Qualitätssicherungsmaßnahmen, die zur Folge haben, dass die Indikationsstellungen und Ergebnisse abgefragt, ausgewertet und veröffentlicht werden.

  • Mehr als 10 Prozent aller Krankenhausleistungen einschließlich Indikationsstellung bzw. die Notwendigkeit, den Patienten überhaupt ins Krankenhaus aufzunehmen, werden vom Medizinischen Dienst konkret überprüft. Auch vor diesem Hintergrund laufen die Behauptungen, die Krankenhäuser würden medizinische Leistungen erbringen, die nicht notwendig sind, ins Leere.

  • Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass der Anteil der Krankenhausausgaben an den GKV-Gesamtausgaben zwischen 2004 und 2011 sogar leicht gesunken ist. Und dies, obwohl die Krankenhäuser heute eine halbe Million Patienten mehr versorgen.

Über 50 Prozent aller Krankenhausleistungen werden für ältere Bürger erbracht. Es baut sich der Verdacht auf, dass die Krankenkassen mit ihrer absolut überzogenen Kritik die älteren Menschen von der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen abhalten wollen. Die Krankenhäuser sind der Garant der medizinischen Versorgung der Bevölkerung, insbesondere bei wirklich schweren Erkrankungen und im medizinischen Hochleistungsbereich. Die fortgesetzte Verunglimpfung der Leistungen der Krankenhäuser und ihrer Mitarbeiter durch schlichte Falschbehauptungen und durch unzulässige Verallgemeinerung von Einzelfällen sind nicht länger hinnehmbar."

Kontakt:

Deutsches Krankenhausinstitut
Dr. Karl Blum
Leiter des Geschäftsbereichs Forschung
Telefon: 0211/ 47051-17
E-Mail: karl.blum@dki.de