Gegenstand der Untersuchung ist das Flächenland Baden-Württemberg. Zunächst wird aufgezeigt, wie sich die Facharztzahlen seit Beginn/Mitte der 1990er Jahre entwickelt haben: Von 1993 bis 2008 nahm die Zahl der Vertragsärzte um ca. 14%, die der Krankenhausärzte um ungefähr ein Viertel zu. Zwischen 1996 und 2009 betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Fachärzte 1,8%, die der Hausärzte -0,3%. Indessen waren die Zuwachsraten bei den hausarztnahen Facharztgruppen wie Augen-, Haut-, HNO-Ärzten sowie Gynäkologen eher niedrig, die Zuwächse der krankenhausnahen Spezialisten (z.B. Neurochirurgie, Nuklearmedizin oder Kinder- und Jugendpsychiatrie) hoch.

Organisatorisch zeichnete sich ein Wandel weg von der klassischen Einzelpraxis hin
zu Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren ab. Seit 1993 stieg die Anzahl der in Gemeinschaftspraxen tätigen Ärzte um ca. 61%. Absolut gesehen dominieren in letzteren Hausärzte, Internisten und Chirurgen. Im Verhältnis zu der jeweiligen Arztgruppe sind allerdings die krankenhausnahen Fachärzte stärker vertreten.

Anhand von Bevölkerungsvorhersagen und alters- und geschlechtsspezifischen Arzt – GKV-Patient Kontaktraten wird die künftige Nachfrage nach medizinischen Leistungen für ausgewählte Facharztgruppen prognostiziert. Es zeigt sich, dass bis zum Jahr 2030 die die Nachfrage steigernde Wirkung der Alterung der Gesellschaft den Rückgang der Bevölkerung übertrifft. Augenärzte, Urologen, Kardiologen Hämato-Onkologen, Hausärzte und Gastroenterologen verzeichnen überdurchschnittliche, Chirurgen und Hautärzte unterdurchschnittliche Wachstumsraten. Unter Zugrundelegung der Vorausberechnung des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg, das die niedrigsten Zuwachsraten impliziert, liegt die Nachfragesteigerung bei Kardiologen und Urologen beispielsweise bei 15 und 20%. Bei Frauen- und Kinderärzten kommt es zu deutlichen Rückgängen. Die räumliche Verteilung der Zuwächse, fällt in den schwächer besiedelten Gebieten überdurchschnittlich und in Ballungsräumen unterdurchschnittlich aus.

Das Gutachten geht davon aus, dass durch diesen Nachfrageanstieg eine künftige Ausweitung der primären und sekundären ambulanten Versorgung zu erwarten ist. Hinzu komme, dass im stationären Bereich die Ein- und Zweitagesfälle im Krankenhaus mit 2,56 bzw. 2,09 Mio. Fällen (bezogen auf das Bundesgebiet) am stärksten vertreten seien und sich somit Möglichkeiten für Leistungsverlagerungen ergäben.

Abschließend werden gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen für Krankenhäuser und niedergelassene Fachärzte gefordert. Danach sind Vereinheitlichungen in folgenden Bereichen erforderlich:
- in Bezug auf die Leistungsdefinitionen und Qualitätsstandards,
- Vergütung inklusive der Investitionsfinanzierung und Vorhaltekosten,
- Genehmigung neuer Behandlungsmethoden,
- Preise von veranlassten Leistungen und
- Regulierungen in Bezug auf Mindestmengen und Mengenbegrenzungen.
Die Kurzfassung des Gutachtens „Gesundheitspolitischer Stellenwert einer flächendeckenden ambulanten Facharztversorgung - Entwicklung und Perspektiven“ sowie weitere Materialien dazu sind auf der Seite des Deutschen Facharztverbandes (http://www.deutscher-facharztverband.de/) erhältlich.

Bewertung
Das Gutachten verdeutlicht eindrucksvoll die Herausforderungen, vor denen eine flächendeckende ambulante Gesundheitsversorgung steht. Nicht erwähnt wird in der Studie, dass der Zuwachs an Krankenhausärzten um 25% ganz überwiegend der Novellierung des Arbeitszeitgesetzes geschuldet ist. Die 2004 in Kraft getretene Änderung und damit einhergehende vollumfängliche Anerkennung von Bereitschaftsdienstzeiten als Arbeitszeiten bedingte einen Mehrbedarf im ärztlichen Dienst von ca. 27.000 Stellen.
Schon heute erbringen die Krankenhäuser ambulante ärztliche Leistungen in maßgeblichem Umfang und offensichtlich wird der Bedarf dafür künftig noch zunehmen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat ihren Standpunkt zur Reform der ambulanten ärztlichen Versorgung in einem Positionspapier niedergelegt, welches auf der Homepage der DKG zu finden ist.