Die wichtigsten Botschaften des SVR zur Gesundheitsversorgung sind:

• Ausweitung der sektorenübergreifenden Versorgung: Das Gesundheitssystem sei durch eine hohe Regulierungsdichte geprägt, sodass eine effizientere Gestaltung der Versorgungsangebote vielfach nur innerhalb der regulatorisch definierten Sektoren vollzogen werden könnte, insbesondere innerhalb des ambulanten und des stationären Sektors. Sektorenübergreifenden Ansätzen stünden die sektorenspezifischen Vergütungssysteme entgegen. Daher sollten die Anreize für Leistungserbringer zur sektorenübergreifenden Versorgung sowie zur stärkeren Ambulantisierung der Medizin ausgebaut werden.

• Effektivere Steuerung der Patienten im komplexen und für den einzelnen Patienten oft undurchschaubaren Gesundheitswesen sei erforderlich, um zu verhindern, dass Patienten die Notfallambulanzen der Krankenhäuser ohne akuten Notfall aufsuchen, von der Versorgung von schwerwiegenden akuten Notfällen abhalten und so teure Krankenhauskapazitäten binden. Die Steuerung könne dem Beispiel Dänemarks folgend über ein Telefonleitsystem organisiert werden.

• Effizienzerhöhungen durch Strukturanpassungen im Krankenhaussektor: Der mit dem Krankenhausstrukturgesetz eingeführte Strukturfonds stelle Investitionsmittel bereit, um größere Strukturanpassungen finanzieren zu können. Weitere Schritte in diese Richtung sollten folgen.

• Weitere Investitionsmittel für Krankenhäuser: Diese würden benötigt, um die Substanz der Krankenhäuser erhalten zu können. Die Länder kämen seit geraumer Zeit ihrer Verpflichtung nicht in ausreichendem Maß nach. Dies könne mittelfristig negative Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung und die Effizienz der Leistungserbringung haben.

• Monistische Finanzierung des Krankenhaussektors: Ein Ausweg aus der Investitionsmisere wäre der Übergang zu einer monistischen Krankenhausfinanzierung, bei der die Krankenkassen die laufenden Betriebskosten der Krankenhäuser und die Investitionen finanzieren.

• Digitalisierung des Gesundheitswesens durch Ausbau einer standardisierten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, um die Versorgungsqualität zu erhöhen: Vor allem sei die elektronische Patientenakte auf Basis einer standardisierten bundesweiten Telematik-Infrastruktur in Gang zu bringen. Wichtige Informationen könnten damit für die Behandlung von Patienten zu jeder Zeit und an jedem Ort zur Verfügung stehen. Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und andere Leistungserbringer könnten – nach Einwilligung des Patienten – auf alle oder einen Teil seiner Gesundheitsdaten zugreifen. Dies würde Doppeluntersuchungen reduzieren, die Medikation von Patienten mit einer Vielzahl an einzunehmenden Arzneimitteln transparenter gestalten und die Diagnostik unterstützen. Nebenbei würde ein bedeutender Beitrag zur Versorgungsforschung ermöglicht, um künftig die knappen Ressourcen auf Leistungen guter Qualität zu konzentrieren

• Verbesserung der Innovationsoffenheit im Gesundheitswesen insbesondere im Bereich der digitalen Angebote, der Telemedizin, der Robotik und Sensorik: Diese Ansätze böten nicht nur das Potenzial, dem wachsenden Fachkräftemangel mittelfristig entgegenzuwirken. Sie könnten weiterhin einen wichtigen Lösungsansatz für die medizinische Versorgung ländlicher und strukturschwacher Regionen bieten.