Die Leitlinien befassen sich mit folgenden drei Themenfeldern:

1. Qualität steigern und Wettbewerb intensivieren:

Qualitätsmerkmale in der Vergütung halten die Autoren für hilfreich um ein wichtiges Versorgungsziel zu fördern und Effizienz zu verbessern. Die vier Qualitätsdimensionen, wie Indikations-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität halten sie für sinnvoll, allerdings auch erheblichen Anforderungen ausgesetzt. Zu diesen Anforderungen zählen sie valide, manipulationsarme Routinedaten wie Mortalität und die Berücksichtigung von Schweregrad, Komorbidität und Zurechenbarkeit. Hier betonen sie die Schwierigkeit der Erhebung und Definition dieser Qualitätsmerkmale. Diese Konzepte zur Qualitätsmessung für Planung, Vergütung und Management soll das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz übernehmen. Darüber hinaus sehen sie, durch die Verwendung von Selektivverträgen eine Chance den Qualitätswettbewerb zu intensivieren. Auch ein Preiswettbewerb über eine Modifikation der Fallpauschalen sehen sie als einen Schritt in die Richtung, die Effizienz und Qualität zu steigern. Eine höhere Markttransparenz setze zudem Anreize in die Verbesserung der Qualität zu investieren. Grundsätzlich sollte bei allen vorgeschlagenen Maßnahmen eine wissenschaftliche Evidenz erfolgen, die misst, ob die Regelungen tatsächlich das gewünschte Ziel erreichen.

2. Ländliche Versorgung sicherstellen:

Die Länder könnten durch steuerfinanzierte Zuschläge die Grundversorgung (Notaufnahmen, Intensivversorgung) sichern. Was die Definition von Grundversorgung und Mindesterreichbarkeit angeht, sehen die Autoren dies als eine gesellschaftliche Aufgabe und keine wissenschaftliche Aufgabe. Darüber hinaus halten sie in Ballungsräumen den Einsatz von Selektivverträgen für die richtige Lösung. Solange diese noch nicht ausreichend angewendet werden, sollten Marktaustrittskosten begrenzt subventioniert werden. Sie nehmen hier Bezug auf den ursprünglich geplanten Strukturfonds. Darüber hinaus halten sie eine monistische Finanzierung für einen richtigen Schritt, da sie in der Trennung der Investitions- und Betriebskosten eine Behinderung für konsistente Entscheidungen sehen. In dieser Finanzierungreform könnten auch leistungsorientierte Investitionspauschalen mit Qualitätsaspekten ergänzt werden.

3. Strukturförderung:

Zwei Probleme stehen hier im Raum. Zunächst seien die Strukturanpassungen durch die zuständigen Landesbehörden nicht ausreichend, zum anderen erhöht der demografische Wandel die Anforderungen. Hier sehen die Autoren drei mögliche Maßnahmen: Erstens die Einführung der monistischen Finanzierung und Selektivverträge, um die Versorgung flexibel gestalten zu können; zweitens die Konzentration der Länder auf die Subventionierung der regionalen Sicherstellung und zum Teil die Subventionierung der Marktaustritte und drittens die Finanzierung der höheren Beiträge in der GKV und PKV durch eine allgemeine Steuersenkung.

Die Vortragsfolien der Pressekonferenz sowie das Positionspapier s. Anlagen.

Hintergrund dggö:

Die dggö wurde am 17. Oktober 2008 durch 17 Hochschulprofessoren gegründet, und bezweckt die Förderung der Wissenschaft, Forschung und wissenschaftlichen Politikberatung auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Forschungsvorhaben sowie die Vergabe von Preisen und Auszeichnungen. Insbesondere findet jedes Frühjahr eine wissenschaftliche Jahrestagung statt. Die dggö macht sich zur Aufgabe, gesundheitsökonomische Erkenntnisse in der Öffentlichkeit zu verbreiten und gegenüber Parlamenten und Regierungen zu vertreten. Darüber hinaus unterhält sie Beziehungen zu einschlägigen ausländischen und internationalen Fachgesellschaften. Prof. Dr. Reiner Leidl ist der derzeitige Vorsitzende, Prof. Dr. Wolfgang Greiner der designierte Vorsitzende und Prof. Dr. Reinhard Busse der stellvertretende Vorsitzende. Prof. Dr. Stefan Felder hat das Amt des Generalsekretärs. Derzeit besteht die Gesellschaft aus ca. 800 Mitgliedern, darunter Personen aus der Wissenschaft (Mitarbeiter in Forschung und Lehre, in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, Studierende), aus der Praxis (Krankenhausgeschäftsführer, Krankenhausmitarbeiter, Mitarbeiter aus Pharmaunternehmen, MVZ, Beratungen, Verbänden, etc.).