Das Gutachten kommt insbesondere zu folgenden zentralen Ergebnissen:

1. Es gäbe weniger Marktaustritte von Krankenhäusern als vom Statistischen Bundesamt

veröffentlicht, da es sich bei diesen oft um Zusammenlegungen von Krankenhäusern zu

Verbünden, um Schließung von Abteilungen und Standort- oder Kapazitätsverlagerungen

handle.

a. Nur ein Drittel des in der Krankenhausstatistik ausgewiesenen Rückgangs der Anzahl

der Krankhäuser seien „echte“ Marktaustritte.

b. Nur 12 % des Rückgangs der Bettenzahl würden auf vollständige Marktaustritte

zurückgehen.

c. Davon handle es sich bei den meisten Marktaustritten prozentual um Marktaustritte

von privaten Krankenhausträgern.

d. Davon seien die meisten Marktaustritte (45 %) in städtischen Kreisen, der

zweitgrößten Raumordnungsgruppe der Systematik nach BBSR und die zweitmeisten

Marktaustritte (28 %) in dünn besiedelten ländlichen Kreisen, der kleinsten Gruppe

der Systematik nach BBSR.

e. Davon seien die meisten Marktaustritte von 21-50-Betten-Häusern erfolgt.

2. Belegkrankenhäuser seien relativ häufig von Marktaustritten betroffen gewesen.

3. Ein großer Abbau von Betten sei am meisten in den Bereichen „Innere Medizin“ (47 %

und „Chirurgie“ (24 %) erfolgt.

4. Am meisten seien Allgemeinkrankenhäuser von den Marktaustritten betroffen

(45 %); an zweiter Stelle stünden reine Fachkrankenhäuser (42 %).

5. In 45 % der Marktaustritte sei keine Nachnutzung erfolgt.

6. Eine wesentliche Marktaustrittshürde scheinen die Kosten des Marktaustritts zu

sein. Die Gesamtkosten für den Marktaustritt wurden auf das 0,8 bis 2,5fache des

Jahresbudgets beziffert. Die Kosten setzen sich unter anderem aus den Aufwendungen

für einen Sozialplan, Abfindungen außerhalb des Sozialplans, Abschreibungen, Kosten

aus Dauerschuldenverhältnissen und Kosten der Infrastrukturbereinigung zusammen.

7. Eine Schließungsförderung sei lediglich in 5 von 74 vollständigen Marktaustritten

erfolgt. Grundsätzlich seien die Schließungsförderungsrichtlinien landesspezifisch

und variieren erheblich. Die gesetzlich vorgesehenen Förderungen decken die

tatsächlichen Schließungskosten eines Hauses nicht.

8. Zu den wichtigsten Stakeholdern im Rahmen von Marktaustritten zählen die Gutachter

Krankenhausträger, Aufsichtsratsgremien, Management des Krankenhauses und der

Krankenhaus-Gruppen, Personal und Betriebsrat, Belegärzte im Speziellen, Zuweiser,

Politik, Landesministerien, und –behörden, Bevölkerung vor Ort und Region, Presse

und Kostenträger. Bei den Kostenträgern geben sie zu bedenken, dass sich diese auf

Ortsebene zurückhaltend äußern und keine „Rufer“ nach Marktaustritt seien, und wenn

überhaupt einen Marktaustritt nur im Hintergrund fördern würden; auf Landes- und

Bundesebene hingegen Marktaustritte erheblich und häufiger fordern würden.

9. Gründe gegen Krankenhausschließungen seien insbesondere ökonomische Gründe

fehlende Finanzierung), Proteste der Bevölkerung, Unsicherheiten über die

finanzielle Förderung der Schließung.

Im Ergebnis empfehlen die Gutachter

1. Absenkung der bestehenden Marktaustrittsbarrieren.

2. Erhöhung der wirtschaftlichen Anreizmechanismen zur Unterstützung von

Marktaustritten.

3. Schaffung von Lösungen im Sinne von Marktaustrittsbeihilfen oder Beihilfen zur

Umwandlung von Krankenhäusern in andere gesundheitliche Versorgungsangebote.

4. Dauerhafte Lösungen im Sinne von Strukturanpassungs- bzw. Umwandlungszuschüssen.

5. Etablierung eines zuverlässigen und klar geregelten Prozedere im Rahmen einer

Schließung.

6. Mehr Nachnutzungen der „Gesundheitsimmobilien“, bisherige Nachnutzungen erscheinen

eher zufällig.

7. Politik sollte ein unterstützendes regulatives und finanzielles Umfeld für

Marktaustrittsentscheidungen von Krankenhausträgern schaffen:

a. Rechtssicherer Anspruch auf Marktaustrittshilfe.

b. Verzicht der Länder auf die Rückforderung von in der Vergangenheit geflossenen

Investitionskostenförderungen.

c. Bei bedarfsnotwendigen Krankenhäusern:

i. Durch den G-BA konkretisierte Voraussetzungen schaffen.

ii. Sicherstellungszuschlag zusichern.

Der Hauptgeschäftsführer, Georg Baum, nimmt hierzu folgendermaßen Stellung:

"Die Analyse bestätigt, dass im Krankenhauswesen sehr intensive Strukturanpassungen stattfinden. Denn hinter jedem der 204 geschlossenen bzw. nicht selbständig weitergeführten Krankenhäusern stehen Kapazitäts- und Leistungsanpassungen an den konkreten örtlichen Bedarf.

Mit ihren Erwartungen nach radikalen Krankenhausschließungen bringen die Krankenkassen erneut zum Ausdruck, dass ihr Ziel Kostensenkung ohne Rücksicht ist, nicht aber die medizinische Versorgung der Menschen in den Regionen.

Die DKG stimmt allerdings mit dem GKV-Spitzenverband überein, dass die Strukturanpassungen und Weiterentwicklungen finanzielle Unterstützung brauchen und dass im Rahmen der Gesundheitsreform darüber Entscheidungen getroffen werden müssen."

Quelle: Preusker et al. (2014); Darstellung und Typologie der Marktaustritte von Krankenhäusern 2003-2013, Preusker Health Care OY, Gutachten im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes

Die Zusammenfassung des Gutachtens, das gesamte Gutachten und die Anlagen finden Sie unter: http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/krankenhaeuser/gutachten_marktaustritte_krankenhaeuser.jsp