Gegenstand des Positionspapieres ist die Darstellung der strukturell notwendigen Reformen des deutschen Gesundheitswesens, wobei sich das Papier im Kern auf den ambulanten Leistungsbereich beschränkt. Zuerst werden drei zentrale strukturelle Mängel identifiziert:

-    das duale Vollversicherungssystem von gesetzlicher und privater Krankenversicherung,

-    die weitgehende Trennung von ambulanter und stationärer sowie kurativer und rehabilitativer Versorgung und

-    der Mangel an Kooperationen und Integration in der ambulanten Versorgung.

Um die damit einhergehenden Defizite zu beseitigen, empfehlen die Autoren des Positionspapiers folgende Reformen:

-    Förderung der integrierten Versorgung,

-    Stärkung der Primärversorgung und der hausarztzentrierten Versorgung,

-    Setzung von wirtschaftlichen Anreizen durch den Gesetzgeber, um die bedarfsgerechte Ausgestaltung der Versorgung über eine Kombination von Selektiv- und Kollektivverträgen zu fördern,

-    sektorenübergreifende Bedarfsplanung,

-    gezielte Förderung von Forschung, Aus- und Weiterbildung,

-    Einführung einer kalkulierten, einheitlichen ambulanten ärztlichen Gebührenordnung auf Basis von morbiditätsorientierten Pauschalen in Kombination mit Qualitätssicherungsmaßnahmen und Pay-for-Performance Elementen.

Für die stationäre Versorgung werden nur Empfehlungen formuliert, soweit deren Schnittstelle zum ambulanten Bereich durch die Reformvorschläge betroffen ist. Dies ist insbesondere bei folgenden Reformvorschlägen der Fall:

-    Bei der Ausgestaltung der selektivvertraglichen Strukturen wird empfohlen, den rechtlichen Rahmen so auszugestalten, dass ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Kollektiv- und Selektivverträgen ermöglicht wird. Selektivverträge sollen dabei als wettbewerbliche Versorgungsform ausgestaltet werden, wobei jedoch verbindliche Vereinbarungen über Qualitätsstandards, Sanktionen bei Nichteinhaltung und deren Evaluation getroffen werden müssen. Um eine flächendeckende Versorgung sicherstellen zu können, sollen an den Selektivverträgen auch Leistungserbringer beteiligt werden können, die nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, aber alle Voraussetzungen zur Erbringung dieser Leistungen erfüllen (z. B. Krankenhäuser).

-    Die Bedarfsplanung soll zukünftig sektorenübergreifend ausgestaltet sein, wobei sich bei Verträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern an die Vorgaben der Bedarfsplanung gehalten werden muss. Auch soll die Planung der stationären Versorgung nicht über die Zulassung konkreter Krankenhäuser oder Bettenzahlen entscheiden. Vielmehr sollen Kapazitäten einzelner Regionen nach den Maßstäben Versorgungsqualität und Erreichbarkeit festgelegt werden. Diese Kapazitäten sollen die Krankenkassen in den Verträgen mit den Krankenhäusern vorhalten.

-    In Bezug auf das Personal wird explizit für den Bereich der Krankenhausversorgung eine Reduzierung der Arbeitsbelastung für die Pflege- und Hauswirtschaftskräfte gefordert sowie die Gewährleistung einer Personalausstattung zur Sicherstellung der Strukturqualität.

-    Langfristig soll eine Harmonisierung des neuen einheitlichen ambulanten Vergütungssystems mit dem DRG-System erfolgen.

-    Die ambulanten Leistungen der Krankenhäuser sollen neu geordnet werden. Ziel sei dabei, die ambulanten Operationen, stationsersetzende Eingriffe, psychiatrische Institutsambulanzen und sozialpädiatrische Zentren in einer Versorgungssäule mit einheitlichen Rahmenbedingungen (inkl. einheitlicher Vergütung) für alle Leistungserbringer zu organisieren.