Stärken
- ein hohes Versorgungsniveau,
- Wettbewerb durch unterschiedliche Trägerstrukturen und
- Fallpauschalen (G-DRG) als eine gute Grundlage für eine qualitätsorientierte und kosteneffiziente Leistungs- und Finanzierungsstruktur.

Schwächen
- ineffiziente und unzureichende duale Finanzierung,
- fehlender Qualitätswettbewerb aufgrund des Kollektivvertragssystems,
- wachsende Qualitätsunterschiede zwischen Krankenhausträgern (Qualitäts- und Innovationsführerschaft bei privaten Trägern),
- ineffiziente Versorgungsstrukturen durch kommunalpolitische Einflussnahme,
- Überkapazitäten an Krankenhausbetten infolge von ineffizienten Finanzierungsstrukturen hinsichtlich der Investitionskosten, politischer Einflussnahme sowie fehlender unternehmerischer Entscheidungsfreiheit,
- zu starre Abgrenzung zwischen ambulantem und stationärem Sektor, was insbesondere die Krankenhäuser daran hindere, sich zu Gesundheitszentren zu entwickeln und
- hoher Fachkräftebedarf und geringe Berufsattraktivität.

Die Analyse dieser Stärken und Schwächen mündet in ein 7-Punkte-Programm, um die deutsche Krankenhauslandschaft zu reformieren:

1. Ausbau der Krankenhäuser zu Gesundheitszentren, um die starre Sektorentrennung zu überwinden.

2. Schaffung eines Rechtsrahmens, um die gegenwärtigen kollektivvertraglichen Regelungen durch selektive Verträge abzulösen (mit bleibender Wahlfreiheit, falls die Versicherten eventuelle Kostenunterschiede nach oben mit Nichtvertragshäusern aus eigener Tasche ausgleichen).

3. Umstellung von der dualen auf eine monistische Krankenhausfinanzierung.

4. Innovationsbeschleunigung in der klinischen Forschung durch:
a. Verbesserung der Erstattung von Innovationen im stationären Bereich unter Beibehaltung des Verbotsvorbehalts.
b. durch die Optimierung der Rahmenbedingungen für klinische Studien.

5. Steigerung der Berufsattraktivität für Medizin und Pflege, Krankenhäuser müssen sich als attraktive Arbeitgebermarke etablieren. Als größtes Hindernis für eine finanziell adäquate Personalausstattung wird die chronische Unterfinanzierung durch die duale Krankenhausfinanzierung gesehen.

6. Vermehrter Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien,

7. Ausbau von Homecare: chronisch kranke Patienten sowie Patienten vor und nach einem Krankenhausaufenthalt sollen in ihrem Zuhause unterstützt werden. Dabei wird den Krankenhäusern eine zentrale Rolle zugedacht.

Die sieben Punkte werden jeweils erläutert und durch konkrete Forderungen an Politik und andere Entscheidungsträger ergänzt. Das 19seitige 7-Punkte-Programm finden Sie auf der Homepage des Managerkreises unter folgendem Link:
http://www.managerkreis.de/media/MK_Krankenhauslandschaft_2010.pdf


Bewertung

Der Managerkreis hat ein Positionspapier vorgelegt, dass zentrale Fragen der künftigen Krankenhausversorgung thematisiert. Die Analyse der Stärken und Schwächen lässt allerdings Fragen offen. So wird bei den Stärken ausdrücklich der Wettbewerb zwischen den Krankenhausträgern hervorgehoben, während anderer¬seits bei den Schwächen ein mangelnder Qualitätswettbewerb aufgrund des Kollektivvertragssystems vermutet wird. Einerseits wird zu Recht auf das hohe Versorgungsniveau des deutschen Krankenhauswesens im internationalen Vergleich verwiesen. Andererseits werden dann vermeintliche Überkapazitäten bemängelt.

Viele der Forderungen gehen in die richtige Richtung. Zu nennen sind hier besonders die Forderungen, Krankenhäuser zu Gesundheitszentren auszubauen, für eine ausreichende Investitionsfinanzierung zu sorgen sowie die Erstattungssituation für Innovationen im stationären Sektor zu verbessern. Unklar bleibt dagegen, wie die geforderte breitflächige Einführung von selektiven Verträgen (wenn auch dadurch eingeschränkt, dass auch nicht kontrahierte Krankenhäuser in Anspruch genommen werden dürfen), mit einer integrierten Versorgung mit Krankenhäusern als Gesundheitszentren kombiniert werden soll, die verstärkt chronisch kranke und multimorbide Patienten versorgen.