Das Europäische Observatorium ist eine Partnerschaft zwischen der Weltgesundheitsorganisation (Regionalbüro für Europa), den Regierungen von Norwegen und Spanien, der Europäischen Investitionsbank, der Weltbank, der London School of Economics und der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Seine Aufgabe ist es, Erkenntnisse zu Gesundheitssystemen zusammentragen, zu analysieren und zu veröffentlichen. Nähere Informationen bei: European Observatory on Health Care Systems, Scherfigsvej 8, DK-2100 Kopenhagen (Tel.: 0045/39171430, e-mail: observatory@who.dk, Homepage: http://www.observatory.dk).

Der Bericht sieht in der Sicherung der Finanzierung der GKV die größte Herausforderung für die Zukunft und gibt hierzu folgenden Hinweis: Es werde zunehmend akzeptiert, dass eine Kostenexplosion im deutschen Gesundheitswesen nicht stattgefunden habe. Nicht gestiegene Gesundheitsausgaben, die im Einklang mit dem Bruttoinlandsprodukt gewachsen seien, sondern der sinkende Anteil sozialversicherungspflichtiger Einkommen am Bruttoinlandsprodukt seien ursächlich für den Anstieg der Kassenbeiträge. Aufgrund höherer Kapitalgewinne, einer größeren Zahl von Arbeitslosen und Einkommenszuwächsen unterhalb der Produktivitässteigerung sei eher von einer Finanzierungskrise als von einer Ausgabenkrise auszugehen.

Gemäß dem Länderbericht sind die Gesundheitsausgaben zwischen 1975 und 1990 stabil geblieben bei etwa 8,7% des Bruttoinlandsprodukts. Erst seit der Wiedervereinigung sei ein deutlicher Anstieg erfolgt. Grund dafür sei, dass in den neuen Ländern bei annähernd gleich hohen Pro-Kopf-Ausgaben das Bruttoinlandsprodukt deutlich geringer sei.

Der Bericht nimmt insgesamt eine differenziertere Analyse vor, als die Vertreter von GKV und Politik im Rahmen der Pressekonferenz, welche lediglich die im internationalen Vergleich hohen Gesundheitsausgaben bei nur durchschnittlichen Gesundheitsergebnissen betonten.