Bereits im Jahr 2004 und ein weiteres Mal im Jahr 2006 hatte die Europäische Kommission eine Konsultation zu einer möglichen Strategie durchgeführt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat sich hierbei ebenfalls positioniert.

Inhaltlich möchte die Europäische Kommission insgesamt vier Prinzipien zu Wirksamkeit verhelfen und drei strategische Zielen erreichen.

Zur Ausfüllung des ersten Prinzips "Eine auf gemeinsamen Gesundheitsvorstellungen beruhende Strategie" ist beabsichtigt, Bürgerrechte im Bereich der Gesundheitsversorgung zu stärken, zur Verringerung gesundheitlicher Benachteiligungen beizutragen und eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Gesundheitspolitik zu fördern.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieser Eckpunkte vorgesehen:

- Annahme einer Erklärung über grundlegende Gesundheitswerte (Kommission, Mitgliedstaaten)
- System von EG-Gesundheitsindikatoren mit gemeinsamen Mechanismen zur Erhebung vergleichbarer Gesundheitsdaten auf allen Ebenen, einschließlich einer Mitteilung über den
- Austausch von Gesundheitsinformationen (Kommission)
- Weitere Erarbeitung von Möglichkeiten zur Verringerung gesundheitlicher Benachteiligungen (Kommission)
- Förderung von Programmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz verschiedener Altersgruppen (Kommission)

Bei dem zweiten Prinzip "Gesundheit ist das höchste Gut" wird die Europäische Kommission Maßnahmen vorschlagen, die eine wirtschaftliche Analyse des Gesundheitsbereichs (Gesundheit der Bevölkerung) sowie des Gesundheitssektors (als starker Dienstleistungsmarkt) ermöglichen und zu einer besseren Nutzung wirtschaftlicher Potenzialer einer gesunderen Bevölkerung und eines intakten Gesundheitsmarktes beitragen sollen.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieser Eckpunkte vorgesehen:

- Entwicklung eines Programms von Analysen der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Gesundheitszustand, Gesundheitsinvestitionen sowie Wirtschaftswachstum und -entwicklung (Kommission, Mitgliedstaaten)


Das Thema Gesundheit auch in anderen Politikbereichen als wichtig zu etablieren ist Ziel der im dritten Prinzip "Gesundheit in allen Politikbereichen" aufzulegenden Maßnahmen. So sollen beispielsweise Synergien von Gesundheitspolitik mit Bereichen wie Regional- und Umweltpolitik, Tabakbesteuerung, Gesundheitsforschung- und innovation, bis hin zur Außen- und Handelspolitik der EU geschaffen werden. Hierzu wird die Europäische Kommission Partnerschaften mit Nichtregierungsorganisationen, der Industrie, der Wissenschaft und der Medien entwickeln.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieser Eckpunkte vorgesehen:

- Stärkere Einbeziehung der Gesundheitsaspekte in alle Politikbereiche auf den Ebenen der Gemeinschaft wie der Mitgliedstaaten und auf regionaler Ebene, einschließlich des Einsatzes von Folgenabschätzungs- und Bewertungsinstrumenten (Kommission, Mitgliedstaaten)

Mit einem globalen gesundheitspolitischen Ansatz möchte die Europäische Kommission im Rahmen eines vierten Prinzips "Mehr Mitsprache in der globalen Gesundheitspolitik" bessere Gesundheitsergebnisse für EU-Bürger durch nachhaltige kollektive Führung erreichen.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieser Eckpunkte vorgesehen:

- Stärkung des Gemeinschaftsstatus in internationalen Organisationen und der Zusammenarbeit in Gesundheitsfragen mit strategischen Partnern und Ländern (Kommission)
- Sicherstellung einer angemessenen Einbeziehung der Gesundheit in die EU-Außenhilfe im Einklang mit den mit Drittländern vereinbarten Prioritäten und dem politischen Dialog sowie den sektoriellen Konzepten, die für die Außenhilfe entwickelt wurden

- Förderung der Durchführung internationaler Gesundheitsabkommen, insbesondere des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Eindämmung des Tabakkonsums und der internationalen Gesundheitsvorschriften (Kommission)

Bei dem ersten Ziel "Förderung der Gesundheit in einem alternden Europa" möchte die Europäische Kommission ein Maßnahmenpaket schnüren, mit dem durch Prävention, Förderung gesunder Lebensweisen und durch Berücksichtigung von Gesundheitsfaktoren wie beispielsweise Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum eine bessere Gesundheit im Alter erreicht werden kann. Unterstützend sollen die geriatrische Medizin sowie die Palliativversorgung weiterentwickelt werden.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieses Ziels vorgesehen:

- Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit älterer Menschen und der Beschäftigten und Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Kommission)
- Weiterentwicklung und Erarbeitung von Maßnahmen zu Tabak, Ernährung, Alkohol, psychischer Gesundheit und anderen umweltbedingten und sozioökonomischen Gesundheitsfaktoren (Kommission, Mitgliedstaaten)
- Neue Leitlinie für Krebsvorsorgeuntersuchungen und eine Mitteilungen über europäische Maßnahmen im Bereich seltener Krankheiten (Kommission)
- Folgemaßnahmen zur Mitteilung über Organspende und Transplantation (Kommission)

Das zweite strategische Ziel "Schutz der Bürger vor Gesundheitsgefahren" beinhaltet beispielsweise Maßnahmen zur wissenschaftlichen Risikobewertung, Bereitschaftsplanung und Reaktionen aus Epidemien und Bioterrorismus, Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz und Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und des Verbraucherschutzes. Neue Herausforderungen bereiten auch Gesundheitsgefahren im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Bereich die Ankündigung von Maßnahmen zur Steigerung von Patientensicherheit im stationären Bereich. Die Europäische Kommission geht davon aus, dass im Vereinigten Königreich rund 10 % der stationär aufgenommenen Patienten unerwünschte Krankheiten als Wirkung ihrer gesundheitlichen Versorgung erleiden und dieses Problem in anderen Mitgliedstaaten gleichermaßen auftrete.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieses Ziels vorgesehen:

- Stärkung der Mechanismen zur Überwachung und Reaktion auf Gesundheitsgefahren, einschließlich Überprüfung der Zuständigkeit des Europäischen Zentrums für die Kontrolle von Krankheiten (Kommission)
- Gesundheitsaspekte der Anpassung an den Klimawandel (Kommission)

Durch Unterstützung neuer Technologien wie beispielsweise Gesundheitstelematik, Genomik und Biotechnologie erhofft sich die Europäische Kommission mit ihrem dritten Ziel "Förderung dynamischer Gesundheitssysteme und neuer Technologien" eine bessere Prävention und Behandlung von Krankheiten und eine Verlagerung der stationären Versorgung auf Prävention und Primärversorgung.

Folgende Maßnahmen sind zur Erreichung dieses Ziels vorgesehen:

- Gemeinschaftsmaßnahmen für sichere, hochwertige und effiziente Gesundheitsdienstleistungen (Kommission)
- Unterstützung der Mitgliedstaaten und Regionen beim Umgang mit Innovationen in den Gesundheitssystemen (Kommission)
- Unterstützung der Durchführung und Interoperabilität von gesundheitstelematischen Lösungen in den Gesundheitssystemen (Kommission)


In ihrem Weißbuch erläutert die Kommission abschließend ihre Vorstellung, wie vorgenannte Prinzipien und Ziele umzusetzen sind und kündigt einen neuen Mechanismus der strukturierten Zusammenarbeit auf EG-Ebene an, bei dem Mitgliedstaaten eng eingebunden werden sollen. Dabei sollen Möglichkeiten der regionalen und lokalen Mitwirkung angeboten werden. Ergänzend können Akteure des Gesundheitswesens, beispielsweise das "European Health Forum" auf europäischer Ebene eingebunden werden.

Die Finanzierung der Maßnahmen soll zunächst durch bereits bestehende Programme ermöglicht werden, z. B. das zweite Aktionsprogramm Gesundheit (2008 bis 2013). Auch der neuen Strategie Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (2007 bis 2012) wird eine maßgebliche Rolle bei der finanziellen Ausstattung gesundheitsbezogener Maßnahmen zugedacht.

Die DKG wird die einzelnen Schritte zur Umsetzung der Strategie begleiten und darüber informieren.

Die Gesundheitsstrategie ist unter folgendem Link einsehbar:

http://www.ec.europa.eu/health/ph_overview/Documents/strategy_wp_de.pdf