Der Berichtsentwurf enthält gegenüber dem Kommissionsvorschlag wesentliche Änderungen, die nach Auffassung der Geschäftsstelle grundsätzlich positiv zu bewerten sind:
- Kommerzielle Dienstleistungen von allgemeinem Interesse, darunter auch die Gesundheits- und Sozialdienstleistungen, werden aus dem Anwendungsbereich der Richtlinie ausgenommen. Sie sollen in einer eigenständigen Richtlinie geregelt werden.
- Der Begriff der Niederlassung wird präzisiert: Auch die Gründung eines Unternehmens für einen festen Zeitraum oder das Mieten von zur Ausübung der Tätigkeit genutzten Räumen gilt als Niederlassung.
- Hinsichtlich der Genehmigungsverfahren werden in Artikel 14 zwei problematische "unzulässige Anforderungen" (wirtschaftliche Bedarfsprüfung und Beteiligung von Wettbewerbern an bestimmten Entscheidungen) gestrichen. Weiterhin werden in Artikel 15 zwei problematische "zu prüfende Anforderungen" gestrichen (mengenmäßige oder territoriale Beschränkungen für die Aufnahme einer Dienstleistungstätigkeit, Beachtung von festgelegten Mindest- oder Höchstpreisen).
- Das Herkunftslandprinzip wird gestrichen. Vorgeschlagen wird stattdessen das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung. Demnach darf ein Dienstleister, der eine Dienstleistung in einem Mitgliedstaat im Einklang mit dessen Gesetzgebung erbringt, die gleiche Dienstleistung in einem anderen Mitgliedstaat ungehindert anbieten.
- Das Zielland kann sich der Leistungerbringung durch im Ausland niedergelassene Dienstleister entgegensetzen, wenn dies durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt ist.
- Das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung findet keine Anwendung auf gesetzliche oder tarifvertragliche Vorschriften des Ziellandes im Bereich des Verbraucherschutzes, des Umweltschutzes oder des Arbeitsrechts, insbesondere nicht für die Entlohnung, die Arbeitsbedingungen sowie Sicherheits- und Gesundheitsmaßnahmen am Arbeitsplatz. Außerdem findet das Prinzip keine Anwendung auf das Schadensersatzrecht.
- Das Zielland ist für die Kontrolle der Dienstleistungserbringung zuständig.
- Damit die Länder einen Überblick über nicht niedergelassene ausländische Anbieter haben, wird eine Meldepflicht beim einheitlichen Ansprechpartner auch im Bereich des freien Dienstleistungsverkehrs vorgesehen.
- Die Regelungen zur Erstattung von Behandlungskosten im EU-Ausland und damit die Definition des Begriffs Krankenhausversorgung werden gestrichen.

Der Berichtsentwurf ist die Grundlage für die weiteren Beratungen im Ausschuss Binnenmarkt und Verbraucherschutz. Bis zum 10. Juni 2005 können Änderungsanträge eingebracht werden, die dann im Ausschuss beraten werden. Die Geschäftsstelle prüft derzeit den Berichtsentwurf auf möglichen Änderungsbedarf.