Nachfolgend informieren wir über aktuelle Entwicklungen der Gemeinschaftspolitik mit gesundheits- bzw. krankenhauspolitischer Relevanz sowie EU-Förderprogramme:

1          Europäische Gesundheitspolitik

1.1      EU-Gesundheitskommissar Byrne zur europäischen Gesundheitspolitik

Am Freitag, 03.10.2003, sprach EU-Gesundheitskommissar David Byrne im Plenum des European Health Forums Gastein (Österreich), einem der größten Kongresse zur europäischen Gesundheitspolitik. Der Kommissar konzentrierte seinen Vortrag auf die Frage, welchen Beitrag die Gesundheitsversorgung zum ökonomischen Wohlstand der EU-Mitgliedsstaaten leistet. Er wies dabei eingangs darauf hin, dass Gesundheit insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher und finanzieller Krisen vor allem als Last und Kostenfaktor gesehen werde. Man müsse die Finanzminister daher von der produktiven Bedeutung von Gesundheit für Beschäftigung, Innovation und wirtschaftlichem Wachstum überzeugen. Die Kommission wolle daher "Gesundheit" als weiteres, regelmäßig im Rahmen der Frühjahrsgipfel des Europäischen Rates zu analysierendes Thema aufnehmen: Dort sollten künftig neben ökonomischen und finanziellen auch gesundheitsbezogene Indikatoren betrachtet werden. Byrne kündigte außerdem eine neue Mitteilung der Kommission zur Gesundheitspolitik an, die Vorstellungen für einen "gesundheitsökonomischer Rahmen" der Europäische Union darstellen solle.

1.2      Einführung der europäischen Krankenversichertenkarte; Haltung von Bundesregierung und Bundesrat

Im Rahmen der rechtlichen und technischen Vorbereitung zur Einführung einer europäischen Krankenversichertenkarte hat die EU-Kommission unlängst einen Vorschlag zur Änderung der VO 1408/71 zur Anwendung der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, und der dazugehörenden Durchführungsverordnung 574/72 über die Durchführung der VO 1408/71 zwecks Angleichung der Ansprüche und Vereinfachung der Verfahren vorgelegt (KOM(2003) 378 endg., vgl. dazu
http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/pdf/2003/com2003_0378de01.pdf

Mit dem Änderungsvorschlag will die Kommission den Ersatz der Vordrucke erleichtern, die derzeit bei vorübergehendem Aufenthalt in einem anderen EU-Mitgliedstaat für die medizinische Versorgung erforderlich sind. Durch die geplante Einführung der EU-Krankenversichertenkarte zum 1. Juni 2004 soll außerdem eine Vereinfachung der Verfahren für die Versicherten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen im EU-Ausland erreicht werden. So soll durch die Änderung erreicht werden, dass die Ansprüche aller versicherten Gruppen bei vorübergehendem Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat als dem zuständigen Staat angeglichen werden, so dass alle Personen im Geltungsbereich der VO die Sachleistungen in Anspruch nehmen können, die sich bei Aufenthalt in einem anderen Mitgliedstaat als medizinisch notwendig erweisen. Insbesondere soll die Verpflichtung abgeschafft werden, zuerst die örtlichen Träger der sozialen Sicherheit einzuschalten, ehe man sich an einen Leistungserbringer wenden kann und somit die Leistungserbringer unmittelbar aufgesucht werden können. Außerdem soll die Verordnung auf den Stand der Technik in der Datenverarbeitung gebracht werden, da die europäische Krankenversichertenkarte langfristig zu einem in allen Mitgliedstaaten lesbaren elektronischen Datenträger werden soll.

Die Bundesregierung begrüßt den Vorschlag der Kommission grundsätzlich, zumal dieser "inhaltlich den bereits im Rahmen der generellen Reform der VO 1408/71 vom Ministerrat getroffenen Festlegungen" entspreche und das Verfahren bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen im EU-Ausland erheblich erleichtere. So soll die Europäische Krankenversicherungskarte in Deutschland im Rahmen von Testprogrammen ab Juni 2004 und flächendeckend ab Anfang 2006 zusammen mit der elektronischen Gesundheitskarte eingeführt werden. Die Bundesregierung betont jedoch, dass insbesondere darauf zu achten sei, dass für die verwaltungsmäßige Umsetzung des Vorschlags, insbesondere im Hinblick auf die erhöhte Verantwortung der Leistungserbringer (Ärzte und Kliniken) bei direkter Inanspruchnahme noch geeignete flankierende Regelungen (Missbrauchsvermeidung) getroffen werden müssten.

Der Bundesrat dagegen äußert in seiner Stellungnahme vom 30. September 2003 (BR-Drs. 482/1/03) erhebliche Bedenken, so u.a., dass Krankenversicherte aus der gesamten EU künftig uneingeschränkt Zugang zu allen Krankenversicherungssystemen der Mitgliedsstaaten haben sollen. Die Länderkammer betont insbesondere, der erleichterte Zugang zu den Krankenversicherungssystemen der Mitgliedstaaten führe zu einer verstärkten Inanspruchnahme der Kassenleistungen und zu einer finanziellen Mehrbelastung. Durch die Neufassung der VO würde beispielsweise Versicherten aus anderen Mitgliedstaaten beim Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland das "gesamte Leistungsspektrum des SGB V" zur Verfügung stehen. Insbesondere im Zuge der EU-Erweiterung könnten die deutschen Kassen verstärkt durch die Gewährung von Sachleistungsaushilfe an Versicherte dadurch belastet werden, dass eine Kostenerstattung durch die Träger der Versicherungsstaaten in den EU-Beitrittsländern nicht zu erreichen sei.

Ferner betont der Bundesrat, dass einem durch die Einführung einer europäischen Krankenversichertenkarte möglichen verstärkten Leistungsmissbrauch wirksam zu begegnen sei. "Gerade die Erfahrungen in anderen Ländern mit der Leistungsinanspruchnahme im Ausland beweisen, dass hier dem Betrug und der Korruption und dem Leistungsmissbrauch Tür und Tor geöffnet werden können". Weiter fordert der Bundesrat, zur Vermeidung einer unberechtigten Verwendung müsse der Leistungserbringer verpflichtet werden, sicher zu stellen, das die zu behandelnde Person der rechtmäßige Inhaber der Krankenversicherungskarte sei und die vorgenommene Überprüfung dokumentieren.

1.3      Rat der europäischen Wirtschafts- und Finanzminister zur offenen Methode der Koordinierung im Sozial- und Gesundheitswesen

Auf seiner Tagung am 6./7. Oktober in Luxemburg hat sich der Europäische Rat der Wirtschafts- und Finanzminister auch mit der von der EU-Kommission vorgesehenen Straffung der offenen Methode der Koordinierung im Sozial- und Gesundheitswesen befasst. Die Minister bekräftigten auf ihrer Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftspolitik (EPC) vom 27. Mai 2003. In Anbetracht der Bedeutung, die der langfristigen Solidität der öffentlichen Finanzen zukommt, wird in der Stellungnahme des EPC unterstrichen, dass eine enge Abstimmung zwischen dem Rat "Wirtschaft und Finanzen" und dem Rat "Beschäftigung, Sozialpolitik und Gesundheit" in allen Fragen wichtig sei, die die Renten und die Gesundheitsversorgung beträfen. In der Stellungnahme des EPC wird darauf hingewiesen, dass Straffungsmaßnahmen im Sozialschutzbereich darauf abzielen müssen, Überlappungen zwischen den Koordinierungsprozessen in den einzelnen Politikbereichen abzubauen und sowohl die Anzahl als auch die Länge der Berichte zu reduzieren, damit sich die Berichterstattungslast verringert. Auch sei es der sozialen Dimension der Lissabonner Strategie zuträglich, wenn soziale Faktoren besser in die laufenden Prozesse anderer Politikbereiche einbezogen würden. Außerdem sei es wichtig, die EU die Maßnahmen der Mitgliedsstaaten im Sozialschutzbereich auch in Zukunft unterstütze und ergänze. Dabei seien allerdings das Subsidiaritätsprinzip und die Vielfalt der nationalen Systeme zu beachten. Quelle: Rat.

1.4      Bundesrat nimmt Stellung zur Straffung der offenen Koordinierung

Der Bundesrat hat zum Teil erhebliche Einwände gegen die Vorschläge der EU-Kommission zur "Straffung der offenen Koordinierung im Bereich Sozialschutz" erhoben. Die dem Beschluss des Bundesrates zugrunde liegende Mitteilung der Kommission enthält Vorschläge für eine effektivere Koordinierung der Politiken der Mitgliedstaaten in diesem Bereich. Der Bundesrat begrüßt zwar die in der Mitteilung verfolgte Zielsetzung, die eigenständige Bedeutung der sozialen Dimension des Sozialschutzes gegenüber den wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Koordinierungen hervorzuheben. Betont wird jedoch, dass bei einer Straffung die Differenzierung der Koordinierungsdichte in den einzelnen Politikfeldern erhalten bleiben muss. Aus Gründen der unterschiedlichen Koordinierungskompetenz sei insbesondere eine Vereinheitlichung der beschäftigungs- und sozialpolitischen Koordinierung nicht angezeigt. Der Bundesrat hat ferner Zweifel, ob der Kommissionsvorschlag zu einer Verwaltungsvereinfachung für die Mitgliedstaaten führt. Für die Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Altenpflege lehnt die Länderkammer europäische Zielvorgaben oder Leitlinien ausdrücklich ab. Auch generell solle die Erstellung von Leitlinien, Indikatoren, Berichten, Bewertungen und Überwachungen sollte auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Der Schwerpunkt sollte beim Austausch von Informationen und der Ermittlung von Best-Practices-Beispielen liegen; die EU solle sich auf unverbindliche Vorschläge beschränken und sich "nicht in Detailfragen der nationalen Sozialpolitik einmischen". Quelle: BR-Drs. 420/1/03.

 

2          Daseinsvorsorge/Dienstleistungen von allgemeinem Interesse

2.1      Diskussion im Europäischen Parlament zum Grünbuch Daseinsvorsorge

Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments (EP)hat am 01. Oktober 2003 den Bericht des zuständigen Berichterstatters des EP zum Grünbuch zu den Dienstleistungen von allgemeinem Interesse (Daseinsvorsorge) diskutiert. Berichterstatter Philippe Herzog (Vereinigte Linke, Frankreich) stellte seinen Berichtsentwurf vor, der ursprünglich schon vor der Sommerpause behandelt werden sollte. Der kontrovers diskutierte Entwurf des Abg. Herzog ist im Internet unter www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/econ/20030930/499262DE.pdf zu finden.

In der Diskussion über das Grünbuch haben die beiden Schattenberichterstatter der EVP-ED-Fraktion Alexander Radwan (CSU) und Werner Langen (CDU) den Berichtsentwurf als "für die weiteren parlamentarischen Beratungen unbrauchbar" bezeichnet. Er weiche in vielen Punkten erheblich vom bisherigen Grundkonsens im Europäischen Parlament ab und stelle inakzeptable Forderungen auf, die nicht mit den geltenden Gemeinschaftsverträgen im Einklang stünden. Langen und Radwan forderten Herzog auf, seinen Berichtsentwurf grundlegend zu überarbeiten. Auch Redner der SPE und der Grünen übten scharfe Kritik an dem Berichtsentwurf des französischen Mitglieds der Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken. Auf keinen Falle dürfe es europäische Qualitätsstandards für Leistungen der Daseinsvorsorge geben, wie von Herzog fordert. Die Mitgliedstaaten müssten vor Ort die Daseinsvorsorge situationsgerecht definieren können, forderten die beiden EVP-Abgeordneten.

 

Die kommunale Selbstverwaltung dürfe nicht angetastet werden. Die Zuständigkeit müsse bei den Kommunen verbleiben, die Erbringung von Leistungen könne aber durchaus privat erfolgen. Grundlage seien das Subsidiaritätsprinzip und das europäische Wettbewerbsrecht, welches staatliche Beihilfen nur in begründeten Ausnahmefällen erlaube. Das Altmark-Trans-Urteil des EuGH vom Juli 2003 gebe klare Vorgaben. Die Kommission müsse nun präzise Vorschläge für einen Rechtsrahmen vorlegen und dort klare Kriterien für wirtschaftliche Tätigkeiten und die Beihilferelevanz definieren. Ziel der Diskussionen um die Daseinsvorsorge sei mehr Rechtssicherheit für die Mitgliedstaaten, Länder und Kommunen. Mittlerweile haben auch die Ausschüsse für Recht und Binnenmarkt sowie für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten ihre Berichte zum Grünbuch vorgelegt. Vgl. dazu http://www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/juri/20031006/507172DE.pdf und www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/empl/20031002/479981de.pdf (Quellen: Bank für Sozialwirtschaft, Pressemitteilungen von MdEP Radwan und Langen, EU-Parlament.) 

2.2      Stellungnahmen zum Grünbuch Daseinsvorsorge

Die EU-Kommission hatte mit der Veröffentlichung des Grünbuchs zu den Dienstleistungen von allgemeinem Interesse (Daseinsvorsorge) am 21. Mai 2003 ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Die Mitgliedsstaaten und betroffenen Akteuren wurden zunächst bis September 2003 die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Gefragt war insbesondere die Einschätzung bzgl. der wettbewerbsrechtlichen Behandlung der Leistungen von allgemeinem Interesse, des Umfangs und der Abgrenzung gemeinschaftlicher und nationalstaatlicher Kompetenzen sowie des möglichen Nutzens einer Rahmenrichtlinie auf europäischer Ebene.

Mittlerweile sind dem für den Konsultationsprozess zuständigen Generalsekretariat der Europäischen Kommission zahlreiche Stellungnahmen zugegangen. Auch verschiedene deutsche Verbände haben sich in dieser Frage zu Wort gemeldet, so u.a. die Bundesvereinigung der Kommunalen Spitzenverbände, die kirchlichen Wohlfahrtsverbände, die Arbeiterwohlfahrt, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge. Die Stellungnahmen sind im Internet über die folgende Webseite abrufbar: http://europa.eu.int/comm/secretariat_general/services_general_interest/comments/public_de.htm

 

3          Personal/Beschäftigung

3.1      EU-Förderprogramm zum Austausch von Arbeitskräften in Europa

"Leonardo da Vinci" ist ein Austauschprogramm zur Förderung der beruflichen Bildung in der EU, den Ländern des EWR und in den Beitrittsländern. Gefördert werden in diesem Rahmen u.a. Praktika nach der Ausbildung bis zur Dauer von neun Monaten. Dafür wird nach Antragstellung und -prüfung finanzielle Unterstützung gewährt. In Frage kommt dabei auch der Austausch von Krankenhausmitarbeitern zwischen Krankenhäusern unterschiedlicher europäischer Länder. Ein Leitfaden zu den Programminhalten, zu Fördermöglichkeiten und zur Antragstellung ist im Internet unter www.na-bibb.de/downloads/leonardo/broschuere_austauschundvermittlungsprojekte.pdf zu finden. Näheres zum Programm auch im Internet unter: www.na-bibb.de/leonardo sowie beim in Deutschland für das Programm zuständigen Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 53043 Bonn, Tel.: 0228/107-1608, Fax: 0228/107-2964, email: leonardo@bibb.de erhältlich

 

4          Qualitätssicherung

4.1      Bekämpfung des Handels mit menschlichen Organen und Geweben

Der Ausschuss des Europäischen Parlaments hat am 29. September 2003 über eine Initiative Griechenlands bzgl. der Annahme eines Rahmenbeschlusses des Europäischen Rats zur Verhütung und Bekämpfung des Handels mit menschlichen Organen und Geweben diskutiert. Der Vorschlag Griechenlands enthält gemeinsame Definitionen von Straftaten, die unter den Begriff "illegaler Handel mit menschlichen Organen" fallen sollten (Der Handel mit reproduktiven oder embryonischen Organen, Blut und Blutderivaten fällt allerdings nicht darunter). Es wird eine Mindesthaftstrafe von zehn Jahren für Straftaten festgelegt, die unter erschwerenden Umständen begangen werden, wie beispielsweise ihre Begehung gegen eine junge Person oder im Rahmen einer kriminellen Vereinigung. Schließlich wird durch den Vorschlag ein Element der Extraterritorialität eingeführt, indem Einzelpersonen, die versuchen, Organe von einem Staatsbürger eines Drittlands selbst außerhalb der EU zu erwerben, eine Straftat nach EU-Recht begehen würden.

Grundlage der Debatte im Parlament war der Bericht des zuständigen Berichterstatters, MdEP Owens, zu dieser Thematik (vgl. zum Berichtsentwurf www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/libe/20030929/497696de.pdf). Die Abgeordneten begrüßten die griechische Initiative, forderten aber noch einige Änderungen. So soll einerseits klargestellt werden, dass der legale Handel mit reproduktiven Organen und Geweben nicht verboten werden soll. Andererseits soll der darüber hinausgehende Handel (Menschelhandel zum Zweck der Entnahme von Organen, kommerzielle Vereinbarungen über menschliche Organe und Gewebe, Entnahme von Organen mit Gewalt, Zwang, oder Täuschung) auch für Gewebe, Blut und Blutderivate kriminalisiert werden. Vorgeschlagen wird zudem eine Änderung, die es den Spendern gestatten würde, eine Entschädigung für Verdienstausfall oder Reisekosten zu erhalten. Die Abgeordneten wollen zudem, dass die Bestimmung, nach der ein lebender Spender für den Verkauf oder das Angebot des Verkaufs eigener Organe strafrechtlich belangt werden kann, gestrichen wird. Schließlich wird die EU-Kommission aufgefordert zu prüfen, ob eine umfassende EU-Richtlinie zur Regelung der legalen Nutzung von Organen für Transplantationen zweckmäßig ist.

 

5          Arzneimittel

5.1      Europäisches Arzneimittelrecht: EU-Ministerrat Gesundheit zum weiteren Vorgehen

Auf ihrem informellen Treffen im September befassten sich die EU-Gesundheitsminister auch mit dem europäischen Arzneimittelrecht, insbesondere mit der Novellierung der EU-Arzneimittelgesetzgebung - Arzneimittel-Review und der Kommissionsmitteilung zu den Empfehlungen der G-10-Gruppe. Im Rahmen der Beratungen betonten die für die Arzneimittelpolitik zuständigen Kommissare Erkki Liikanen und David Byrne, dass Gesundheitsschutz und Wettbewerbsfähigkeit stärker zu verzahnen seien. Die Kommissionsmitteilung "Die pharmazeutische Industrie Europas zum Wohl der Patienten stärken", die auf die Empfehlungen der G-10-Gruppe beruhe, berücksichtige sowohl die Interessen der Patienten als auch der Arzneimittelindustrie. Preiswettbewerb könne auch für die Gesundheitssysteme vorteilhaft sein. Die Kommission wolle sich nicht in nationale Kostenerstattungsregelungen einmischen. Aber der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedsstaaten über die Bewertung des therapeutischen Nutzens neuer Arzneimittel könne helfen. Die Kommission schlage ein Benchmarking mit gesundheits-, sozialen und ökonomischen Indikatoren vor. Deutschland unterstützte im Rahmen der Diskussion die Überlegungen zum Benchmarking.

Die Minister sprachen sich für eine baldige Verabschiedung des Arzneimittelpaketes aus. Eine Einigung in zweiter Lesung soll zumindest noch vor der Neuwahl des Europäischen Parlaments erreicht werden. Deutschland erklärte, dass es die Ratskompromisse mitrage, nach wie vor jedoch massive Bedenken bezüglich der Rechtsgrundlage (Art. 308 EGV) habe. Die Vertreter der Beitrittsländer erneuerten ihren Widerstand insbesondere gegen den ihres Erachtens zu langen Unterlagenschutz. Nach dem Willen der Minister soll bereits der Gesundheitsministerrat (Anfang. Dezember 2003) eine politische Einigung erzielen.

Zwischenzeitlich ist der Gemeinsame Standpunkt zur Arzneimittel-Reform dem Europäischen Parlament zugeleitet worden, das seine Beratungen zur Zweiten Lesung am 8. Oktober 2003 aufgenommen hat. Bei einer Aussprache im Gesundheitsausschusses des Parlaments mit Kommissar Liikanen wurde bei allen Beteiligten der Wunsch erkennbar, das Rechtsetzungsverfahren baldmöglichst zum Abschluss zu bringen und dafür auch Kompromisse einzugehen, so dass ein Vermittlungsverfahren entfallen könnte. Die Berichterstatter im Europäischen Parlament, die französische Abgeordnete, Francoise Grossetete, und die deutsche Abgeordnete, Rosemarie Müller, sind bereits mit der Erarbeitung eines Berichts zur Zweiten Lesung befasst.

 

6          Internationales

6.1      Partnerschaften mit Marrokanischen Krankenhäusern

Die Marrokanisch-Deutsche Gesellschaft sucht deutsche Krankenhäuser, die Interesse an Partnerschaften mit marokkanischen Krankenhäusern des öffentlichen Gesundheitswesens haben. Zielsetzung der Partnerschaften soll es sein, die Krankenhausbetriebstechnik und das Management zu verbessern, den Erfahrungsaustausch zu Diagnosen und Therapien zu pflegen, gebrauchte medizintechnische Geräte auszutauschen und persönliche Kontakte zwischen Medizinern und Verwaltungspersonal zu fördern. Interessenten wenden sich direkt an: Marokkanisch-Deutsche Gesellschaft, Büro Deutschland, Marktstr. 283e, 44801 Bochum, Tel.: 0234/772 165.

 

7          Forschungsförderung im Gesundheitsbereich

7.1      Forschungsförderung zur Krebsbekämpfung

Anlässlich der diesjährigen Europäischen Woche gegen Krebs hat die EU-Kommission angekündigt, weitere Projekte zur Krebsforschung und -bekämpfung zu unterstützen. Sie will laut EU-Forschungskommissar Philippe Busquin dazu in den kommenden vier Jahren bis zu 400 Mio. € bereitstellen. Bisher wurden 19 viel versprechende Projekte ausgewählt, für die die Kommission 100 Mio. € zur Verfügung stellen will. Die Studien werden sich inhaltlich u.a. mit dem Zusammenhang zwischen Genomik und Krebserkrankungen, Radiotherapie und klinischen Versuchen zu Brustkrebs sowie Leukämie beschäftigen. Zusätzlich sollen sie dazu beitragen, Biobanken und Krebsregister einzurichten. Ergebnisse und Fortschritte in der Krebsforschung sollen helfen, effiziente Praktiken und Diagnosen bei Patienten mit Krebs im frühen Stadium anzuwenden. Damit soll nicht nur die Krebsforschung insgesamt vorangetrieben, sondern eine gemeinsame europäische Forschung gefördert werden. Mitte 2004 will die Kommission zwei weitere Aufrufe für die Einreichung von Projektvorschlägen veröffentlichen, die sich mit Themen wie vorklinischen Tests, neuen Therapien, Vererbung von Krebs, ungewöhnlichen Krebsformen, immunologischer Kontrolle von Tumoren u.a. befassen. Mehr Informationen dazu sind im Internet unter www.cordis.lu/lifescihealth/home.html zu finden.

7.2      Förderung durch die Deutsch-Britische Stiftung

Die Deutsch-Britische Stiftung für das Studium der Industriegesellschaft, 1973 von den Regierungen beider Länder gegründet, hat die Aufgabe, den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland zu fördern. Die Stiftung unterstützt in diesem Zusammenhang bilaterale Forschungsvorhaben, Seminare und Konferenzen. Ein Programmschwerpunkt der Förderung ist die Forschung zu den Gesundheitssystemen beider Länder. Ausführliche Informationen über Fördermittel und Antragsverfahren der Stiftung sind unter www.agf.org.uk zu finden.

 

8          Veröffentlichungen, Studien, Berichte

8.1      Vergleichende Studie über "Gesundheit als Wachstumsfaktor"

Beim Ständigen Ausschuss der Krankenhäuser in Europa (HOPE) ist eine Studie zum Thema "Gesundheit als Wachstumsfaktor. Eine vergleichende Analyse" erschienen. Die Autoren Reiner Buchegger und Klaus Stöger vom Institut für Pflege- und Gesundheitssystemforschung der Universität Linz gehen in ihrer Studie aus makroökonomischer Perspektive der Frage nach, welchen Beitrag das Gesundheitswesen zu einer gesunden Gesellschaft leistet. Sie untersuchen dabei Frankreich und Österreich vergleichend. Die Studie ist erhältlich über: HOPE, Bd. A. Reyers 207-209, BE-1030 Brüssel, Tel.: 00322-742-1320, Fax: 00322/742-1325, email: info@hope.be

8.2      Studie zum Health Impact Assessment in Europa

Die Regionalregierung von Wales hat unlängst den Bericht "Health Impact Assessment and Government Policymaking in European Countries. A Position Report” vorgelegt. Der Bericht fasst die Ergebnisse eines europaweiten Surveys über die Konsequenzen der Anwendung von Health Impact Assessment für das Regierungshandeln in verschiedenen Mitgliedsstaaten und Regionen der EU zusammen. Der Bericht ist erhältlich bei: Welsh Assembly Government, Public Health Strategy Division, Cathays Park, Cardiff CF10 3NQ.

8.3      Bericht über den Zusammenhang von Armut und Gesundheit

Das Europäische Netzwerk der Gesundheitsförderungsorganisationen hat unlängst einen Literaturübersicht über den Zusammenhang von Armut und Gesundheit vorgelegt. Die Übersicht "Health, Poverty and Social Inclusion in Europe. Literature Review on Concepts, Relations and Solutions” ist erhältlich über: EuroHealthNet, 6, Rue Philippe Le Bon, Brussels 1000, Belgium, Tel.: 0032-2-235 0320, Fax: 0032-2-235 0339, www.eurohealthnet.org

8.4      Vergleichender Bericht über die Gesundheitssysteme Großbritanniens und Deutschlands

Die Deutsch-Britische Stiftung für das Studium der Industriegesellschaft hat eine vergleichende Studie zu den Gesundheitssystemen Großbritanniens und Deutschlands veröffentlicht. Die 60 Seiten umfassende Studie "Health Care Systems: Britain and Germany Compared" wurde von Prof. Dr. Reinhard Busse verfasst und ist im Internet unter www.agf.org.uk/pubs/pdfs/1363Healthweb.pdf kostenlos erhältlich.

8.5      Bericht zur Situation der Familie im Gesundheitssystem in der EU

Das Europäische Observatorium zur sozialen Lage, Demographie und Familie in der EU hat im Juni 2003 in Tutzing eine Fachtagung zur Situation der Familie im Gesundheitssystem in der EU durchgeführt. Abstracts und Syntheseberichte der Tagung sind nun im Internet kostenlos erhältlich http://europa.eu.int/comm/employment_social/eoss/downloads/tutzing_abstracts_en.pdf
http://europa.eu.int/comm/employment_social/eoss/downloads/tutzing_synthese_roberts_en.pdf

8.6      Neue Übersicht über die sozialen Sicherungssysteme in der EU

Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung hat unlängst die Publikation "Sozialkompass Europa" neu aufgelegt. Das Buch stellt die Systeme der sozialen Sicherung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union einander vergleichend gegenüber. Anhand von Tabellen werden die Unterschiede und die Übereinstimmungen der jeweiligen nationalen Sicherungssysteme sichtbar. Behandelt werden alle Themenbereiche von der Arbeitslosigkeit, der Krankheit, dem Alter und den Familien bis zur Mitbestimmung. Die Übersicht ist im Internet kostenlos erhältlich (www.bmgs.bund.de/download/broschueren/A801.pdf)

  

9        Veranstaltungen, Kongresse, Seminare

  • Vom 6.-8. November 2003 findet in Wien eine Fachtagung zu den "Auswirkungen der Osterweiterung auf die Sozialwirtschaft in Deutschland und Österreich" statt. Veranstalter ist die deutsche Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/Sozialwirtschaft. Näheres zu Programm und Anmeldung im Internet unter www.bag-sozialmanagement.de/index.php?page_id=13
  • SPAN lang=EN-GB style="COLOR: windowtext">Vom 20.-22. November 2003 findet in Rom die 11th Annual EUPHA Conference unter dem Titel "Globalisation and Heath in Europe: Harmonising Public Health Practices” statt. Näheres dazu bei: Prof. Walter Ricciardi, Institute of Hygiene Università Cattolica del Sacro Cuore, Largo F. Vito 1 Rome - 00168 Italy, Tel.: 0039/635019534, Fax: 0039/635019535, e-mail: wricciardi@rm.unicatt.it
  • Vom 17.-19. März 2004 findet in Sevilla, Spanien, der 9. Kongress der European Association of Hospital Pharmacists statt. Näheres dazu bei: EAHP Congress Secretariat, Medicultura France S.A.R.L., Le Travez, BP 28, 81260 Brassac, Frankreich, Tel.: 0033/563-744-300, Fax: 0033/563-744-304, email: info@medicultura.com, Internet: www.medicultura.com
  • Vom 19.-22. April 2004 findet in Brighton, Großbritannien, der 10. International Congress on Public Health der unter dem Motto "Sustaining Public Health in a Changing World: Vision to Action” statt. Näheres dazu unter www.phaworldcongress.com
  • Vom 3.-6. Juni 2004 findet in Chalkidiki, Griechenland, der 2nd World Congress on Quality in Clinical Practice statt. Näheres dazu unter www.qol-congress.gr