1. Politik

1.1 EU-Kommission veröffentlicht Standpunkt zu Leistungen der Daseinsvorsorge

Auf Druck der Bundesländer und Kommunen hatte sich die Bundesregierung seit Anfang des Jahres dafür eingesetzt, dass die EU-Kommission ihre Leitlinien über die öffentlichen Dienstleistungen bzw. Leistungen zur Daseinsvorsorge überarbeiten solle. Das am 20. September unter Federführung von Kommissionspräsident Prodi vorgelegte Papier führt nun aus, unter welchen Voraussetzungen das EU-Wettbewerbs- und Subventionsrecht auf öffentliche Dienstleistungen Anwendung findet. Klargestellt wird dort, dass es in erster Linie Sache der Mitgliedstaaten ist, zu definieren, was sie als Leistungen der Daseinsvorsorge ansehen wollen. Die Kommission wird sich demnach auch nicht in die Frage einmischen, ob diese Dienstleistungen von öffentlichen oder privaten Unternehmen erbracht werden. Allerdings dürfen finanzielle Hilfen für solche Dienstleistungen nicht so hoch ausfallen, dass der Handel zwischen den EU-Staaten unnötig verzerrt wird. Alle nicht-wirtschaftlichen Aktivitäten wie z.B. Hoheitsaufgaben sind auf keinen Fall von der europäischen Beihilfenkontrolle betroffen. Auch das Bildungswesen und die Sozialversicherungen fallen nicht unter die Binnenmarkt- und Wettbewerbsregeln. Ähnliches gilt für Wohlfahrtsverbände und andere Einrichtungen, die nicht in erster Linie wirtschaftliche Zwecke verfolgen. Sobald solche Organisationen sich jedoch wirtschaftlich betätigen, kommen die Grundsätze zur Anwendung, die die Kommission in ihrem Papier formuliert hat. Für Aktivitäten, die örtlich begrenzt sind und keine grenzüberschreitende Wirkung haben, findet das EU-Wettbewerbsrecht ebenfalls keine Anwendung.

1.2 Entwurf der EU-Grundrechtscharta; Artikel zum Gesundheitsschutz

Der Konvent zur Ausarbeitung einer EU-Grundrechtscharta hat am 2. Oktober den endgültigen Entwurf verabschiedet und diesen an den EU-Ratspräsidenten Jacques Chirac übersandt. Die Charta enthält 54 Artikel, unter anderem über die Würde, Freiheit, Gleichheit und Solidarität der EU-Bürger. Artikel 34 des Entwurfs beinhaltet Aussagen zum Gesundheitsschutz. Der Artikel im Wortlaut: "Jede Person hat das Recht auf Zugang zur Gesundheitsvorsorge und auf ärztliche Versorgung nach Maßgabe der einzelstaatlichen Rechtsvorschriften und Gepflogenheiten. Bei der Festlegung und Durchführung aller Politiken und Maßnahmen der Union wird ein hohes Gesundheitsschutzniveau sichergestellt." Die Charta soll von den EU-Staats- und Regierungschefs auf dem Dezember-Gipfel in Nizza verabschiedet werden. Dort wird auch über den Grad der Rechtsverbindlichkeit des Dokuments entschieden. Näheres dazu im Internet unter http://db.consilium.eu.int/df/default.asp?lang=de.

1.3 EU-Aktionsprogramm zur öffentlichen Gesundheit

Der Kommissionsentwurf des EU-Aktionsprogramms zur öffentlichen Gesundheit (vgl. DKG-Rundschreiben 218 vom 24.8.2000) befindet sich zur Zeit im Entscheidungsprozess zwischen Parlament und Ministerrat. Noch im September hat sich der zuständige Parlamentsausschuss erstmals damit befasst. Für den Dezember ist ein Votum im Plenum geplant. Danach wird der Entwurf dem Ministerrat zugestellt. Einige Länder - Schweden, Dänemark, Großbritannien - haben mittlerweile Einwände gegen die Ausweitung von EU-Aktivitäten in der Gesundheitspolitik geäußert. Ähnliches gilt für den Deutschen Bundesrat (vgl. Punkte 1.4 und 1.5). Angesichts der sich abzeichnenden schwierigen Diskussion wird die endgültige Annahme des Programms nicht vor Ende 2001 erwartet.

1.4 EU-Aktionsprogramm; hier: Position des Bundesrates

Der Bundesrat hat das EU-Aktionsprogramm am 29.9.2000 beraten. In einer ausführlichen Stellungnahme hat er das Programm zwar grundsätzlich begrüßt, gleichzeitig jedoch betont, dass die Aktivitäten der Kommission nicht dazu führen dürften, "dass Maßnahmen in der ausschließlichen Kompetenz der Mitgliedstaaten durch Programme der Gemeinschaft entscheidend beeinflusst werden". Die im Aktionsprogramm vorgesehenen Gesundheitsindikatoren dürften nur im Weg der Kooperation und Vereinbarung festgelegt werden. Insbesondere käme der Gemeinschaft keine Kompetenz zur Beurteilung des Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten zu. Folgerungen, die sich aus vergleichenden Informationen ergeben, seien ausschließlich Sache der Mitgliedsstaaten; sie dürften nicht durch Programme der Gemeinschaft vorweggenommen werden. Betont wird zudem, dass die Mitgliedsstaaten für das Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung zuständig seien. Außerdem sei sicherzustellen, dass den Mitgliedsstaaten vorbehaltene Entscheidungen über die Organisation und Finanzierung ihrer Gesundheitsversorgungssysteme nicht präjudiziert würden.

1.5 Großbritannien gegen zunehmenden EU-Einfluss im Gesundheitswesen

Die britische Regierung hat sich gegen den Ausbau der EU-Kompetenzen in der Gesundheitspolitik ausgesprochen. Für den Einfluss der EU auf die nationalen Gesundheitssysteme müsse es "klare Grenzen" geben, erklärte die parlamentarische Staatssekretärin im britischen Gesundheitsministerium Stuart am 10. September in Berlin. So seien z.B. die Organisation der Gesundheitsfürsorge, nationale Standards und Fragen der Qualitätssicherung eindeutig Angelegenheiten der Mitgliedstaaten. Stuart reagierte damit auf Bestrebungen der Kommission, im Rahmen des neuen Aktionsprogramms "Öffentliche Gesundheit" die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten auf Effektivität und Leistung zu untersuchen sowie Instrumente zur Evaluierung und "Best-Practice"-Vorschläge zu entwickeln. Fragen der Gesundheitsfürsorge dürften zudem nicht der Rechtsprechung der Gemeinschaft ausgesetzt werden. Stuart bezog sich dabei auf die beim Europäischen Gerichtshof anhängigen Verfahren zur grenzüberschreitenden Krankenhausversorgung. Quelle: Berliner Zeitung, 11.9.2000.

1.6 Urteil des EuGH zur Preisdiskriminierung bei Krankenhausbehandlung

Am 3. Oktober 2000 hat der EuGH in der Rechtssache C-411/98 (Fall Ferlini) sein Urteil gefällt. Dort geht es um den Fall einer Preisdiskriminierung von Beamten der EU bei der Behandlung in Luxemburger Krankenhäusern. Diesen wurden dort bei gleichen Behandlungen deutlich höhere Beträge in Rechnung gestellt als Luxemburger Bürgern. Der Gerichtshof hat dies als Fall von Preisdiskriminierung und damit als Verstoß gegen Artikel 12 Abs. 1 EG eingestuft. Die Urteilsbegründung ist bei Eingabe des Aktenzeichens C-411/98 über http://curia.eu.int/jurisp/cgi-bin/form.pl?lang=de im Internet abrufbar.

1.7 Entschließung der Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen zur "Gesundheitspolitik in Europa"

Die 9. Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen hat am 1. September 2000 eine umfangreiche Entschließung zu Fragen der europäischen Gesundheitspolitik und zur Rolle der Euregios in diesem Politikbereich verabschiedet. Die Mitglieder der Konferenz haben sich u.a. dafür ausgesprochen, eine europäische Gesundheitsberichterstattung auf- und informationstechnologische Gesundheitsnetzwerke in Europa auszubauen. Dadurch sollen gegenseitige Informationen und Vergleiche von Leistungen, Qualität und Kosten der Gesundheitsversorgung gefördert werden. Außerdem wird in der Entschließung der Abbau von Hemmnissen einer grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung gefordert. Weitere entsprechende Impulse sollen demnach insbesondere durch die Euregios gesetzt werden. Neben dem Forderungskatalog enthält der Text einen Erläuterungsteil, der einen guten Überblick über allgemeine Fragen europäischer Gesundheitspolitik, die Rechtslage im Falle grenzüberschreitender Leistungsinanspruchnahme sowie über die gesundheitspolitischen Aktivitäten der Euregios gibt. Der ausführliche Text der Entschließung der 9. Landesgesundheitskonferenz "Gesundheitspolitik in Europa - Entwicklungen, Chancen, Perspektiven aus der Sicht des Landes Nordrhein-Westfalen" ist beim nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium (Tel.: 0211/855-3107 oder -3108) erhältlich.

1.8 Zwischenberichte zum Stand der Umsetzung der bisherigen EU-Aktions-programme im Bereich der öffentlichen Gesundheit

Die Kommission hat Zwischenberichte über den Stand der Umsetzung ihrer bisherigen Aktionsprogramme im Bereich der öffentlichen Gesundheit veröffentlicht. Erhältlich sind bisher Berichte zu den Programmen "Krebsbekämpfung", AIDS und andere übertragbare Krankheiten, Drogenprävention und Gesundheitsförderung. Die Berichte stehen unter: http://europa.eu.int/comm/health/ph/programmes/index_rep.html im Internet.

 

2. Qualitätssicherung

2.1 Europäische Leitlinien zur Qualitätssicherung in der Computertomographie

Die Kommission hat die von einer Arbeitsgruppe aus Radiologen und Physikern vorgelegten "European Guidelines on Quality Criteria for Computed Tomography" veröffentlicht. Der englischsprachige Bericht umfasst knapp 100 Seiten und ist unter der Bestellnummer EUR 16262 kostenlos erhältlich beim Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg 2000, http://eur-op.eu.int/general/de/index.htm (ISBN 92-828-7478-8).

2.2 Mehrsprachiges Glossar von Begriffen zur Qualitätssicherung und zum Strahlenschutz in der diagnostischen Radiologie

Ein mehrsprachiges Glossar von Begriffen im Zusammenhang mit Qualitätssicherung und Strahlenschutz in der diagnostischen Radiologie (260 Begriffe und Definitionen in spanischer, deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache) ist beim Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg 2000, http://eur-op.eu.int/general/de/index.htm erhältlich (Bestellnummer CG-NA-17-538-EN-C, 332 Seiten, Kosten: 43 Euro). Es ist außerdem im Internet kostenlos benutzbar unter: http://eurodic.ip.lu

2.3 HOPE-Broschüre zur Qualitätssicherung in Krankenhäusern

Der Ständige Ausschuss der Krankenhäuser in der Europäischen Union (HOPE) hat einen Bericht über "The Quality of Health Care/Hospital Activities" publiziert. Der Bericht ist von einer Arbeitsgruppe des Subcommittees "Co-ordination" erarbeitet worden und stellt auf übersichtliche Weise die verschiedenen Konzepte der Qualitätssicherung dar. Der Bericht ist erhältlich bei: Ständiger Ausschuss der Krankenhäuser in der Europäischen Union (HOPE), Kapucijnervoer 35, B-3000 Leuven, Belgien, Tel. 0032/1633 6902, Fax: 0032/1633 6906.

 

3. Arbeitsschutz

3.1 Angebote der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

Im Internet werden seit kurzem auf einer Webseite der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz Links zu einer Reihe von EU-Gemeinschaftsrichtlinien bereitgestellt. Zudem finden sich dort Informationen zu den einschlägigen europäischen Normen und Leitlinien zur Arbeitssicherheit (http://europe.osha.eu.int/legislation). Abrufbar sind außerdem statistische Informationen und Übersichten über die rechtlichen Regelungen des Arbeitsschutzes in den Mitgliedsländern der EU (http://de.osha.eu.int/statistics). Veröffentlicht ist außerdem ein Bericht über den Stand des Arbeitsschutzes in den EU-Mitgliedsländern. Auch detaillierte Berichte über einzelne Länder stehen dort zum Download bereit (http://agency.osha.eu.int/publications/reports/stateofosh).

3.2 EU-Empfehlungen zur Arbeit im Strahlenschutz

Die Kommission hat unverbindliche Leitlinien zur Arbeit mit ionisierender Strahlung im Internet veröffentlicht ("Guidelines on Education and Training in Radiation Protection for Medical Exposures"). Enthalten sind insbesondere Hintergrundinformationen und Empfehlungen über die erforderlichen Qualifikationen und empfohlene Weiterbildungsmaßnahmen bei der Arbeit im Strahlenschutz. Die Studie ist kostenlos als pdf-Datei erhältlich (http://europa.eu.int/comm/environment/radprot/116/rp-116-en.pdf).

 

4. Personal/Beschäftigte

4.1 Änderung der EU-Richtlinien über die gegenseitige Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise im Gesundheitswesen

Zum entsprechenden Entwurf der Kommission hatte das EU-Parlament Anfang Juli in zweiter Lesung u.a. gefordert, eine Verbesserung der Anerkennung von in Drittstaaten erworbenen Befähigungsnachweisen, Prüfungszeugnissen und Diplomen zu erwägen. Die Kommission wurde deshalb aufgefordert, sektor- bzw. berufsgruppenbezogene Studien zu dieser Thematik zu erarbeiten und den Erkenntnissen entsprechende Legislativvorschläge vorzulegen. Zudem sollte die Fortbildung für Allgemeinmediziner zur Pflicht gemacht werden. Gefordert wurde auch die Einführung einer neuen Ausbildungsanforderung für Fachärzte, nämlich das Vorhandensein "angemessener Kenntnisse in der Allgemeinmedizin". Außerdem forderte das Parlament eine Verbesserung der Qualifikationen der Allgemeinmediziner durch Anhebung der notwendigen Mindestdauer der "spezifischen Ausbildung in der Allgemeinmedizin" von zwei auf drei Jahre. Diese Vorschläge hat die Kommission abgelehnt. Begründet wurde die Ablehnung insbesondere mit dem Hinweis, dass es bei der Erleichterung der Freizügigkeit lediglich darum gehe, eine ausreichende Mindestkoordinierung der Ausbildungsvoraussetzungen für bestimmte Berufe vorzunehmen. Eine Erweiterung der Mindestkoordinierung der Berufsausbildung über das notwendige Maß hinaus stehe im Widerspruch zum EU-Vertrag und zum Zweck der Richtlinien über "Freizügigkeit und Anerkennung der Diplome". Quelle: (KOM (2000) 527 endg. vom 21.8.2000. Internet: http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/pdf/2000/de_500PC0527.pdf

4.2 EuGH: Anerkennung von Arzt-Diplomen aus Drittstaaten in der EU

Am 14.9.2000 hat der Europäische Gerichtshof in zwei Urteilen das Recht von Ärzten auf Freizügigkeit in der EU ergänzt. Der EuGH hat im einen Fall entschieden, dass die EU-Staaten bei der Zulassung von Gemeinschaftsangehörigen zum Arztberuf auch Diplome berücksichtigen müssen, die diese in Drittstaaten erworben haben, wenn die Diplome die gleichen Fachkenntnisse belegen, die nach nationalem Recht für die Zulassung vorgeschrieben sind (C-238/98). Im zweiten Fall urteilten die Richter, dass Fachärzte, die in ein anderes EU-Land wechseln, nicht unbedingt eine andere, dort übliche Facharztbezeichnung annehmen können, dass die zuständigen Behörden aber im Einzelfall diese andere Berufsbezeichnung genehmigen können (C-16/99). Nähere Informationen zu den beiden Urteilen im Internet unter http://curia.eu.int/de/cp/aff/cp0059de.htm.

4.3 EU-Arbeitszeitrichtlinie; Ärzte in der Ausbildung

Die novellierte EU-Arbeitszeitrichtlinie (vgl. DKG-Brüssel-Info vom April, Rundschreiben 104 vom 12.4.2000) erfasst nun auch die Ärzte in Ausbildung. Der Text der Richtlinie ist jetzt im Amtsblatt der EU veröffentlicht (Ausgabe L 195 vom 1. August 2000, S. 41-45). Er kann über das Internet kostenlos bezogen werden. Website: http://europa.eu.int/eur-lex/de/dat/2000/l_195/l_19520000801de00410045.pdf.

4.4 EU-Projekt zur Weiterbildung für Krankenpflegekräfte im Bereich Public Health

Der Ständige Ausschuss der Krankenschwestern und -pfleger in der EU (PCN, Permanent Committee of Nurses of the EU) entwickelt im Rahmen eines EU-Projektes eine Weiterbildung für Pflegende im Bereich Public Health. Dazu hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) e.V. eine nationale Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die an dem Projekt mit- und einen länderspezifischen Teil ausarbeitet. Das Projekt wird voraussichtlich Ende 2000 fertiggestellt. Ab 2001 sollen Pilotprojekte mit der Durchführung der Weiterbildung gestartet werden. Nähere Informationen dazu sind erhältlich bei: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, Hauptstr. 392, D-65760 Eschborn, Telefon: 06173/604-3, Fax: 06173/604499, e-mail: DBfKBundesverband@compuserve.com, Internet: http://www.dbfk.de

4.5 Übersicht über die Pflegeausbildung in Europa

Im Verlag Hans Huber ist eine Übersicht über die Organisation der Krankenpflegeausbildungen in Europa erschienen Für jedes Land der EU werden die Ausbildungsberufe und Ausbildungsgänge in der Pflege sowie die Regelungen für die Lehrerausbildung dargestellt. Behandelt werden Qualifikationsniveau, Ziele, Inhalte und Organisation der Ausbildung. Titel: Beate Rennen-Allhoff, Inge Bergmann-Tyacke (Hrsg.): Ausbildungsstandards in den EU-Mitgliedsstaaten, Bern 2000: Hans Huber. 89 Seiten, 6 Tab., DM 39.80, ISBN 3-456-83377-6.

 

5. Förderprogramme

5.1 EU-Aktionsplan zur Krebsbekämpfung; Verlängerung bis 2002

Das Bundesgesundheitsministerium macht anlässlich der Europäischen Woche der Krebsbekämpfung darauf aufmerksam, dass das EU-Aktionsprogramm zur Krebsbekämpfung, das ursprünglich bis Ende des Jahres befristet war, aller Voraussicht nach bis Ende 2002 verlängert wird. An den inhaltlichen Schwerpunkten wird sich vermutlich nichts ändern. Potentielle Antragsteller sind aufgefordert, dies zu berücksichtigen, um nach einem entsprechenden Beschluss von Kommission und Europäischem Parlament schnell reagieren zu können. Näheres zu den Inhalten des Programms: http://europa.eu.int/comm/health/ph/programmes/cancer/index_en.htm.

5.2 EU-Maßnahmen gegen Alzheimer-Krankheit

Die EU-Kommission hat Einzelheiten ihres Plans bekannt gegeben, mit dem sie die Kosten für Gesellschaft und Wirtschaft der Alzheimerschen Krankheit zu senken gedenkt. Aus Anlass des weltweiten Alzheimer-Tages am 21. September hat die Kommission sechs Forschungsprojekte vorgestellt, die für drei Jahre Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro erhalten. Die Projekte werden im laufenden Jahr als Teil des Programms "Lebensqualität und Management lebender Ressourcen" unter dem Fünften Forschungsrahmenprogramm finanziert. Fünf Studien beschäftigen sich mit verschiedenen Gesichtspunkten des Prozesses, der zu den charakteristischen Veränderungen von Gehirnzellen bei einer Alzheimer-Erkrankung führt. Bei zwei Projekten besteht eine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie, von der man sich erhofft, dass sie neue Strategien zur Behandlung dieser Krankheit aufzeigt und testen wird. Das sechste Projekt soll bessere Methoden zur Diagnose der Alzheimerschen Krankheit in ihrem Frühstadium aufzeigen. Nähere Informationen bei: Philippe Jehenson, Quality of Life programme, Research DG, Fax: 00322/2955365, e-mail: philippe.jehenson@cec.eu.int oder Michel Claessens, Communication Unit, Research DG, Fax: 00322/2958220, e-mail: michel.claessens@cec.eu.int.

5.3 Ausschreibung im Rahmen des Programms zur Förderung der Gesundheitsberichterstattung

Im Rahmen des Programms zur Förderung der Gesundheitsberichterstattung fordert die EU-Kommission erneut zur Einreichung von Projektvorschlägen auf, die für die Errichtung eines europäischen Gesundheitsberichterstattungssystems wichtig sind (Amtsblatt C 229 vom 10.8.2000, S. 7-8). Antragsberechtigt sind öffentliche und private gemeinnützige Einrichtungen. An den Projekten sollen mindestens drei Mitgliedstaaten teilnehmen. Die Frist zur Einreichung von Vorschlägen endet am 15. November 2000. Nähere Informationen bei: EU-Kommission, GD SANCO/G/3, Gebäude Jean Monnet, Büro EUFO 3191, Plateau du Kirchberg, L-2920 Luxemburg, Telefax: 00352/43 01-32 059, Internet: http://europa.eu.int/comm/health/index_en.html.

 

6. Berichte, Studien, Daten

6.1 Preis der Bertelsmann-Stiftung für Reformen im Gesundheitswesen; international vergleichende Studie

Am 6. September 2000 hat die Bertelsmann-Stiftung ihren diesjährigen Preis für "vorbildliche Leistungen im Gesundheitswesen" auf Basis eines internationalen Vergleichs von Gesundheitssystemen vergeben. Preisträger war zum einen das Eidgenössische Departement des Innern für die Einführung eines neuen Krankenversicherungsgesetzes. Aus Sicht der Jury hat die Schweiz Wettbewerb und solidarische Prinzipien in Einklang bringen können. So sei es damit zu einem Wettbewerb unter Ärzten und Krankenkassen mit dem Resultat einer vorbildlichen Integration von ambulantem und stationärem Sektor gekommen. Die Reform habe außerdem zu mehr Serviceverhalten, einem Dienstleistungsverständnis bei Medizinern und Kassen sowie zu einem differenzierteren Leistungsangebot geführt. Der Wettbewerb sei dennoch sozialverträglich gestaltet und verhindere so negative Effekte für die Patienten.

Die andere Preisträgerin ist die niederländische Vereinigung der Hausärzte. Dort sei es gelungen, in der Basisversorgung der Bevölkerung eine herausragende medizinische Qualitätssicherung mit hoher Effizienz zu entwickeln. Die Primärärzte hätten die Funktion des Gatekeepers für das gesamte Gesundheitssystem. Die dafür notwendige Kompetenz werde durch eine hervorragende Aus- und Fortbildung sowie einen alle fünf Jahre stattfindenden "Ärzte-TÜV" gesichert. Behandlungsleitlinien, die auch als Informationsbroschüren für Patienten dienten, führten dazu, dass die Primärärzte auch wissenschaftlich immer auf dem neuesten Stand seien. Vom deutschen Gesundheitswesen wurde im Rahmen des Festaktes zur Preisverleihung ein kritisches Bild gezeichnet. Bei den Leistungen hinke Deutschland zurück, während es bei den Kosten eine Spitzenposition einnehme. Kritisiert wurden zudem mangelnder Wettbewerb und angebliche Ineffizienz. Weitere Informationen dazu, auch zum Gesundheitswesen der Schweiz und über die niederländische Gesundheitsversorgung unter http://preis.stiftung.bertelsmann.de.

Grundlage der Verleihung des Carl-Bertelsmann-Preises war eine international vergleichende Studie der Prognos AG (Basel). Untersucht wurden in der Studie die Gesundheitssysteme Dänemarks, Deutschlands, Finnlands, Großbritanniens, Kanadas, der Niederlande, der Schweiz und der USA. Die Untersuchung konzentrierte sich auf die Themenfelder Versorgungssicherheit, Steuerungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit, Versorgungsqualität und Nachhaltigkeit. Die Studie ist über die Bertelsmann-Stiftung zu beziehen (Böcken, Jan u.a. (Hrsg.): Reformen im Gesundheitswesen. Ergebnisse der internationalen Recherche, 2000, ISBN 3-89204-515-1, 190 Seiten, 29 DM). Bestellung: http://www.bertelsmann-stiftung.de/publika/neuersch/index.htm.

6.2 Bericht des EU-Parlaments über die Gesundheitssysteme der Mitgliedsstaaten

Die Generaldirektion Wissenschaft des Europäischen Parlaments hat einen vergleichenden Bericht über die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedsstaaten verfassen lassen. In dem 166-seitigen Bericht werden die wesentlichen Fakten zu dem Gesundheitszustand und der Gesundheitsversorgung in den 15 EU-Mitgliedstaaten dargestellt. Er enthält außerdem für die einzelnen Mitgliedsstaaten detaillierte Länderberichte und ein Glossar mit kurzen Definitionen von Fachausdrücken. Der Bericht ist über das Internet (http://www.europarl.eu.int/dg4/WKDOCS/SACO/pdf/de/101de.pdf) in deutscher Sprache kostenlos erhältlich. Auch eine Version in englischer Sprache liegt vor (http://www.europarl.eu.int/dg4/WKDOCS/SACO/EN/default.htm).

6.3 Bericht über die Auswirkungen von Marktkräften auf die Gesundheitssysteme in den EU-Mitgliedsstaaten

Die European Health Management Association (EHMA) hat im Auftrag der Kommission eine vergleichende Studie über "Auswirkungen von Marktkräften auf die Gesundheitssysteme in den EU-Mitgliedstaaten" erarbeitet, die auch in deutscher Sprache veröffentlicht wurde. Sie ist erhältlich bei: EHMA, Vergemount Hall, Clonskeagh, Dublin 6, Ireland, Tel.: 00353-1-283 9299, Fax: 00353-1-283 8653.

6.4 Statistisches Amt der EU: Eckzahlen für den Bereich Gesundheit 2000

Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften mit Sitz in Luxemburg, hat die erste Ausgabe der "Eckzahlen für den Bereich Gesundheit" veröffentlicht. Der Überblick über den Bereich Gesundheit in der EU umfaßt alle 15 Mitgliedstaaten sowie Island, Norwegen und die Schweiz. Soweit möglich wurden Zahlen ab 1960 verwendet. Der Bericht ist in sechs Kapitel untergliedert: Das erste enthält Zahlen zur Bevölkerungsstruktur; das zweite befaßt sich mit Fragen der Lebensweise, wie z.B. Ernährung, Tabak- und Drogenkonsum, Aids-Risiko. Im dritten Kapitel werden die Gesundheitsrisiken beschrieben, die mit Umwelt, Arbeit, Freizeit und Verkehr verbunden sind. Das vierte Kapitel spiegelt den Gesundheitszustand der EU-Bevölkerung wider (Selbsteinschätzung, Behinderungen, Morbidität). Das fünfte Kapitel gibt einen ausführlichen Überblick über die Mortalität und im sechsten und letzten Kapitel sind die einzelnen Systeme der Gesundheitsfürsorge beschrieben. Titel: Eurostat: "Eckzahlen für den Bereich Gesundheit 2000", Luxemburg, 300 S., ISBN 92-828-2991-X, Preis: 29,50 DM

6.5 Übersicht über die Europäische Sozialpolitik 1999/2000

Die Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung hat eine Übersicht zur europäischen Sozialpolitik 1999/2000 (Europäische Sozialpolitik - Einblicke 1999/2000) veröffentlicht. Die Publikation beinhaltet u.a. Informationen zu den jüngsten Entwicklungen der Sozialpolitik auf europäischer Ebene, zum EU-Aktionsprogramm Gesundheit und zur jüngsten Rechtsprechung des EuGH im Sozial- und Gesundheitsbereich. Die Veröffentlichung ist kostenlos erhältlich bei der Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung, Maison Europénne des la Protection Sociale (MEPS), Rue d´Arlon 50, B-1000 Brüssel, Belgien, Tel.: 00322 / 230 75 22, Fax: 00322 / 230 77 73, E-Mail: dsv@esip.org.

 

7. Verschiedenes

7.1 Kongresse, Tagungen, Veranstaltungen

Vom 16.-20 Oktober 2000 findet in Veldhoven bei Eindhoven in den Niederlanden die XVth International Conference on the Social Sciences and Medicine statt. Angeboten werden Workshops z.B. über Evidence-Based Medicine and Treatment Guidelines, Comparative Medical Care Systems, Ethics of Research: Responsibility or Exploitation?, Social, Ethical and Health Service Implications of the New Genetics. Näheres zur Konferenz bei Tracy Collier, Elsevier Science Ltd, The Boulevard, Langford Lane, Kidlington, Oxon OX5 1GB, UK, Tel. 0044/1865 843297, Fax: 0044/1865 843958, http://www.elsevier.nl/homepage/sag/ssmconf/menu.htm, e-mail: t.collier@elsevier.co.uk.

Vom 18.-19. Oktober 2000 findet in Amsterdam die Konferenz "eHealthcareWorld Global eHealth: Changing the Rules, Opening the Borders. How will ehealth evolve in Europe?" statt. Mehr als 50 Referenten beschäftigen sich dort u.a. mit Fragen des Datenschutzes, Rechtsfragen, dem Einfluss des Internets auf die medizinische Praxis und auf die Organisation der Gesundheitsdienste sowie mit der Thematik grenzüberschreitender Gesundheitsinformationen. Vorgestellt wird außerdem die Perspektive der EU-Kommission im Bereich von E-Health. Näheres unter http://www.ehealthcareworld.com/events/amsterdam_2000/default.asp(7.8.2001: Link no longer available).

Vom 23.-24. November 2000 findet in Estoril, Portugal, der von HOPE und dem portugiesischen Gesundheitsministerium gemeinsam veranstaltete Kongress "From Hospital to Community: Mental Health Care in Europe" statt. Neben verschiedenen Workshops u.a. zu den Themen "Psychosoziale Rehabilitation", "Versorgung psychosozial erkrankter älterer Menschen" und Rolle und Verantwortung der Krankenhäuer in der psychosozialen Versorgung" wird die Situation der psychosozialen Versorgung verschiedener EU-Länder dargestellt. Nähere Informationen zum Tagungsprogramm und zu den Anmelderegularien sind bei der DKG-Geschäftsstelle oder direkt bei: Seminario do Hospital a Comunidade, Cabinete de Coordenacao HOPE - Portugal, Av. Alvares Cabral, 25, 1250-015 Lissabon, Portugal, Tel.: 00351/21 382 46 16, Fax: 00351/21 382 46 19, e-mail: hopemail@hope.min-saude.pt erhältlich.

Vom 23.-26. November 2000 findet in Brüssel der 5th World Congress on the Internet in Medicine "MEDNET 2000" statt. Nähere Informationen im Internet unter http://www.mdf.be/mednet2000/index2.htm, e-mail (mednet2000@mdf.be) oder von Geert Thienpont, c/o Dept of Medical Informatics, University Hospital Gent (5K3), De Pintelaan 185, B 9000 Gent, Belgium, Tel.: 0032/92404067, Fax: 0032/92403439, e-mail: geert.thienpont@ramit.be.