1          Europäische Gesundheitspolitik

1.1      Stand der Reform der europäischen Gesundheitspolitik

Während der Ratssitzung am 26. Juni 2002 hatten sich die EU-Gesundheitsminister darauf verständigt, ein politisch besetztes Hochrangiges Beratergremium zu Fragen der Reform der europäischen Gesundheitspolitik einzurichten. Zwischenzeitlich hat die Kommission die EU-Gesundheitsminister über die vorgesehenen Arbeitsthemen unterrichtet und um die Benennung von Mitgliedern der Arbeitsgruppe gebeten. Das Gremium soll sich bereits Ende September konstituieren und insbesondere Vorschläge zu folgenden Themenbereichen erarbeiten:

·       Europäische grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

·       Kooperation im Gesundheitsbereich betreffend eine verbesserte Nutzung von 
        Ressourcen (= Abbau von Wartelisten)

·       Fragen der Information von Patienten und Qualitätssicherung

·       Vereinbarkeit der nationalen Gesundheitspolitiken mit europäischen Verpflichtungen.

Das Gremium soll bis Juli 2003 einen Empfehlungskatalog sowie einen Abschlußbericht vorlegen. Die Arbeitsgruppe soll in ähnlicher Weise wie die von der Kommission eingesetzte sogenannte G-10-Gruppe zur EU-Arzneimittelpolitik arbeiten, also Empfehlungen vorlegen, die dann in legislative Vorhaben einfließen können. Der voraussichtliche Teilnehmerkreis setzt sich wie folgt zusammen:

·       Kommissar David Byrne (Gesundheit und Verbraucherschutz) und Kommissarin Anna
        Diamantopoulou (Beschäftigung und Soziales)

·       Vier oder fünf Gesundheitsminister aus den EU-Mitgliedstaaten (Die Kommission legt dem
        Vernehmen nach Wert darauf, daß verschiedene Gesundheitsversorgungssysteme, also
        u.a. Versicherungsprinzipsysteme und staatliche Systeme, vertreten sind.)

·       Hochrangige Interessenvertreter, voraussichtlich ein Repräsentant des Standing
        Committee of European Doctors, der Patientenverbände, der European Health
        Management Association (EHMA) und der Association Internationale de la Mutualité
       (AIM).

Quelle: gid 31/2002.

1.2      Entwurf eines Berichts des Europäischen Parlaments zur Kommissionsmitteilung über
           die Zukunft des Gesundheitswesens und die Altenpflege

Das Europäische Parlament berät zur Zeit die Mitteilung der EU-Kommission "Zur Zukunft des Gesundheitswesens und der Altenpflege". Der Berichtsentwurf des zuständigen EP-Berichterstatters Mantovani befindet sich in den Ausschussberatungen. Der Entwurf stimmt den Schlussfolgerungen der Kommission zwar grundsätzlich zu. Allerdings sei die Strategie zur Erreichung dieser Ziele und die hierfür zu treffenden konkreten Maßnahmen "noch unzu-reichend ausgearbeitet". Wirksame Ergebnisse könnten nur dann erzielt werden, wenn sie im Rahmen einer "breiteren europäischen Zusammenarbeit" erfolgten, die den speziellen Zielen des Aktionsprogramms der Vereinten Nationen Rechnung trügen.

Konkret ergibt sich laut Berichtsentwurf die Notwendigkeit der Entwicklung der gemeinschaft-lichen Zusammenarbeit hinsichtlich des Austauschs von Informationen zum Gesundheitszu-stand der Bevölkerung, zu "Integratoren" und Risikofaktoren, des Austauschs bewährter Ver-fahren hinsichtlich der Organisation von Gesundheitsdiensten, der gemeinsamen Durchfüh-rung von Fortbildungs- und Informationskampagnen für das im Gesundheitswesen tätige Personal sowie der Festlegung gemeinsamer Qualitätsstandards. Der Entwurf wird in der 40. Kalenderwoche im Arbeits- und Sozialausschuss des EP beraten. Er ist im Internet erhältlich unter http://www.europarl.eu.int/meetdocs/committees/empl/20020910/463333de.pdf.

1.3      Übersicht über die Aktivitäten der EU gegen Bioterrorismus

Die Generaldirektion öffentliche Gesundheit der EU-Kommission hat eine Übersicht über die Aktivitäten der EU gegen den Bioterrorismus erstellt, die die öffentliche Gesundheit betreffen. Die Informationen sind abrufbar über folgende Webseite: http://europa.eu.int/comm/health/ph/programmes/bio-terrorism/index_de.html.

1.4      Ergebnisse der 52. Sitzung des WHO-Regionalkomitees für Europa

Das WHO-Regionalkomitee für Europa hat sich vom 16.-19. September 2002 in Kopenhagen zu seiner 52. Sitzung getroffen. Zentrale inhaltliche Diskussionsthemen des Komitees waren Armut und Gesundheit, die Bekämpfung von Tuberkulose, HIV/AIDS und Malaria, die europä-ische Strategie zur Bekämpfung des Tabakkonsums, die Bedeutung des privaten Sektors für die Gesundheitssysteme. Die Beschlussvorschläge und Diskussionspapiere der Tagung sind im Internet zu finden unter: http://www.euro.who.int/RC.

2          Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

2.1      Bericht der EU-Kommission zum Stand des Binnenmarkts für Dienstleistungen und zur
           grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung

Die EU-Kommission hat unlängst einen Bericht über das Funktionieren des Binnenmarkts für Dienstleistungen vorgelegt. Der Bericht fußt auf den Ergebnissen einer umfangreichen Befra-gung aller im Dienstleistungsbereich tätigen Verbände in den EU-Mitgliedstaaten. Diese waren insbesondere gefragt worden, welche Barrieren und Behinderungen aus ihrer Sicht der Dienstleistungsfreiheit im EU-Binnenmarkt im Weg stehen würden. Auch die DKG hatte an der Befragung teilgenommen.

In der Studie werden nun die Behinderungen des freien Dienstleistungsverkehrs innerhalb der EU ausführlich dargestellt. Im Bericht wird auch die Praxis der Regelung der grenzüber-schreitenden Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen kritisiert. Insbesondere würden Genehmigungen für die Erstattung von Arztkosten, die in einem anderen Mitgliedstaat an-fallen, nur unter Auflagen von den nationalen Behörden erteilt, was die Sozialversicherten davon abhalten könne, sich an Dienstleister in einem anderen Mitgliedstaat zu wenden. Versicherten, die sich in einem anderen Mitgliedstaat behandeln ließen, würden die Kosten häufig nicht erstattet. Die restriktive Auslegung des Anwendungsbereichs der Verordnung 1408/71 durch die Mitgliedstaaten bei Versicherten, die sich in einem anderen Mitgliedstaat in Anspruch genommene Leistungen erstatten lassen wollen, wird im Bericht als "problematisch" bezeichnet. Die Kommission will nun auf der Grundlage der im Bericht vorgenommenen Ana-lyse Vorschläge entwickeln, die die dort genannten Probleme angehen. Quelle: KOM(2002) 441 endgültig.

2.2      Patiententourismus aus Großbritannien: Aktuelle Entwicklungen

Die Auswertung einer Befragung der vom NHS Anfang 2002 zur stationären Behandlung ins Ausland verschickten Patienten hat gezeigt, dass vier von fünf britischen Patienten, die in deutschen Krankenhäusern operiert wurden, mit ihren Erfahrungen hierzulande "sehr zu-frieden" sind. Lediglich drei der vom York Health Economics Consortium befragten Patienten waren mit ihrer Behandlung nicht zufrieden. Dabei waren die Kritikpunkte i.d.R. nicht-medizinischer Art (z.B. umständliche Anreise, fehlende Dolmetscher). Der britische NHS hat zudem offenbar beschlossen, herzkranke Patienten zur Behandlung nach Österreich zu schicken. Für die Behandlung eines Patienten einschließlich einer zweiwöchigen Aufenthalts-dauer in österreichischen Kliniken wurde eine Pauschalsumme von 10.000 britischen Pfund vereinbart. Quellen: Ärztezeitung, 11.09.02, European Hospital 4/02.

3          Koordinierung der Systeme sozialer Sicherheit

3.1      Stand der Reform der Verordnung 1408/71

Die Reform des für die grenzüberschreitende Kostenerstattung einschlägigen Kapitels der zu novellierenden Wanderarbeitnehmerverordnung (1408/71/EWG) nimmt langsam Gestalt an (vgl. gid 31/02). Bereits am 4. Juli 2002 hatte die dänische Ratspräsidentschaft einen Novellierungsvorschlag zu Titel III mit den Kapiteln 1 (Krankheit und Mutterschaft), 2 (Arbeits-unfälle und Berufskrankheiten) und 3 (Sterbegeld) vorgelegt. Die Vorschläge werden zur Zeit in den Ratsarbeitsgruppen beraten. Bei der Frage der zwischenstaatlichen Kostenerstattung wird offenbar eine Kompromisslösung angestrebt, die den unterschiedlichen Interessen von Urlaubsländern und Ländern Nordeuropas Rechnung trägt

So sieht der sogenannte Parameter 8 des Reformkonzepts nun grundsätzlich (nur) eine Erstattung der tatsächlichen Aufwendungen vor; lediglich bei Leistungen in Mitgliedsstaaten (mit nationalen Gesundheitssystemen), bei denen "dies nicht angezeigt" sei, soll weiterhin pauschale Erstattung möglich sein. Strittig ist wohl außerdem, ob die derzeitige Regelung die in den Parametern geforderte "ausgewogene Aufteilung der Kosten" - insbesondere bei Ren-tenempfängern - bewirkt. Bei den Diskussionen sollen sich insbesondere die Mittelmeerländer unter Hinweis auf Parameter 8 eine gerechtere Aufteilung der Kosten für außerhalb des zu-ständigen Mitgliedsstaates wohnhafte Rentner stark gemacht haben; insbesondere dürfe bei Doppelrentnern nicht immer der Wohnstaat zuständig sein.

Weitere Punkte, die einer Lösung bedürfen, sind:  

·        Umfang der zu erbringenden Sachleistungen, die während eines vorläufigen Aufenthalts im Ausland (z.B. Urlaub) notwendig werden: Hier plädieren wohl einige Staaten für die im Entwurf vorgesehene "großzügigere" Regelung, wonach die während des Aufenthalts notwendigen Sachleistungen erbracht werden sollen, andere hingegen (z.B. Deutschland, Österreich, Vereinigtes Königreich, Griechenland, Irland) möchten die Regelung auf die unmittelbar notwendigen Sachleistungen beschränkt sehen. Die Kommission soll hier einen Vorschlag vorlegen, welche Leistungen als "notwendig" oder "unmittelbar notwendig" erachtet werden können (Kompromißvorschlag).

 

·        Umstritten ist auch, inwieweit ein Genehmigungsvorbehalt, wie er derzeit in Art. 16 Abs.
         2 des Entwurfs vorgesehen ist, vor dem Hintergrund der Kohll/Decker-Rechtsprechung
         Bestand haben kann. Letzteres mag der Fall sein, wenn man diese Bestimmung "eng
         auslegt". Die Grundfrage dreht sich darum, ob die EuGH-Rechtsprechung zu dem
         Regelungskomplex "Genehmigungsbedürftigkeit von Auslandsbehandlungen" generell in
         Art. 16 eingebaut werden soll, oder ob die Rechtsprechung lediglich dem Sinn nach "zu
         berücksichtigen" sein soll.  

·        Ein weiterer gewichtiger Diskussionskomplex schließlich ist die sogenannte
         Grenzgänger-Problematik (Art. 18) und die damit verbundene Frage der
         Kostenerstattung.

 3.2      Deutsch-tschechisches Sozialversicherungsabkommen in Kraft

Das Abkommen über soziale Sicherheit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik ist am 1. September 2002 in Kraft getreten. Nunmehr besteht Krankenversicherungsschutz auch dann, wenn sich Versicherte vorübergehend im anderen Vertragsstaat aufhalten. Auch bei Arbeitsunfällen im anderen Land erhalten Versicherte medizinische Leistungen. Quelle: BMA.

4          Leistungen der Daseinsvorsorge

4.1      Ausschreibung einer Studie zur Daseinsvorsorge

Die EU-Kommission hat eine Studie ausgeschrieben, die einen Beitrag zum Thema "Dienst-leistungen von allgemeinem Interesse" leisten soll. In der Studie soll beurteilt werden, inwie-weit die Dienstleistungen von allgemeinem Interesse dazu beitragen, den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt im Zusammenhang mit der Liberalisierung der Märkte und den Versorgungsindustrien zu stärken. Das für die Durchführung der Studie veranschlag-te Budget beträgt ca. 500.000 €. Die Auftragsdauer soll neun Monate betragen. Nähere Aus-künfte über: EU-Kommission, GD Regionalpolitik, Herr Mairate, Referat A 03, CSM2 02/155, B-1049 Brüssel, Tel.: 0032-2-295-0298, Fax: 0032-2-296-3324, email: andrea.mairate@cec.eu.int. Quelle: EU-Amtsblatt S 170, 03.09.2002.

4.2      Fachtagung zur Daseinsvorsorge und zum Beihilferecht

Die Europäische Rechtsakademie in Trier veranstaltet am 10./11. Oktober 2002 das 6. ERA-Forum zum Europäischen Beihilferecht. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung wird die Behand-lung der Leistungen der Daseinsvorsorge durch das Gemeinschaftsrecht sein. Mehr dazu unter: http://www.era.int/www/de/c_3505.htm bzw. bei ERA Trier, Metzer Allee 4, D-54295 Trier, Tel.: 0651/937370, Fax: 0651/93737-90.

5          Qualitätssicherung

5.1      Zwischenstand zur EU-Richtlinie zu Blut und Blutbestandteilen

In den Beratungen über den Richtlinienvorschlag der Kommission zum Umgang mit Blut und Blutbestandteilen ist es dem Rat bislang nicht gelungen, alle durch das Europäische Parla-ment in zweiter Lesung angenommenen Änderungen am Entwurf zu übernehmen. Umstritten sind insbesondere zwei Änderungsvorschläge des Parlaments. Der erste Änderungsvorschlag betrifft die Dauer der Aufbewahrung der Daten zur Nachverfolgbarkeit. Zwar stimmen hier beide Institutionen überein, dass es notwendig ist, diese Daten mindestens 30 Jahre lang aufzubewahren. Das Parlament hat aber den Begriff "Daten der Nachverfolgbarkeit" durch "Daten der Hämovigilanz" ersetzt, wobei gemäß der im Text vorgesehenen Definition auch Transfusionszwischenfälle und Gegenreaktionen abgedeckt wären. Da diese Daten häufig mit dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten in Verbindung stehen und deshalb entsprechende Fälle zahlreich vorkommen, sträuben sich mehrere Mitgliedstaaten dagegen, die Aufbewahrung dieser Fälle über einen so langen Zeitraum aufzuerlegen.

Der zweite Änderungsvorschlag betrifft die Einführung der Pflicht, einen Blutspender medizi-nisch zu untersuchen, bevor dieser die Genehmigung zur Blutspende erhält. Mehrere Mitglied-staaten sind gegen eine solche Vorgabe; denn in ihrer Auffassung liegt die Kompetenz für entsprechende Regelungen bei den Mitgliedstaaten. Die Auffassung des Parlaments, dass diese Untersuchung von ärztlichem Hilfspersonal durchgeführt werden könnte, ist für einige Mitgliedstaaten ebenfalls nicht hinnehmbar. Diese sind der Ansicht, dass eine ärztliche Unter-suchung immer von einem Arzt vorgenommen werden muss. Angesichts dieser unterschied-lichen Positionen hat der Rat am 26. August 2002 beschlossen, das Vermittlungsverfahren einzuleiten.

5.2      Konferenz zur Akkreditierung und Zertifizierung im Gesundheitswesen

Vom 29.-31. Oktober 2002 findet in Florenz eine europäische Fachtagung zur Akkreditierung und Zertifizierung im Gesundheitswesen ("Accreditation and Certification in Public Health Care Systems in Europe and Italy") statt. Vorgestellt werden u.a. die in den EU-Mitgliedstaaten angewendeten Zertifizierungssysteme. Informationen über: FIASO, Corso Vittorio Emanuele II, 24, 00186 Roma, info.fiaso@fiaso.it, www.qualityhealth.fiaso.it.

5.3      Öffentliche Anhörung des Europäischen Parlaments zur Qualitätssicherung bei Brustkrebs

Das Europäische Parlament wird am 1. Oktober 2002 in Brüssel eine öffentliche Anhörung zur Qualitätssicherung bei Brustkrebserkennung und -behandlung durchführen. Hauptthemen der Veranstaltung werden Krebsregister, die europäischen Leitlinien zum Mammographie-Screening und multidisziplinäre Brustkrebszentren sein. Auch EU-Gesundheitskommissar David Byrne wird auf der Tagung einen Vortrag halten. Nähere Informationen zum Ablauf der Veranstaltung unter http://www.europarl.eu.int/hearings/20021001/femm/programme_en.pdf.

6          Personal und Beschäftigung

6.1      Vergleichende Untersuchung zum frühzeitigen Ausscheiden von Pflegepersonal

Im Rahmen der europäisch vergleichend angelegten "Nurses’ Early Exit Study" (NEXT-Studie) wird ab diesem Herbst nach den Gründen des frühzeitigen Ausscheidens des Pflegepersonals gesucht. Entsprechende Erhebungen sind in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Groß-britannien, Italien, den Niederlanden und Schweden geplant. In Deutschland sollen insgesamt 6.000 Pflegekräfte in über 70 Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten befragt werden. Themenkomplexe der Befragung sind Berufsbiographie, Arbeitsinhalte und -organisation sowie berufliche Pläne. Teilnehmer, die die Einrichtung innerhalb von 12 Monaten verlassen, erhalten einen weiteren Fragebogen, der die Gründe für diesen Schritt erfasst. Die Forschungsergebnisse sollen Ausgangspunkt für die Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen der Arbeitsgestaltung sein, um den Verbleib des Pflegepersonals im Beruf zu fördern. Die deutsche Befragung wird vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten-Herdecke durchgeführt. Erste Ergebnisse werden im Sommer 2003 erwartet. Quelle: Ärztezeitung, 04.09.2002. Vgl. auch DKG-Brüssel-Info März 2002 (Rundschreiben Nr. 44/02).

6.2      Parlamentsberatungen zum Richtlinienentwurf über die Anerkennung von Berufsqualifikationen

Das Europäische Parlament hat seine Beratungen zum o.g. Richtlinienentwurf begonnen. Der federführende Rechtsausschuss wird hierzu eine öffentliche Anhörung am 1. Oktober 2002 durchführen, zu der alle betroffenen Berufsgruppen sowie wissenschaftliche Experten angehört werden. Der Ablauf der Anhörung ist unter http://www.europarl.eu.int/hearings/20021001/juri/programme_en.pdf im Internet zu finden. Der Vorschlag der Kommission hat das Ziel, ein einheitlicheres, transparenteres und flexib-leres System der Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise in den Mitgliedstaaten der EU zu schaffen. In erster Linie soll  eine Konsolidierung der bisherigen Richtlinie erfolgen und die fünfzehn geltenen Richtlinien ersetzen und ihre Inhalte zusammenfassen. Im einzelnen handelt es sich um drei allgemeine Anerkennungsrichtlinien und zwölf sektorale Richtlinien, die den Beruf der Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Zahnärzte, Tierärzte, Hebammen, Apotheker und Architekten betreffen. Insbesondere die Ärzteorganisationen haben zum Vorschlag der Kommission bereits erhebliche Kritik angemeldet.

6.3      Seminar zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsabschlüssen

Das European Institute of Public Administration (EIPA) führt vom 2.-4. Dezember 2002 in Maastricht, Niederlande, ein Seminar zur gegenseitigen Anerkennung von Berufsabschlüssen in der EU durch. Näheres über: EIPA, Ms. Lisette Borghans, P.P. Box 1229, NL-6201 BE Maastricht, Tel.: 0031/43-3296-334, Fax: 0031/43-3296-296, email: l.borghans@eipa-nl.com.

7          Arzneimittel

7.1      Stand der Reform des EU-Arzneimittelrechts

Der Rat der EU-Gesundheitsminister hat die Vorschläge der Kommission für eine Reform des EU-Arzneimittelrechts Ende Juni 2002 nicht mehr abschließend beraten können. Im Mittelpunkt der Diskussion stand damals die geplante Reform des Genehmigungsverfahrens: Während die Kommission vorschlägt, das zentralisierte Genehmigungsverfahren zur Markteinführung bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA für alle neuen aktiven Substanzen bindend zu machen, sprachen sich viele Minister für ein System aus, das den Pharmaunternehmen die Wahl zwischen dem EMEA-Verfahren und der Genehmigung durch die nationalen Behörden zu belassen. Die Beratungen sollen nun im Oktober fortgeführt werden. Auch die Stellungnahme des Europäischen Parlaments wird für Oktober erwartet. Quelle: DKG-Brüssel-Info 133/02, ESIP.

8          Ausschreibungen, Forschungsförderung

8.1      Informationsveranstaltung zum 6. EU-Forschungsrahmenprogramm

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung veranstaltet am 3./4. Februar 2003 in Hannover das Seminar "Das 6. Forschungsrahmenprogramm - Chance für Deutschland und Europa". Auf der Veranstaltung werden die spezifischen Teilprogramme vorgestellt - also auch die Fördermöglichkeiten im Gesundheitswesen. Außerdem werden sich Workshops den einzelnen Themen des Programms detaillierter widmen. Informationen zum Programm und zu den Anmelderegularien sind über www.rp6.de im Internet erhältlich.

8.2      Aufruf zur Interessensbekundung bzgl. der Bekämpfung von AIDS

Die EU-Kommission hat einen Aufruf zur Interessensbekundung bzgl. der Beteiligung an Programmen zur Bekämpfung von AIDS in Entwicklungsländern veröffentlicht. Unterstützt werden Maßnahmen, mit denen die Wirksamkeit von Programmen zur HIV/AIDS-Prävention sowie zur Behandlung und Pflege von Infizierten und Kranken verbessert wird. Die Maßnah-men richten sich insbesondere an junge Menschen und arme und gefährdete Bevölkerungs-gruppen. Gewünscht sind Informations-, Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen zur Ver-änderung von Verhaltensweisen, Forschungsmaßnahmen für die Organisation des Gesund-heitssystems und Maßnahmen zur Prävention, Behandlung und Pflege. Insgesamt werden 22 Mio. € zur Verfügung gestellt. Frist für die Einreichung von Interessensbekundungen ist der 24. Oktober 2002. Bewerbern wird empfohlen, den Ausschreibungstext im EU-Amtsblatt Nr. C 203 vom 27.08.2002 einzusehen. Weitere Informationen sind über die Webseite http://europa.eu.int/comm/europaid/index_de.htm abrufbar.

8.3      Partnerschaft zwischen Europa und den Entwicklungsländern im Kampf gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose

Am 29.08.2002 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine langfristige Partnerschaft zwischen Europa und den Entwicklungsländern verabschiedet. Ziel des Programms ist es, die Entwicklungsländer durch die gemeinsame Entwicklung von Arzneimitteln und Impfstoffen gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose bei der Bekämpfung dieser Krankheiten zu unter-stützen und deren Behandlung kostengünstiger zu machen. Insgesamt sollen dafür gestellt werden. Teil des Vorschlags ist die Bereitstellung von 200 Mio. € für die Entwicklung neuer Arzneimittel und Impfstoffe gegen die genannten Krankheiten. Die Partnerschaft betrifft auch die Durchführung klinischer Versuche. Unter http://europa.eu.int/comm/research/edctp.html sind weiterführende Informationen zu finden.

9          Veröffentlichungen, Studien, Berichte

9.1      Europäischer Gesundheitsbericht der WHO

Das WHO-Regionalbüro Europa hat den ersten europäischen Gesundheitsbericht vorgelegt. Der Bericht liefert einen Überblick über den Gesundheitszustand der Bevölkerung in den WHO-Ländern der Region und benennt die wesentlichen gesundheitsbeeinflussenden Fakto-ren wie Lebensstil und Umweltsituation. Er stellt außerdem die Gesundheitssysteme Europas gegliedert nach Sektoren dar und berichtet über die jüngsten Reformmaßnahmen. Der An-hang enthält vergleichende Statistiken zur Gesundheitssituation und zu den Gesundheits-systemen der WHO-Länder Europas. Er ist im Internet unter http://www.who.dk/document/e76907.pdf erhältlich.

9.2      ESIP-Sozialschutzkompendium

Die Europavertretung der Sozialversicherungen hat das Kompendium "The Structure of the Social Insurance in Europe" im Internet (www.esip.org) veröffentlicht. Das mehr als 100 Seiten umfassende Werk präsentiert die Organisationsstrukturen sozialer Sicherheit in den 15 Mitgliedstaaten der EU sowie in Island, Norwegen und Liechtenstein. Das Kompendium ist über das Internet kostenlos erhältlich (http://www.esip.org/documents/structure.pdf).

9.3      Studie zur europäischen Sozialpolitik im Jahr 2001

Eine Studie der Beobachtungsstelle zur Europäischen Sozialpolitik berichtet über aktuelle sozialpolitische Entwicklungen auf europäischer Ebene und über jüngste Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs, die dieses Politikfeld betreffen. Die Studie: Degryse, Christoph/Pochet, Phillipe, 2002: Social Developments of the European Union 2001, Brussels: European Trade Union Institute/Observatoire Social Européen/Hans-Böckler-Stiftung/SALTSA ist über http://www.ose.be zu beziehen.

10       Veranstaltungen, Kongresse, Fachtagungen

  • Das Observatorium für die Entwicklung der sozialen Dienste in Europa veranstaltet am 16./17. Oktober 2002 in Berlin eine Fachtagung zum Thema "Indikatoren und Qualität sozialer Dienste im europäischen Kontext". Näheres dazu beim Veranstalter: Observatorium, Am Stockborn 5-7, D-60439 Frankfurt a.M., Tel.: 069/957890, Fax: 069/95789-173 bzw. unter http://www.soziale-dienste-in-europa.de.

 

  • Vom 19.-22. November 2002 veranstaltet die Europäische Organisation für die Erforschung der Behandlung von Krebserkrankungen in Frankfurt a.M. die inter-nationale Konferenz "Molecular Targets and Cancer Therapeutics". Näheres unter http://www.fecs.be/conferences/ena2002/index.shtml.