Die Aufwandserstattung für die Leistungen, die Transplantationszentren und andere Krankenhäuser im Rahmen der Organentnahme erbringen, wird durch die Vertragspartner nach § 11 Abs. 2 des Transplantationsgesetz (TPG) mit den „Durchführungsbestimmungen zur Aufwendungserstattung nach § 8 Abs. 2 des Vertrages nach § 11 Abs. 1 TPG“ geregelt. Die TPG-Vertragspartner GKV-Spitzen-verband, Bundesärztekammer, Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Deutsche Stiftung Organtransplantation als Koordinierungsstelle haben mit der zweiten Fortschreibung der o.g. Durchführungsbestimmungen die folgenden Erstattungsbeträge für das Jahr 2012 vereinbart. Die modulare Struktur der Aufwandserstattung sowie die Definition der Aufwandspauschalen wurden nicht verändert.

Vereinbarte Beträge für die Aufwandserstattung im Jahr 2012:
- Einorgan-/Nierenentnahme 2.907 Euro
- Mehrorganentnahme 3.879 Euro
- Abbruch während der Intensivstationsphase wegen Ablehnung 259 Euro
- Abbruch während der Intensivstationsphase nach Zustimmung 795 Euro
- Abbruch im OP 2.907 Euro

Der Meldebogen zur Abrechnung der Aufwandspauschalen gegenüber den zuständigen regionalen Organisationszentralen der DSO für das Jahr 2012 ist als Anlage 1 sowie die Anschriften der regionalen Organisationszentralen der DSO als Anlage 2 beigefügt. Wir weisen der Vollständigkeit halber darauf hin, dass sich die Vereinbarung zum DSO Budget derzeit noch im Unterschriftenverfahren befindet und die Vereinbarung auch erst mit Genehmigung des Bundesministeriums für Gesundheit rechtskräftig wird. Sollten sich wieder erwarten Änderungen ergeben, werden wir Sie zeitnah informieren.


Erläuterungen zu den Änderungen für 2012

Wie im Jahr 2010 angekündigt, wurden die Aufwandspauschalen für das Jahr 2012 von den TPG-Vertragspartnern erstmalig auf der Grundlage einer Kostenkalkulation durch das InEK verhandelt. Die TPG-Vertragspartner hatten sich bereits bei der Einführung der Pauschalen im Jahr 2004 verpflichtet, diese durch ein Kalkulationsprojekt zu prüfen. Nach langwierigen Verhandlungen der TPG-Vertragspartner über eine geeignete Methodik und die Modalitäten einer Auftragsvergabe wurde das InEK im Mai 2011 beauftragt, begleitend zur G-DRG-Kalkulation auch eine Kalkulation der Aufwandspauschalen umzusetzen. Das InEK hat wie beauftragt die Kosten- und Leistungsdaten des Jahres 2010 in einer Stichprobe von Krankenhäusern erhoben. Die Ergebnisse der Kalkulation wurden im Rahmen der Präsentation des G-DRG-Kataloges am 19. August 2011 kurz vorgestellt und mit den TPG-Vertragspartnern am 26. Oktober 2011 ausführlich beraten. Auf der Grundlage der vorliegenden Kalkulationsergebnisse und der ergänzenden Informationen haben die TPG-Vertragspartner eine Vereinbarung über die Aufwandserstattung für 2012 abgeschlossen, die im Folgenden kurz erläutert wird.


Pauschalen bei erfolgreichen Organspenden

Bei den Pauschalen für die erfolgreichen Organspenden hat das InEK aufgrund der lückenhaften Datenlage abweichend von dem üblichen Verfahren der Mittelwertbildung von Fallkosten einen modularen Ansatz nach Kostenstellengruppen umgesetzt und die Ergebnisse für die einzelnen Kostenmodule im OP-Bereich (insbesondere Ärztlicher Dienst OP und Ärztlicher Dienst Anästhesie) separat ausgewiesen. Dadurch konnte in Abstimmung mit den TPG-Vertragspartnern vermieden werden, dass Datenlücken (fehlende Kosten) in die Mittelwertbildung einbezogen werden. Die Bandbreite der Kosten für die mengenmäßig bedeutsame Multiorganentnahme lag im Vergleich zu der bisherigen Vergütungshöhe bei
-26,0% bis +2,6%. Nach intensiver Verhandlung konnten sich die TPG-Vertragspartner darauf verständigen, bei den Entnahmepauschalen den jeweils höchsten Wert bzw. alle Kostenmodule in voller Höhe zu Grunde zu legen. Im Gegenzug wurde auf einer Fortschreibung der Kosten aus dem Jahr 2010 auf das Jahr 2012 verzichtet.


Pauschalen bei Abbruch der Organspende

Auch die Datenlage zur Kalkulation der Pauschalen bei Abbruch der Organspende war bei der erstmaligen Kalkulation noch problematisch. Bis auf die Pauschale bei „Abbruch wegen Ablehnung“ konnten die Ergebnisse nicht direkt kalkuliert werden. Die hilfsweise Berechnung für die Pauschale bei „Abbruch nach Zustimmung“ stellte sich jedoch mit 128 kalkulierten Fällen und den Erläuterungen des InEK als plausibel dar. Der deutliche Rückgang der Intensivkosten um 41,2% ist vor allem durch kürzere Verweilzeiten zu erklären. Für die Pauschale bei „Abbruch im OP“ war keine Orientierung an den Kalkulationsergebnissen möglich. Eine pragmatische Lösung bestand darin, die bisherige Herleitungssystematik fortzuführen und für diese Pauschale den Wert der „Einorganentnahme“ unverändert zu übernehmen.


Diagnostische Leistungen des Krankenhauses

Um die bislang nicht geregelte Vergütung der zum Teil sehr kostenintensiven diagnostischen Maßnahmen, die zudem i.d.R. durch das Implantationsteam und nicht durch das Spenderkrankenhaus veranlasst werden, zu klären, wurde das InEK beauftragt, die Anzahl dieser Leistungen zu erheben. Im Ergebnis war auf Basis der Daten des Jahres 2010 lediglich eine Kalkulation der Kosten für die Koronarangiographie in Höhe von 455 Euro möglich. Für zwei weitere diagnostische Leistungen (Bronchoskopie, Echokardiographie) konnten die Kalkulationshäuser Angaben zur Anzahl der Leistungen machen aber keine Kosten aus der Dokumentation des Jahres 2010 nachweisen. Als pragmatische Lösung für das Jahr 2012 verständigten sich die TPG-Vertragspartner darauf, die Kosten für Diagnostik durch eine Erhöhung der Aufwandspauschale für Mehrorganspender zu berücksichtigen. Die Aufwandspauschale für Mehrorganspender wurde um einen „pauschalen Zuschlag für Diagnostik“ in Höhe von geschätzt 200 Euro erhöht. Darin enthalten ist entsprechend der Häufigkeit ein Betrag in Höhe von 87 Euro für die Koronarangiographien. Da kostenintensive Diagnostik nach derzeitiger Kenntnis ausschließlich bei Mehrorganspenden durchgeführt wurde, ist keine Anhebung der Pauschale bei Einorganspende vorgenommen worden. Die TPG-Vertragspartner haben somit die Erstattung für diagnostische Leistungen des Krankenhauses für das Jahr 2012 nicht über eine gesonderte Vergütung, sondern als Bestandteil der Organentnahmepauschalen geregelt. Um diese pragmatische Lösung sachgerecht weiterentwickeln zu können, werden die Kalkulationskranhäuser gebeten, die kostenintensiven diagnostischen Maßnahmen zur Vorbereitung von postmortalen Organspenden sorgfältig zu erfassen.


Veränderung der Aufwandserstattung von 2011 auf 2012

Im Vergleich zu der Aufwandserstattung in 2011 würde sich das Vereinbarungsergebnis für 2012 bei unveränderter Anzahl der jeweiligen Pauschalen wie folgt darstellen.


Als weitere Verhandlungspunkte hatte die DKG gefordert, mit der Höhe der Pauschalen auch eine finanzielle Förderung der Organspende und die Kostenentwicklung von 2010 bis 2012 zu berücksichtigen. Da das Datenproblem im Einvernehmen mit dem GKV-Spitzenverband zu Gunsten der Krankenhäuser gelöst werden konnte und unter Würdigung der Erhöhung um insgesamt 9,8% stimmte die DKG dennoch am 22. November 2011 den erzielten Verhandlungsergebnissen für 2012 zu. Die DKG betont dabei jedoch, dass auf der politischen Ebene nach wie vor die Förderung der Organspende z.B. durch einen Ausgleich der Anbahnungs- und Opportunitätskosten der Krankenhäuser eingefordert wird.

Die TPG-Vertragspartner konnten in diesem Jahr erstmalig den Aufwand der Krankenhäuser für die Organspende aus den Leistungs- und Kostendaten der beteiligten Krankenhäuser ableiten und auf dieser sachlichen Grundlage über die Pauschalen für das Jahr 2012 verhandeln. Allerdings mussten zum Teil pragmatische Lösungen gefunden werden, um noch vorhanden Datenlücken und Informationsdefizite auszugleichen. Die Datenerhebung in den Krankenhäusern und Kalkulation durch das InEK wird fortgesetzt. Die TPG-Vertragspartner gehen davon aus, dass sich auch die Datengrundlage für die Weiterentwicklung der Aufwandspauschalen kontinuierlich verbessern wird. Die teilnehmenden Kalkulationskrankenhäuser werden eindringlich gebeten, die Leistungen und Kosten im Rahmen der postmortalen Organspenden vollständig zu erfassen.