Wesentliche Kennzeichen des demografischen Wandels in Deutschland

1. Geburtenniveau dauerhaft niedrig: seit etwa 40 Jahren liegt dieses (1,4 Kinder) um ein Drittel unter dem Niveau zur Erhaltung der Bevölkerungszahl (Generationenersatz); bis 2060 wird die Bevölkerung auf 65 bis 70 Millionen Menschen zurückgehen (Rückgang um 15 bis 21 Prozent innerhalb von 50 Jahren); Folge ist u.a. eine deutlich sinkendende Erwerbspersonenzahl

2. Steigende Lebenserwartung bei niedriger Geburtenrate: die Lebenserwartung steigt kontinuierlich und bewirkt eine weitere Verschiebung der Alterszusammensetzung der Bevölkerung zugunsten der Älteren; bis zum Jahr 2060 steigt die Lebenserwartung bei neugeborenen Jungen um acht auf 85 Jahre (Mädchen um 7 auf 89,2 Jahre); 2060 wird jeder Dritte (34%) älter als 65 Jahre sein; die Versorgung Älterer muss zunehmend durch schwächer besetzte, jüngere Jahrgänge sichergestellt werden

3. Zuwanderung kann Veränderung des Altersaufbaus lediglich abmildern: nachdem der Wanderungssaldo jahrelang rückläufig und zwischenzeitlich sogar negativ war, gab es im Jahr 2010 wieder Wanderungsgewinne (128.000 Personen); da die demografische Alterung im heutigen Altersaufbau jedoch angelegt ist, kann Zuwanderung die Veränderung des Altersaufbaus lediglich abmildern

4. Demografische Entwicklung innerhalb Deutschlands regional unterschiedlich: viele ostdeutsche Regionen sind mit einem deutlichen Rückgang der Bevölkerungszahl und einer starken Alterung konfrontiert; zunehmend gilt dies auch für ländliche und städtische Regionen in Westdeutschland

5. Deutschlands Bevölkerung wird sozial und ethnisch heterogener: derzeit leben hier 15,7 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund; dieser Trend wird sich fortsetzen; Lebens- und Familienformen werden vielfältiger

Auswirkungen im Bereich Gesundheit und Pflege
Der wachsende Anteil älterer und hochbetagter Menschen wird dem Bericht zufolge das Gesundheitssystem künftig mit steigenden Ausgaben und mit tendenziell sinkenden Einnahmen konfrontieren. Ursächlich für den Ausgabenanstieg sind der zunehmende Bedarf an Gesundheitsleistungen, gerade bei Älteren, und der medizinisch-technische Fortschritt. Auch das System der Pflegeversicherung, dessen Finanzierung bisher ausschließlich auf einkommensabhängigen Beiträgen beruht, ist in einer alternden Bevölkerung einer zurückgehenden Finanzierungsbasis ausgesetzt. Gleichzeitig führt die Alterung der Bevölkerung zu einem steigenden Bedarf an Pflegeleistungen: Im Jahr 2010 waren rund 2,42 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Diese Zahl könnte bis zum Jahr 2020 auf rund 2,9 Millionen und im Jahr 2030 auf 3,37 Millionen Menschen steigen. Ein besonderes Problem stellt dabei die Zunahme demenzieller Erkrankungen dar.

Angesichts der demografischen Entwicklung gehört der Gesundheitssektor zu den Branchen mit hohem Wachstumspotenzial. Allein zwischen den Jahren 1999 und 2009 hat die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen um über 600.000 zugenommen. Derzeit arbeiten rund 4,7 Millionen Menschen im Gesundheitswesen. Dem Bericht zufolge wird zukünftig mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen zu rechnen sein. Der Bedarf nach qualifizierten Arbeitskräften in den Heil- und Pflegeberufen wird weiter zunehmen, zumal vorhandenes Personal – wie die Bevölkerung insgesamt – altert und zu einem Zeitpunkt in den Ruhestand treten wird, zu dem in immer höherem Umfang mit Gesundheits- und Pflegeleistungen zu rechnen sein wird.

Ausgehend von der beschriebenen Problematik werden im Bericht eingeleitete Strategien und künftige Ziele und Handlungsfelder der Bundesregierung beschrieben.

Die Zusammenfassung des Demografieberichtes („Kurzbericht“) und einen Auszug aus der Langfassung zum Themenkomplex „Gesundheit und Pflege“ haben wir beigefügt. Die komplette Langfassung ist auf den Internetseiten des Bundesministeriums des Inneren abrufbar (http://www.bmi.bund.de).